PTA-Forum online
Inkontinenzprodukte

Hautgesundheit im Fokus

21.04.2011
Datenschutz

PTA-Forum / Die Pflege eines bettlägerigen und inkontinenten Ange- hörigen erfordert viel Zeit und häufig eine große Portion Geduld. So ist jeder Pflegende, egal ob Profi oder Laie, froh über arbeitsentlastende und fortschrittliche Produkte. Dank intensiver Forschung ersetzen heute hochmoderne Inkontinenzvorlagen Krankenunterlagen von früher.

Inkontinenz belastet immer auch die Haut: Andauernde Feuchtigkeit und aggressive Zersetzungsprodukte von Urin und Faeces reizen sie und weichen sie auf. Letztlich büßt die Haut ihre natürliche Schutzfunktion ein. Sie wird deutlich verletzlicher und durchlässiger, sodass Bakterien und Allergene leichter in tiefe Hautschichten vordringen können. Irritationen, Reizungen oder auch Dermatitiden sind die unangenehmen Folgen.

Wer diese Prozesse verhindern möchte, sollte Inkontinenzprodukte wählen, die einen aktiven Hautschutz gewährleisten. Hochmoderne Produkte verhindern nicht nur zuverlässig das Auslaufen und halten sicher trocken, sondern sie schützen effektiv die Gesundheit der Haut. Sie bestehen aus textilartigen, weichen Außenhüllen und luftdurchlässigem Vlies im Hüftbereich. Als Materialien werden hypoallerge, antibakterielle und pH-neutrale Stoffe ausgewählt. Doch das war nicht immer so.

Vom Zellstoff zum Adsorber

Noch vor 40 Jahren war Hautschutz bei der Inkontinenzversorgung fast kein Thema. Damals gab es auf dem deutschen Markt als aufsaugende Hilfsmittel Krankenunterlagen und Vorlagen als Kompakt-Saugkissen. Da alle Produkte aus Zellstoff bestanden, lag ständig feuchter Zellstoff auf der Haut. Die Nässe griff permanent deren Säureschutzmantel an. Außerdem wurden die Vorlagen entweder mit einem Netzhöschen fixiert oder mit einer Wickelfolie gehalten, die arbeitsaufwendig über die Vorlage gelegt und an den Seiten zugeknotet werden musste. Mitte der 1980er Jahre kamen anatomisch geformte Inkontinenzprodukte mit zweilagigem Zellstoff-Saugkörper auf den Markt. Zwischenzeitlich verdrängten dann Inkontinenzslips die Vorlagen. Doch mittlerweile bevorzugen die Patienten wieder Vorlagen, weil diese diskreter sind und ihnen mehr Tragekomfort und eine höhere Bewegungsfreiheit bieten.

Anfang der 1990er Jahre revolutionierten Kunststoffe die Inkontinenzversorgung: Super Absorbent Polymere, kurz SAP, können mehr als das 50-fache, manche sogar bis zum 1000-fachen ihres Eigengewichts an Flüssigkeit speichern. Die Errungenschaft liegt darin, dass sie diese sogar unter Druck nicht mehr abgeben. Ab dieser Zeit entschied nicht mehr die Materialdicke, sondern das Mischverhältnis zwischen Zellstoff und SAP, wie sehr das Produkt die Haut schützte. Zellstoff ist nach wie vor in Vorlagen enthalten, da dieser die Funktion eines schnellen »Zwischenspeichers« für Flüssigkeit übernimmt. SAP benötigen eine gewisse Zeit für die Flüssigkeitsaufnahme, binden diese dann jedoch dauerhaft.

Mitte der 1990er Jahre verbesserten die Hersteller nach und nach den Tragekomfort ihrer Produkte. Weich auslaufende Saugkissenränder reduzierten Haut­- irritationen und verringerten die Dekubitus-Gefahr. Lycrafäden im Schrittbereich sorgten für mehr Formstabilität. Ende der 1990er Jahre kamen Auflagen mit Dry-Plus-Vlies in den Handel. Durch seine Materialbeschaffenheit sorgt das Vlies auf der Oberfläche für einen pH-Wert von 5,5. Außerdem leitet die Auflage Flüssigkeit schnell ins Innere des Saugkörpers, sodass die Oberfläche stets trocken bleibt.

Hypoallergen und antibakteriell

Trotz der zahlreichen Fortschritte arbeiten die Forscher weiter daran, Inkontinenzprodukte zu optimieren. Im Fokus steht heute vor allem die Hautfreundlichkeit, denn nach einer Studie leiden 42,5 Prozent aller von Inkontinenz Betroffenen an irritativen Hautveränderungen. Nässe und Bakterien, aggressiver Ammoniak, allergene und luftabschließende Materialien bedeuten immer auch eine Gefahr für die Haut. Hinsichtlich der Lebensqualität der Patienten ist Hautschutz daher ein wesentlicher Aspekt des Inkontinenzmanagements. Mittlerweile stehen Betroffenen und Pflegern dermatologisch getestete, hypoallergene Vorlagen und Slips zur Verfügung. Besonders interessant sind dabei die folgenden Verbesserungen:

  • Textilartige Außenseiten in neutralem Weiß sind angenehm zur Haut und raschelarm, also besonders diskret.
  • Luftdurchlässige Vliesseitenteile im Hüftbereich verhindern Okklusionen (siehe Fotos).
  • pH-hautneutrale Materialien bewahren den Säureschutzmantel der Haut.
  • Antibakterielle Stoffe verhindern das Bakterienwachstum fast vollständig.
  • Spezielle Innenbündchen, die sich von selbst aufstellen, verhindern das Auslaufen von Flüssigkeit.
  • Innovative Klett-Klebeverschlüsse ermöglichen bei Slips das mehrfache Öffnen und Schließen, bis sie richtig sitzen. Das erleichtert die Handhabung und erhöht die Anwendersicherheit.

Innovative Inkontinenzprodukte bieten Betroffenen mehr Wohlgefühl und Lebensqualität und bedeuten für die Pflegenden weniger Aufwand. Mit einer guten Empfehlung binden PTA oder Apotheker damit langfristig Kunden. /