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Außergewöhnliche PTA

Gothic in der Apotheke

25.03.2013
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Von Verena Arzbach / Egal wo, Claudia Knaus fällt auf. Ihren ungewöhnlichen Stil lebt die junge PTA, die seit mittlerweile zehn Jahren in der Schloss-Apotheke in der kleinen Gemeinde Angelbachtal in Baden-Württemberg arbeitet, auch bei der Arbeit in der Apotheke aus.

PTA-Forum: Ihr Outfit ist sehr auffällig und außergewöhnlich. Was macht Ihr Styling so besonders?

Knaus: Mein Styling fällt gleich ins Auge. Da ich aus der Gothic-Szene komme, trage ich häufig schwarze Kleidung. Die Szene steht vor allem für eine düstere, melancholische, manchmal auch morbide Musik, die aber durchaus auch manchmal heiter sein kann. Durch das Styling, das im Allgemeinen komplett Schwarz ist, versuchen sich die Anhänger der Szene abzugrenzen und so ihre Gefühlswelt auszudrücken.

Meine Faszination für diese Szene hat in etwa begonnen, als ich 14 war. Damals war ich ein sehr introvertierter Mensch mit nur wenig Selbst­bewusstsein. Die Musik, aber auch das Auseinandersetzen mit Themen wie Tod und Vergänglichkeit haben mich schon damals fasziniert. Ich wollte einfach mein Inneres nach Außen tragen, auffallen und nicht mit dem Strom schwimmen. Es kann schon sein, dass ich manche Menschen durch mein Äußeres provoziere, aber für mich ist es ganz normal, mich so zu kleiden. Inzwischen trage ich aber auch oft bunte Kleidung, Perücken und Strümpfe, alles farblich abgestimmt. Mein Markenzeichen: Ein Strumpf hat meist eine andere Farbe als der andere.

PTA-Forum: Arbeiten Sie jeden Tag in der Apotheke in diesem Outfit? Wie reagieren die Kunden oder Kolleginnen auf Fortbildungen und Messen auf Ihren außergewöhnlichen Stil? Gibt es Vorurteile?

Knaus: Ich habe das große Glück, meinen Stil jeden Tag auch beruflich ausleben zu dürfen. In den Anfangszeiten war es in der Apotheke schon schwierig, da ich damals ausschließlich schwarze Kleidung getragen habe. Natürlich hatten einige Kunden Vorurteile und haben mich in eine Schub­lade gesteckt. Auf dem Dorf sind viele einfach nicht an einen solch außergewöhnlichen Kleidungs­stil gewöhnt. Viele Kunden waren auch einfach sehr neugierig und interessiert und haben mich auf mein Outfit angesprochen. Inzwischen gibt es so gut wie keine Kunden mehr, die negativ oder ablehnend auf mich reagieren. Im Gegenteil: Mein ganzes Erscheinungsbild kommt gut an. Diejenigen, die mich einst gemieden haben, sind nun meine besten Freunde. Es kommt ja nicht nur auf das Äußere an, sondern auf die Freundlichkeit und die Beratung. Das schätzen viele an mir. Auf Fortbildungen und Messen sind die Reaktionen immer ganz witzig. Wenn ich beispielsweise mit meiner Kollegin Nina die Expopharm besuche, reagieren viele Leute überaus positiv. Sie sprechen mich an und fragen, für welche Firma ich Werbung mache oder was ich darstelle. Einige wollen sich sogar mit mir fotografieren lassen. Schön ist auch, wenn man ein Lächeln von Menschen bekommt, die ansonsten eigentlich recht streng und unnahbar wirken. Da wir schon mehrere Jahre die Expopharm besuchen, erkennen mich sogar einige Leute wieder, die dort ihren Stand haben. Klar gibt es auch Besucher, die mich anstarren und den Kopf schütteln, aber im Großen und Ganzen mache ich sehr positive Erfahrungen.

PTA-Forum: Was empfinden Sie im Apothekenalltag als besondere Herausforderung? Gibt es Situationen, die Ihnen aufgrund Ihres ungewöhnlichen Äußeren schwerfallen?

Knaus: Nein, inzwischen gibt es solche Situationen nicht mehr. Weder beim Besuch von Pharma­vertretern, vom Bürgermeister – mein Chef ist stellvertretender Bürgermeister – oder beim Beratungsgespräch mit schwierigen Kunden. Eine besondere Herausforderung ist für mich, wie wohl für viele, wenn sich die Rabattverträge wieder geändert haben und meine Kunden sich aufregen, ich aber die Ruhe bewahren muss.

PTA-Forum: Warum haben Sie sich für den PTA-Beruf entschieden?

Knaus: Ich mag meinen Beruf, da man als PTA über ein umfangreiches und vielseitiges Wissen verfügen muss. Besondere Pluspunkte sind für mich der Kundenkontakt, das Beraten und Ver­kaufen. Natürlich bin ich sehr froh, dass ich in einer Apotheke arbeiten darf, in der man mich so akzeptiert, wie ich bin. Das Betriebsklima ist recht familiär und unser Chef hat immer einen lustigen Spruch auf Lager. Es kommt schließlich nicht auf das Äußere an, sondern auf das, was man leistet und wie man mit den Kunden umgeht.

Fotos von Claudia Knaus finden Interessierte unter

www.model-kartei.de/sedcards/model/33036/miavanrabe/.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Knaus: Neben meinem Beruf stehe ich seit 2007 leidenschaftlich gerne als Model vor der Kamera. Damals habe ich einen befreundeten Fotografen gefragt, ob er nicht Lust hätte, mich zu fotografieren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ist bis heute meine Leidenschaft. Einige Referenzen kann ich bereits vorweisen, wie beispielsweise die Plakat-Aktion der ABDA auf der Expopharm in München, das Cover vom Magazin Tattoo-Style sowie einige Flyer der Gothic-Szene. Meine Fotoarbeiten findet man auch im Internet (siehe Kasten). Mein Ziel ist es, noch mehr als Model zu erreichen. Mein Wunsch wäre es zum Beispiel, Werbegesicht für ein Arzneimittel zu werden. /

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