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Akne vulgaris

Hautprobleme in schwierigen Zeiten

Susanne Poth
25.03.2013
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Wenn die Hormone während der Pubertät Achterbahn fahren, verändert sich bei bis zu 95 Prozent der Jugendlichen die Haut. Sie produziert mehr Talg, sodass in den Haarfollikeln unter ungünstigen Bedingungen vermehrt kleine Mitesser und Akne-Knötchen auftreten. Diese belasten die Betroffenen psychisch stark – häufig unabhängig vom Ausmaß der Hautveränderungen.

Akne vulgaris ist eine ernstzunehmende Erkrankung und meist mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Oft werden die Teenager allerdings nur von kleinen Unreinheiten oder wenigen Pickeln gequält. Dann helfen die passenden Hautpflegeprodukte und apothekenpflichtige Aknemedika­mente, damit sie diesen Lebensabschnitt gut überstehen. Doch in rund 30 Prozent der Fälle müssen die Jugendlichen einen Dermatologen aufsuchen.

Die Aktivität der Talgdrüsen wird von Hormonen gesteuert: Androgene steigern deren Sekretion, während Östrogene sie vermindern. Deshalb sind Jungen meist stärker betroffen als Mädchen. Jedoch ist nicht die absolute Menge der männlichen Sexual­hormone entscheidend, sondern der Anstieg der Hormonkonzentration und eine erblich bedingte Überempfindlichkeit der Talgdrüsen gegenüber Androgenen. Auch unterscheidet sich der Aufbau der Talgdrüsen in seborrhoischer und normaler Haut.

Diese Prozesse führen zunächst zu einer »fettigen Haut«. Kommt dann noch eine verstärkte Verhornung im Talgdrüsenausgang hinzu (Hyperkeratose), verstopft der Follikel­kanal und der Talg staut sich. Die Verhornungsstörung ist ebenfalls erblich beeinflusst, kann aber auch durch andere Faktoren bedingt sein, beispielsweise durch mikrobiell zersetzte, körpereigene Stoffe. Der verstopfte Follikel schwillt durch weitere Talgproduktion zum Mitesser an, dem Komedo. Ist seine Spitze schwarz, heißt er »Blackhead« oder offener Komedo. Die dunkle Farbe entsteht nicht durch mangelnde Sauberkeit, sondern durch das Hautpigment Melanin. Mitesser sind in der Regel harmlos, entzünden sich selten und lassen sich leicht entfernen. Anders die gefährlicheren »Whiteheads«, die mit einem weißen Häutchen verschlossen sind. Brechen sie beispielsweise beim Ausdrücken auf, wird der Follikel­inhalt teilweise nach innen gepresst und gibt entzündungsfördernde Stoffe ins Gewebe ab.

Diese für den fett-feuchten Hautzustand typischen Hautunreinheiten entsprechen noch nicht dem Krankheitsbild einer Akne. Besiedeln jedoch Propionibakterien aus der natürlichen Hautflora die Mitesser, werden Entzündungsmediatoren freigesetzt, die die Follikelwand angreifen und der Infek­tionsherd breitet sich im umliegenden Gewebe aus. Aus den Komedonen entstehen Pusteln (Bläschen) oder Papeln (Akneknötchen), die nach dem Abheilen oft Narben zurücklassen. Nach neueren Erkenntnissen werden diese Prozesse von übergeordneten Mechanismen geregelt, unter anderem durch Androgene, Hautlipide, regulierende Neuropeptide und erbliche Faktoren.

Akne betrifft in der Regel Gesicht, Dekolleté und Rücken, in schweren Fällen den ganzen Körper. Üblicherweise beschränkt sich die Hauterkrankung auf den Zeitraum der Pubertät, in Einzelfällen dauert sie aber auch bis Mitte 30.

Auch wenn der Begriff »Hautunreinheit« es nahe legt, Akne wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht. Die Pflege mit falschen Produkten begünstigen jedoch die Erkrankung. Übertriebene Hygiene und alkalische Seifen greifen den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an und fördern dadurch Entzündungen.

Seife wirkt außerdem komedogen und provoziert Mitesser. Besser ist es, das Gesicht morgens und abends mit einem schwach sauren Syndet von Schmutz, Talgdrüsenlipiden und Zellrückständen zu reinigen sowie die Akne-relevanten Bakterien zu reduzieren, zum Beispiel mit einem alkoholischen Gesichtswasser.

Richtige Reinigung

Mehrmals wöchentliche Hautpeelings lösen Verhornungen und öffnen die Follikelausgänge. Wichtig: Nur Pflegeprodukte mit geringem Fettgehalt wählen. Besonders geeignet sind leichte Öl-in-Wasser Emulsionen und Hy­drogele. Zusätze von Fruchtsäuren, Glykolsäure, Salicylsäure und Milchsäure wirken komedolytisch. Auch Linolsäure eignet sich als Grundlage von Cremes und Rezepturen. Eine Studie zur lokalen Anwendung der Omega-6-Fettsäure hat gezeigt, dass die Zahl der Mikro­komedonen innerhalb eines Monats um fast 25 Prozent abnahm.

Da viele Patienten aus psychologischen Gründen ihre Hautprobleme überdecken möchten, sind getönte Produkte oder medizinische Camouflage sinnvoll. Sie müssen auf den Hauttyp abgestimmt werden, dürfen also ebenfalls keinen hohen Fett­gehalt haben. Die Betroffenen können die getönten Cremes etwa zehn Minuten nach einer medikamen&shy,tösen externen Therapie auftragen. Dass die Produkte die Poren verstopfen, müssen Aknepatienten nicht befürchten.Treten trotz konse­quenter richtiger Pflege vermehrt Papeln und Pusteln auf, sollten Betroffene einen Dermatologen um Rat fragen. Lokale oder systemische Therapien verbessern – rechtzeitig eingesetzt – die Sympto­matik und verhindern, dass Narben auf der Haut zurückbleiben. Wichtig ist, dass der Patient die Behandlung regelmäßig, großflächig und mindestens drei Monate lang durchführt, also auch dann noch, wenn sich das Hautbild bereits verbessert hat.

Der apothekenpflichtige Wirkstoff Benzoylperoxid (BPO) gehört zu den Mitteln der ersten Wahl bei leichter oder abklingender Akne. Bei stärkeren Akne-Formen kombinieren Ärzte BPO mit anderen Wirkstoffen. BPO setzt bei der Anwendung Sauerstoff frei, der den anaeroben Keim Propioni­bacterium acnes abtötet. Im Gegensatz zur Antibiotika-Therapie entwickeln sich so keine Resistenzen. Außerdem führt der Wirkstoff zu einem leichten Abschuppen der Epidermis und wirkt so Verhornungsstörungen entgegen. Das dadurch hervorgerufene Jucken und Brennen kann den Anwender zu Beginn der Behandlung zunächst verunsichern. PTA oder Apotheker sollten den Patienten im Beratungs­gespräch darauf aufmerksam machen, dass sich die Haut vorübergehend verschlechtert, nach einigen Wochen aber verbessert. Es ist ratsam, zunächst eine dreiprozentige Benzoylperoxid-Zubereitung einmal täglich anzuwenden und die Dosis langsam zu steigern – gegebenenfalls auf bis zu zweimal täglich 5 Prozent. Für Brust und Rücken können Pa­tienten Präparate mit bis zu 10 Prozent BPO einsetzen. Sie sollten ebenfalls wissen, dass die Zubereitung Barthaare, Augenbrauen und Textilien bleicht. Augen, Mund und Nasenlöcher sollten sie bei der Behandlung aussparen, da BPO die Schleimhäute reizt. Sonnenbäder sind während der Anwendung zu meiden.

Auch zur Vorbehandlung

Azelainsäure wirkt zwar stärker keratolytisch als Benzoylperoxid, doch nur geringer antibakteriell. Salicylsäure löst ebenfalls Verhornungen von der Haut. Da sie diese gleichzeitig erweicht, wird sie auch zur Vorbehandlung der Haut vor der lokalen Anwendung von Antibiotika eingesetzt.

Topische Retinoide

Zu den verschreibungspflichtigen Externa gehören Cremes oder Lösungen mit Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen. Diese Substanzen gelten als Arzneimittel der ersten Wahl bei leichten bis mittel­schweren Formen der Akne. Sie normalisieren Wachstum und Teilung der Hautzellen, regu­lieren somit Verhornungsstörungen und wirken keratolytisch. Auch während dieser Therapie verschlechtert sich das Hautbild oft zunächst, die Haut rötet sich und juckt. Darauf sollten PTA und Apotheker bei der Abgabe des Medikamentes hinweisen. Die Hautreizungen klingen jedoch nach einiger Zeit ab.

Neue Wirkstoffe mit vergleichbar geringen Nebenwirkungen wie Adapalen, das Retinoid der 3. Generation, wirken noch zusätzlich entzündungs­hemmend und haben sich in der Aknetherapie bewährt. Schwangere und Stillende dürfen die Retinoide wegen ihrer teratogenen Neben­wirkungen nicht anwenden.

Bei Patienten mit schwerer Akne kann der Arzt Isotretinoin zur systemischen Therapie verordnen. Es gilt als wirksamstes Aknetherapeutikum, da es alle pathogenetischen Faktoren günstig beeinflusst. Zu den Nebenwirkungen zählen Depressionen, Haarausfall oder Leberschädigungen. Da der Arzneistoff teratogen wirkt, muss der Arzt beim Verordnen unbedingt abklären, dass die Frau nicht schwanger ist und auch nach der Therapie eine Zeit lang eine Schwangerschaft sicher verhütet.

Bei leichter bis mittelschwerer Akne setzen Dermatologen Cremes mit Erythromycin, Clindamycin oder Nadifloxacin wegen der Gefahr einer Resistenzbildung nicht langfristig als Monotherapeutikum ein, sondern kombinieren sie meist mit BPO oder topischen Retinoiden. Bei schweren Akneformen verordnen Hautärzte Tetracycline wie Doxycyclin und Minocyclin, Clindamycin oder Makrolide systemisch, um Vernarbungen zu verhindern. Auch diese meist in Kombination mit wirksamen Topika.

Die Pille als Aknemittel

Die Einnahme der Anti-Baby-Pille kann das Hautbild von Frauen verbessern, da die Hormone die Talgproduktion und die Verhornung im Follikel reduzieren. Bei mittelschweren Formen der jugendlichen Akne wird der Arzt eine Kombination aus Estrogen (Ethinylestradiol) und antiandro­genem Gestagen verordnen und diese mit einer topischen Aknetherapie kombinieren, insbesondere bei Patientinnen mit Symptomen eines Hyperandrogenismus.

Die Frage, welche Rolle bestimmte Nahrungsmittel bei Akne spielen, wird seit langem kontrovers diskutiert. Mal hieß es, Schokolade würde die Pickel auslösen, dann wieder nicht. Aktuell geben einige Experten der gesamten westlichen Ernährungsform die Schuld dafür, dass Teenager früher in die Pubertät kommen, diese länger dauert und immer mehr Jugendliche unter Akne leiden. Milch und einige Frischmilch­produkte – mit Ausnahme von Käse – und der hohe Konsum von Nahrungsmitteln mit hohem glykämischen Index seien für diese Entwicklung verantwortlich, so ihre Ansicht. Der übermäßige Konsum dieser Nahrungsmittel führe zur Insulinresistenz und verursache Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach Meinung der Wissenschaftler besteht ein Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und Akne. Im Rahmen einer Studie bestätigten histologische Untersuchungen von Akneläsionen den Einfluss von Nahrungsmitteln auf die Symptome, ein Teil der Patienten hatte eine Diät eingehalten, der andere sich »normal« ernährt. Als besonderen Übeltäter haben die Forscher vor allem Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index ausgemacht: Diese enthalten beziehungsweise fördern die Bildung des Hormons IGF-1 (insulin-like growth factor 1) und Akne, indem sie die Androgensynthese und die Lipogenese in den seborrhoischen Drüsen stimulieren. Dadurch wiederum bereiten sie einen guten Nährboden für Propionibakte­rien. Andere Fachleute sind der Ansicht, dass von einer Ernährungsumstellung nicht alle Erkrankten profitieren, da auch die erbliche Disposition großen Einfluss hat.

Blick in die Zukunft

Eine wirksame Strategie gegen Propionibacterium acnes wäre die Lösung so manchen Akne­problems. Das ist jedoch nicht einfach, denn das Bakterium gehört zur natürlichen Hautflora und schützt vor pathogenen Keimen wie Staphylococcus aureus. Wissenschaftler der University of California San Diego arbeiten zurzeit in Zusammenarbeit mit Sanofi Pasteur an einem Impfstoff, der das Bakterium zwar nicht abtötet, ihm aber seine entzündungsauslösenden Eigenschaften nimmt. Der Angriffspunkt des Impfstoffes ist ein Enzym in der Bakterienzellwand, das es dem Bakterium ermöglicht, an die Hautzelle anzudocken. Wann der Impfstoff auf den Markt kommen wird, ist nach Auskunft des französischen Pharmaunternehmens noch nicht abzusehen. /

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