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Kaffee senkt Geburtsgewicht

25.03.2013
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Von Annette Immel-Sehr / Bislang vertraten viele Experten die Auffassung, moderater Kaffee-Konsum während der Schwangerschaft sei unproblematisch. Doch diese Meinung könnte sich nun ändern: Skandinavische Wissenschaftler fanden heraus, dass bereits ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag das Geburtsgewicht des Kindes verringern können.

In der bisher wohl größten Studie zur Coffein-Aufnahme von Schwangeren befragten Public Health-Wissenschaftler über zehn Jahre knapp 60 000 Frauen. Mehrmals während ihrer Schwangerschaft gaben die werdenden Mütter zu Protokoll, wie viel Kaffee und andere coffeinhaltige Getränke sie täglich tranken. Ein bis zwei Tassen Kaffee enthalten – je nach Zubereitung – etwa 100 Milligramm Coffein. In Colagetränken und Energy-Drinks sind es bis zu 80 Milligramm Coffein pro Glas, in schwarzem oder grünem Tee durchschnittlich 50 Milligramm pro Tasse. Auch der Schoko­laden-Konsum wurde in der norwegischen Studie erfasst, denn auch Schokolade enthält geringe Mengen Coffein: Vollmilchschokolade etwa 15 Milligramm pro Tafel, Bitterschokolade bis zu 90 Milligramm.

Die Studie zeigte, dass schon geringe tägliche Coffein-Mengen das Geburtsgewicht von Babys verringern können. Bei 100 Milligramm Coffein am Tag – also ein bis zwei Tassen Kaffee – wogen die Neugeborenen 20 bis 30 Gramm weniger als das zu erwartende Geburtsgewicht von 3,6 Kilogramm. Dieser Mittelwert mag gering erscheinen. Doch in Einzelfällen war das Geburtsgewicht viel stärker reduziert. Und das kann durchaus medizinisch relevant werden sowohl für das Neugeborene als auch für den späteren Erwachsenen. Denn aus epidemiolo-gischen Studien gibt es Hinweise, dass bei Kindern mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht später das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich erhöht ist.

Coffein wird im Verdauungstrakt rasch aufgenommen und kann die Plazenta frei passieren, das heißt, die Coffeinkonzentration im Blutplasma des Fetus gleicht jener der Mutter. Auch die Wirkungen sind vergleichbar: Erhöhung des Herzschlages und Aktivierung des Nervensystems. Der Coffeinspiegel des Kindes bleibt jedoch länger erhöht als bei der Mutter, da es noch nicht über effektive Enzyme zur Metabolisierung von Coffein verfügt. Die WHO rät Schwangeren derzeit, täglich nicht mehr als 300 Milligramm Coffein zu sich zu nehmen. Diese Grenze könnte nun nach unten revidiert werden. Möglicherweise wird die Empfehlung sogar lauten, ganz auf coffeinhaltige Lebensmittel zu verzichten. /

Quelle: BMC Medicine