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Orthomolekulare Medizin

Damit Bewegen wieder Freude macht

21.04.2011  14:45 Uhr

Von Anna Laven / Die Zahlen sprechen für sich: An Arthrose leiden zwischen 5 und 15 Millionen Deutsche. Auch wenn der vorzeitige Knorpelverschleiß heftige Schmerzen verursacht, so ist Bewegung doch eine der wichtigsten Therapiemaßnahmen. Präparate aus der orthomolekularen Medizin unterstützen die Behandlung.

Laut Definiton ist die Arthrose ein »auf Abnutzung beruhendes, nicht-entzündliches Gelenkleiden«. Neben genetischer Disposition oder Unfällen spielt Übergewicht bei der Entstehung der Arthrose offensichtlich eine Rolle. Durch die Überbelastung des Knorpels verändert sich zunehmend die Struktur der Gelenke, bis diese oft dauerhaft schmerzen. Vom vorzeitigen Knorpelverschleiß sind besonders häufig Knie- und Hüftgelenke betroffen. Da Knorpel nicht mit Blutgefäßen durchsetzt ist, versorgt ihn die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen, während sie den Knorpel umspült. Nur so kann der Knorpel seine Funktion erfüllen, die schmerzempfindliche Knochenhaut schützen und dem Gelenk als Stoßdämpfer dienen.

Auch Medikamente beeinflussen die Ausbildung einer Arthrose mit, beispielsweise kann die langjährige Behandlung mit dem Blutverdünner Phenprocoumon die Erkrankung begünstigen.

Nicht bei jedem Patienten verursacht Arthrose zwingend Dauerbeschwerden, anlaufs- und belastungsabhängige Schmerzen sind jedoch üblich. Das zunehmend unebene Gelenk kann zunächst einfach nur Geräusche machen, doch mit der Zeit verändert es seine Form. Das Zusammenspiel aus Schmerz und Übergewicht führt zur eingeschränkten Beweglichkeit. Eine mikronährstoffarme Ernährung begünstigt den Verlauf der Arthrose. Auch hierfür ist Bewegung wichtig, damit die Mikronährstoffe in das Knorpelgewebe transportiert werden.

Verschiedene Therapien kombinieren

Experten sind sich nicht einig, ob sich Gelenkknorpel wieder aufbauen lässt – auch wenn das erklärtes Therapieziel ist. Einige Studienergebnisse sprechen dafür, dass Chondroitin, Glucosamin und Hyaluronsäure nützlich sind, andere wiederum sprechen dagegen. Waren Mediziner früher der Ansicht, dass Hyaluronsäure zwingend ins Gelenk gespritzt werden muss, um ihre Wirkung zu entfalten, ist heute aus Tierversuchen mit radioaktiv markierter Substanz bekannt, dass auch die orale Gabe zu einer Anreicherung im Gelenk führt. Eine Tatsache ist unbestritten: Präparate, die Knorpel wieder aufbauen sollen, können nicht schaden.

Außerdem müssen entzündliche ­Prozesse möglichst gestoppt werden, um die Beweglichkeit der Gelenke zu fördern und damit den Betroffenen das Bewegen wieder zu erleichtern. Nur so können Folgeschäden verhindert beziehungsweise Operationen hinausgezögert werden. Für die Lebensqualität des Patienten ist es notwendig, auftretende Schmerzen zu behandeln. Hierzu empfiehlt die europäische Liga gegen Rheumatismus (EULAR = European League against rheumatism), lokale Schmerztherapien den systemischen vorzuziehen. Somit bestehen folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Gewichtsreduktion und Bewegung, auch zur Vorbeugung,
  • physikalische Therapie, Krankengymnastik, Ernährung,
  • lokale Behandlung durch Salben mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Inhaltsstoffen wie Beinwell oder NSAR,
  • lokale Wärmetherapie mit Salben mit Methylnikotinat oder Capsaicin,
  • orales Schmerzmittel (NSAR) zur Behandlung der akuten Schmerzen,
  • Cortisolinjektionen ins Gelenk, um das Entzündungsgeschehen zu stoppen.

Präparate mit Mikronährstoffen können unterstützend eingesetzt werden.

Das orthomolekulare Gelenkkonzept

Voraussetzung für eine orthomolekulare diätetische Therapie ist ein gewisses Durchhaltevermögen, denn Arthrosepa­tienten müssen die Mikronährstoffpräparate mindestens drei Monate lang einnehmen, bevor sie eine merkliche Besserung spüren. Von der Therapie profitieren sowohl Patienten, die bereits über Anlauf- oder Ruheschmerzen klagen, als auch solche, die Prävention betreiben möchten. Zum Beispiel kommen hier in Betracht: Menschen mit beginnenden Gelenkbeschwerden, Sportler mit Gelenkverletzungen sowie Menschen, die ein Knirschen, Knacken oder Ziehen im Gelenk bemerken.

Das Beratungstrio nach Laven am Beispiel von Omnival®

Das orthomolekulare Gelenkkonzept ruht auf den drei Säulen:

  • synergistische Knorpelbausteine wie ­Hyaluronsäure, Glucosamin, Chondroitin und Kollagenhydrolysat,
  • Reduktion entzündlicher Prozesse mit Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien,
  • Unterstützung des Knorpel- und Knochenstoffwechsels mit N-Acetylcystein und den Vitaminen B6, D und K .

Wie immer in der orthomolekularen Therapie ergänzen sich die Mikronährstoffe synergistisch. Aus diesem Grund enthalten die Produkte Hyaluronsäure, Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat. Das Kollagenhydrolysat sorgt dafür, dass die für den Knorpel wichtigen Aminosäuren Lysin, Prolin und Hydroxyprolin im richtigen Mengenverhältnis zugeführt werden. Manche Präparate versorgen den Körper darüber hinaus mit Enzymen; diese sollen speziell bei Problemen mit den Bändern angewendet werden (zum Beispiel Orthomol® tendo).

Entzündliche Prozesse reduzieren

Essenzielle Omega-3-Fettsäuren wie Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) beeinflussen nicht nur den Fettstoffwechsel positiv, sondern unterstützen darüber hinaus antientzündliche Prozesse. Ihre Wirkung wird durch weitere Mikronährstoffe wie die Antioxidanzien Vitamin C, Vitamin E, Flavonoide und Carotinoide ergänzt. Als Bestandteile antioxidativer Enzyme runden die Spurenelemente Selen, Mangan und Kupfer die Wirkung der Präparate ab.

Zur Unterstützung und Erhaltung des noch vorhandenen Knorpels enthalten Präparate aus der orthomolekularen Therapie N-Acetylcystein, Vitamin D und Vitamin K. Das Prodrug N-Acetylcystein wird im Körper zunächst in Cystein und anschließend in Gluthation umgewandelt. Cystein und Gluthation sind wichtige Antioxidanzien.

Knorpelstoffwechsel anregen

Vitamin D dient zur Unterstützung des Knochenaufbaus und Vitamin K dem Knorpelstoffwechsel. Zwar entspricht die Dosierung an Vitamin K in den Präparaten in der Regel dem geringen Vitamin-K-Gehalt eines Eies (ein Ei enthält 50 µg Vitamin K), dennoch sollten sich Patienten, die den Blutverdünner Phenprocoumon einnehmen, vor einer längeren Therapie an ihren behandelnden Arzt zu wenden. Die Zugabe von Vitamin B6 optimiert die Zellfunk­tion und ist wichtig für den Energiestoffwechsel von Knochen und Knorpel.

Bei der Abgabe sollten PTA oder Apotheker den Patienten folgenden Satz mit auf den Weg geben: Bewegen Sie sich ausreichend, damit die Nährstoffe auch gut in das Gelenk transportiert werden. /