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Adexa

Tarifbereich Nordrhein

21.04.2011
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Von Sigrid Joachimsthaler / Trotz entsprechender Verhandlungsangebote der Apothekengewerkschaft Adexa setzt die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein ihren Alleingang fort. Nachdem kein tragfähiger Vorschlag eingegangen ist, erklärt Adexa die Verhandlungen für gescheitert.

Die TGL hatte 1,5 Prozent des Gehalts als leistungsabhängige Prämie angeboten, wollte das Grundgehalt aber lediglich um 0,5 Prozent anheben. Für Angestellte ist das nicht tragbar. »Als Gewerkschaft verfolgen wir zwei Tarifziele«, so Tanja Kratt, Zweite Vorsitzende von Adexa. »Zum einen müssen die Kolleginnen und Kollegen einen Ausgleich für ihre steigenden Lebenshaltungskosten erhalten, zum anderen soll die gestiegene Arbeitsleistung honoriert werden, die den Mitarbeitern durch AMNOG oder Rabattverträge abverlangt wird. Ein halber Prozentpunkt reicht dafür definitiv nicht aus.«

Die leistungsabhängige Komponente (LOB) ist aus Sicht von Adexa keine ernstzunehmende Alternative. Denn dafür hatte die TGL als Kriterien einseitig vor allem Abverkaufszahlen in den Vordergrund gestellt, was Adexa bereits bei den Verhandlungen 2009 als unakzeptabel abgelehnt hatte. Kratt: »Es kann nicht angehen, dass Chefs ihre Angestellten nur nach Umsatz bewerten dürfen. Heilberufler werden so zu Schubladenziehern degradiert.« Dies hatte damals einen LOB-Tarifvertrag zum Scheitern gebracht. »Es ist nicht richtig, wenn die TGL in der Fachpresse von einem gemeinsam entwickelten LOB-Modell spricht.«

Gleichzeitig lässt die TGL-Nordrhein die Apothekenleiter in Nordrhein bei der Umsetzung im Regen stehen: Die Faktoren im Leistungsbewertungsbogen hätten lediglich »Empfehlungscharakter und werden nicht festgeschrieben«, heißt es in einem TGL-Schreiben. Die Durchführung läge »in der Hand der Apothekenleitung, die die Verantwortung für die Unternehmensziele, die Durchführung und die Finanzierung trägt«. Für Adexa ist dieses Vorgehen nicht akzeptabel.

Nordrhein: bald Fachkräftemangel

»Mit der aktuellen Tarifpolitik tut sich die TGL selbst keinen Gefallen«, unterstreicht Barbara Neusetzer, Erste Vorsitzende von Adexa. »Wir erwarten, dass sich viele Angestellte aus Nordrhein Arbeit in Westfalen-Lippe, Niedersachsen oder Hessen suchen werden«. In diesen angrenzenden Kammerbezirken gilt der bundesweite Tarifvertrag. Ausnahmen sind Sachsen und Nordrhein.

Der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) hat erkannt, wie wichtig qualifizierte Angestellte für die Zukunft der öffentlichen Apotheken sind. Trotz des AMNOG-Sparzwangs einigten sich ADA und Adexa bereits vor Monaten auf eine Erhöhung der Gehälter um 2,0 Prozent zum 1. Januar 2011. Und ab 2012 leisten Arbeitgeber im Geltungsbereich des Tarifvertrags erstmals verpflichtende Zuschüsse von 10,00 bis 27,50 Euro im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Obwohl die Apotheken des Kammerbezirks Nordrhein im Durchschnitt nicht stärker unter den Sparpaketen der Bundesregierung leiden, schloss sich die TGL dem Vertragswerk nicht an. Damit forciert die TGL wissentlich die Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften.

Auch mit langfristigen Folgen ist in Nordrhein zu rechnen: ABDA-Zahlen zufolge geht mittelfristig jeder fünfte Apotheker in Rente. Neusetzer: »Junge Leute überlegen mittlerweile genau, ob sie den beruflichen Weg in Richtung öffentliche Apotheke einschlagen. Eine anspruchsvolle Ausbildung bei schlechtem Gehalt und schlechten Rahmenbedingungen – das passt nicht zusammen.« Adexa hat nun das Ende der Friedenspflicht erklärt. Barbara Neusetzer: »Die Konsequenzen hat der Vorstand der TGL zu tragen.«

Selbstverständlich können Apothekenleiter – allerdings unter Beibehaltung der notwendigen linearen Tarifsteigerungen – ihren Mitarbeitern auch Prämien in Aussicht stellen und sie damit motivieren. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es sich hierbei nicht um Tariferhöhungen handelt. Wer nur denjenigen Mitarbeitern Prämien zahlt, die den meisten Umsatz machen, sei auf dem Holzweg. Zum einen ist die Leistung einer Apotheke immer eine Teamleistung: Wenn eine Approbierte einen lukrativen Zusatzverkauf macht, muss die PKA die Waren rechtzeitig bestellt haben, und die PTA muss ihr im Gespräch mit anderen Patienten den Rücken frei halten.

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen fordert Adexa die Arbeitgeber in Nordrhein mit einem offenen Brief auf, sich der zweiprozentigen Gehaltserhöhung im restlichen Bundesgebiet anzuschließen. Um jetzt weitere schlagkräftige tarifpolitische Maßnahmen einzuleiten, fragt die Apothekengewerkschaft in einer aktuellen Online-Umfrage unter www.Adexa-online.de/umfrage-nordrhein: Wie ist derzeit die Gehaltssituation und die Stimmung der Angestellten in Nordrhein? /

Kontaktadressen

1. Vorsitzende: Barbara Neusetzer; vorsitz(at)adexa-online.de

2. Vorsitzende: Tanja Kratt; tarife(at)adexa-online.de

Adexa-Hauptgeschäftsstelle, Tel. 040 363829 E-Mail: info(at)adexa-online.dewww.adexa-online.de