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Was ich noch erzählen wollte ...

Aroha, Zumba oder Freestyle

20.04.2012
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Von Annette Behr / Sich in der Gruppe sportlich fit zu halten, fällt den meisten Menschen leichter als alleine. Damit es noch besser gelingt, den inneren Schweinehund zu überwinden, lassen sich die Fitness-Gurus ständig neue Trainingsprogramme ein­fallen. In letzter Zeit erhöhen zum Beispiel Latino-Rhythmen den Spaß­faktor in den Fitnesskursen. Gute Laune und sportliches ­Training gehören hier zusammen.

Zum Jahresanfang verzeichnen die Sportvereine und Fitness-Studios den größten Zulauf. Voller guter Vorsätze schließen Sportwillige Mitgliedsverträge ab. Leider siegt bei vielen Menschen langfristig der innere Schweinehund und sie schwänzen die Sporttermine im Laufe eines Jahres immer häufiger. »Ich kann ohne meinen Zumba-Kurs gar nicht mehr leben«, meint dagegen meine Freundin Anna euphorisch. Seit sie im letzten Jahr einem »Women’s-Health-Fitness-Club« beigetreten ist, besucht sie begeistert Kurse von Aroha bis Zumba. Nicht nur, dass sie dadurch fit und schlanker geworden ist, irgendwie wirkt sie auch deutlich entspannter als früher. Neugierig habe ich sie einmal begleitet.

Der Kursraum ist voll wie selten, überall blicke ich in lächelnde Gesichter, von Anspannung keine Spur. Grundkenntnisse braucht niemand, »denn Zumba ist für alle da«, heißt es vielversprechend. Alter, Geschlecht und Fitness­level seien uninteressant. Leistung stehe eher im Hintergrund. »Spaß, Freude und Musik sind die Instrumente zum Glück«, sagt Sophie, die »Zumba-Ins­truktorin«, und los geht’s. Mit lateinamerikanischen Klängen beginnt das Warming-Up. Ein paar Grundschritte kenne ich aus dem Salsa-Kurs, danach heißt das Motto: einfach tanzen und sich treiben lassen. Die Zumba-Trainerin gestaltet jede Stunde anders, sie sucht die Musik aus, plant Bewegungen und Tanzschritte. Musik und Schritte stammen überwiegend aus dem Merengue, Cumbia, Reggaeton und Samba. Einheiten aus Rock, Pop, afrikanischer Trommel- und Bollywoodmusik gehören ebenfalls zu einer Zumba-Stunde. So findet jeder seine Lieblingsmusik und seinen Rhythmus, bei dem er/sie einfach mit muss. »Billy Jean von Michael Jackson fand ich toll«, sagt Anna, denn dieser Song erinnert sie an ihre jugendliche Discozeit. Mir hat die spanische Flamenco-Einlage am besten gefallen. Hatte ich noch nie selbst ausprobiert. Die Schritte fand ich ganz einfach und sie machten Spaß. Jeder folgte der Musik, wie er mochte. Beim Blick in die Runde wirken alle entspannt. Atemlosigkeit und Stressabbau werden zum Vergnügen und jeder bekommt den Kopf schnell frei. »Fühlt sich an wie eine Party, nicht wie Sporttreiben«, meint eine atemlose Mittänzerin neben mir.

Body Combat als ­Ganzkörper-Workout

Schweißtreibend und erschöpfend fand ich den »Body-Combat-Kurs«. Dieses Training ist ein »Ganzkörper-Workout mit Kampfsport-Elementen«. Dass Kampfsporttraining besonders effektiv ist, hatte ich schon oft gelesen. Die schnelle Kombination von Übungen aus Kickboxen, Karate und Tai Chi fand ich ebenso reizvoll wie die Anteile aus den Selbstverteidigungsdisziplinen. Karate, Boxen und Taekwondo kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen.

Im Kurs-Prospekt stand: »Die heißen Rhythmen unterstützen die schnellen Choreografien und powern die Fitnessbegeisterten zu neuen individuellen Höchstleistungen.« Dieser Satz hätte mich warnen sollen. Eine Stunde Non-Stop-Power zu dröhnender Techno-Musik und Monas Kasernenhof-Geschrei führten mich an meine physischen und psychischen Grenzen. Angeblich kann auch an diesen Kursen jeder teilnehmen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Fitnessgrad. Mithilfe der Choreografie, der musikalischen Begleitung und der phantasievollen Führung sollen sich Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen wohlfühlen. Na ja, ich fühlte mich zu alt, oder vielleicht zu erwachsen für diese Unterweisung aus dem Survival-Box-Camp.

Aroha erinnert an ­Kriegstanz

»Yoga ist mir zu spirituell und Energy Aerobic zu anstrengend«, meinte meine Freundin Anna und schlug vor, gemeinsam einen Aroha-Kurs zu besuchen. Spannend fanden wir die Beschreibung: Ein Mix aus dem Kriegstanz der neuseeländischen Maori, traditionellem Kung Fu und Tai Chi. Vorkenntnisse wären nicht erforderlich. Zunächst klang die Musik einfach und rhythmisch im Dreivierteltakt, auch die Übungen fand ich unkompliziert. Die Abfolge einfacher Bewegungen sorgte für ein entspanntes Körpergefühl. Den Grundschritt aus kontinuierlicher Beugung und Streckung des Unterkörpers kombinierte die Trainerin mit einer Vielzahl unterschiedlicher Armbewegungen. Anspannung und Entspannung wechselten ständig. Die Übergänge dabei waren fließend.

Aroha ist ein sogenannter »low impact«-Kurs und daher besonders schonend für die Gelenke. Fortgeschrittene üben Aroha mit Sticks und führen die schlanken Stöcke, ähnlich wie Schwerter, zu den Übungen am Körper entlang. Das macht das Training für Herz und Kreislauf besonders intensiv. Aroha ist Anti-Stress-Programm und Fettkiller zugleich. Koordination und Konzentration werden durch die unterschiedlichen Bewegungen geschult. Aroha ist inspirierend und fließend. Mein Fazit: Entspannung für Körper, Geist und Seele.

Altbewährtes nicht ­vergessen

»Vorsicht Ansteckungsgefahr«, heißt es bei einer neuen Variante des Zirkeltrainings. Die verstaubte, eher langweilig anmutende Sporteinheit aus dem Schulunterricht wurde gründlich überarbeitet. Das Konzept des »Freestyle«-Trainings basiert auf einem funktionellen Training, das den gesamten Körper und möglichst viele Muskelpartien einbezieht. Der Ursprung dieses neuen Konzepts kommt aus dem Leistungssport. Die giftgrüne, rund 300 Quadratmeter große Freestyle-Fläche befindet sich im Zentrum des Fitness-Studios und sorgt für Aufsehen, denn diese ­Fläche kann niemand übersehen. Der gummiartige Boden ermöglicht eine optimale Haftung bei den unterschiedlichen Übungen. Der Trainer geht in kleinen Gruppen auf die verschiedenen Bedürfnisse der Teilnehmer ein.

Mit Freestyle soll jeder »richtige Bewegungen« trainieren und dadurch nachhaltig seine individuellen Kräfte erhöhen. Das Training orientiert sich an alltäglichen Bewegungen wie Getränkekisten heben, Kinder tragen oder Glühbirnen in die Fassung schrauben. Es geht um Schnelligkeit, Verbesserung der Reaktionsfähigkeit und Ausdauer. Vorwiegend trainiert die Gruppe mit kleinen Gewichten, die aber durch Veränderung der Übungen und des Schwierigkeitsgrades dem nächst höheren Fitnesslevel angepasst werden.

Zum Equipment gehören große Taue, schwere Medizinbälle, unterschiedliche Gurt- und Seilsysteme, Boxsäcke und Schaumstoffrollen. Ein Gurtsystem hält beispielsweise den gesamten Körper unter Spannung und trainiert gleichzeitig die Ausdauer. Schwungbewegungen mit einem Gummirohr sollen dagegen schnell die Kraft erhöhen. Mit diversen Animations-Übungen werden Gleichgewicht und Körpergefühl verbessert. Ziel dieses Sports ist die langfristige Kräftigung der Bauchmuskeln, von Zwerchfell, Beckenboden und Rückenmuskulatur, des gesamten aktiven und passiven Bewegungsapparats sowie sämtlicher Muskelpartien. Höhere Leistungsfähigkeit ist ein Ziel. Wie intensiv manche Muskeln erstmalig gefordert werden, zeigt der Muskelkater am Tag nach dem ersten Training!

Meine Lieblingskurse sind nach wie vor die herkömmlichen Aerobic-Kurse. Erinnern Sie sich noch an Jane Fonda? Die amerikanische Schauspielerin machte das dynamisch-rhythmische Fitnesstraining in den 1980er Jahren weltweit populär und löste eine bis heute anhaltende Fitnessbewegung aus. Tänzerisch-choreografierte Schrittkombinationen finden sich in verschiedensten Sportprogrammen. Heute stehen die Trainerinnen allerdings ohne taillienhohe Slips vor ihrer Gruppe, dafür aber mit Head-Sets.

Probieren geht über studieren

Bei den verschiedenen Kursen, sei es Step-Aerobic, Bauch-Beine-Po-Training, Body-Fit oder ähnliches, gilt: Probieren geht über studieren. Für Abwechslung und zusätzliche Effektivität sorgen Trainingsgeräte wie Stepper, Hanteln, Tubes oder ein Flexibar.

Typisch für diese Kurse ist ein steter Wechsel zwischen Übungen hoher und niedriger Intensität. Das macht das Training abwechslungsreich. Komplizierte Schritt­folgen erfordern Konzentration und Durchhaltevermögen. Aufwendige Choreografien finde ich persönlich eher lästig. Mit Spaß und Entspannung möchte ich fit und schön altern wie Jane Fonda. Wenn ich bei manchen Übungen kurz davor bin aufzugeben, denke ich an sie. Das Multitalent wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net