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Apothekenbetriebsordnung

Pflicht zur vertraulichen Beratung

21.04.2011  14:53 Uhr

Von Daniel Rücker und Stephanie Schersch / Das Bundesministerium für Gesundheit hat erste Eckpunkte für die neue Apothekenbetriebsordnung vorgelegt. Die Beratung wird darin als eine Kernaufgabe des Apothekers besonders hervorgehoben.

Seit geraumer Zeit warten die Apotheker bereits auf die neue Apothekenbetriebsordnung. Der Termin für einen Entwurf war immer wieder verschoben worden, nun hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein Positionspapier präsentiert. Dessen Veröffentlichung führte zunächst zu Irritationen. Die »Berliner Zeitung« und ihr Schwesterblatt, die »Frankfurter Rundschau«, zitierten als erste aus dem Papier und lagen dabei in einem Punkt falsch. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wolle den Verkauf von Kosmetika und Drogerieartikeln in Apotheken stark einschränken, behauptete die gemeinsame Redaktion der beiden Tageszeitungen. Der Minister wolle damit erreichen, dass sich die Apotheker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Die Nachricht sorgte für erheblichen Wirbel bei Apothekern und auch innerhalb der schwarz-gelben Koalition. Umgehend kam das Dementi aus dem BMG: Es werde keine weiteren Einschränkungen beim Nebensortiment in Apotheken geben, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Verkauf von Kosmetika, Hygieneartikeln oder Vitaminpräparaten sei bereits nach den jetzigen Regelungen beschränkt. »Die überarbeitete Apothekenbetriebsordnung sieht lediglich eine Klarstellung vor«, so der Sprecher.

Tatsächlich ist in dem Eckpunktepapier des BMG nur die Rede davon, dass das Nebensortiment einen »untergeordneten Anteil« in der Apotheke ausmachen soll. »Bei Apotheken steht eindeutig die Versorgung mit Arzneimitteln im Vordergrund«, sagte der Ministeriumssprecher. Eine Apotheke müsse auch als Apotheke erkennbar sein. »Das ist das Ziel dieser Klarstellung.«

Daneben sieht das BMG die Beratung als eine der Kernaufgaben des Apothekers und will das in der neuen Betriebsordnung hervorheben. Heute gebe es eine große Zahl hochwirksamer Arzneimittel, daher sei »eine Beratung in der Apotheke über Wirkungen, Nebenwirkungen sowie etwaige Wechselwirkungen von Arzneimitteln untereinander oder zu Lebensmitteln von großer Bedeutung«, heißt es in den Eckpunkten. Das gelte auch für die Dauermedikation. Der Apotheker soll daher künftig in jedem Fall nachfragen, ob der Patient eine Beratung wünscht.

In jeder Apotheke muss außerdem eine vertrauliche Beratung möglich sein. Dabei könnten sich Apotheken etwa an Banken oder Postfilialen orientieren, wo eine far­bige Kennzeichnung auf dem Boden häufig für den nötigen Diskretionsabstand zwischen den Kunden sorgt, so das BMG. Auch bewegliche Abtrennungen zwischen den Handverkaufstischen wären demnach möglich. Wenn das nicht geht, schließt das Ministerium auch Umbauten nicht aus, »jedenfalls sollten keinen neuen Apotheken mehr genehmigt werden, die von vornherein keine ausreichende Vertraulichkeit bei der Beratung bieten können«.

Unter dem Stichwort Bürokratieab­-bau will das BMG rund 60 Laborgeräte und 260 Reagenzien streichen, die bislang verbindlich zur Ausstattung einer jeden Apotheke gehören. Welche Geräte und Reagenzien er im Labor für Analytik und Galenik vorrätig hält, soll in Zukunft der Apothekenleiter selbst entscheiden können. Auch bei der verpflichtenden Fachliteratur gibt es Kürzungen, stattdessen soll die Apotheke auf elektronische Medien zurückgreifen. Entlastungen sieht das Ministerium auch für Apotheken im Filialverbund vor. Filialen dürfen künftig auf Labor und Herstellungsbereich verzichten, wenn die Hauptapotheke diese Aufgaben übernimmt. Zudem kann der Notdienst von einer auf eine andere Apotheke im Filialverbund übertragen werden.

Kritische Rezepturen

Bei der Arzneimittelherstellung will das BMG zwischen unkritischen (zum Beispiel Salben) und kritischen Rezepturarzneimitteln unterscheiden. Zu letzteren zählen patientenindividuelle sterile Infusionen und die maschinelle Verblisterung. Für Rezepturen gelten auch künftig weitgehend die Regelungen der aktuellen Apothekenbetriebsordnung. Bei der Herstellung der anderen Arzneimittel und der maschinellen Verblisterung sollen sich Apotheken dagegen an der Arzneimittel und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) orientieren müssen. Diese gilt bislang nur für Pharmahersteller.

Das Gesundheitsministerium muss nun zunächst einen Referentenentwurf für die Apothekenbetriebsordnung ausarbeiten. Wann dieser vorliegt und ob am Ende tatsächlich die vorgeschlagenen Regelungen in der neuen Verordnung stehen, bleibt abzuwarten. /

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