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Neuer Wirkstoff im März 2013

Lixisenatid neu im Handel

25.03.2013
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Von Sven Siebenand / Mitte März kam mit Lixisenatid ein neuer Wirkstoff zur Behandlung des Typ-2-Diabetes auf den Markt. Lixisenatid ist nach Exenatid und Liraglutid der dritte Vertreter aus der Substanzklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten.

Das Inkretinhormon GLP-1 (GLP = Glucagon-like Peptid) schüttet der Darm unmittelbar nach dem Essen aus. Das Peptidhormon bindet an seinen Rezeptor und veranlasst so die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, Insulin freizusetzen. Daraufhin sinkt der Blutzucker. Darüber hinaus senkt GLP-1 den Glucagonspiegel und drosselt die Magenentleerung und den Appetit. Das Hormon selbst kann nicht als Medikament eingesetzt werden, da es sehr schnell durch das körpereigene Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) abgebaut wird. Erst aufgrund ihrer leicht veränderten Struktur erlangen die Inkretin-Mimetika­ wie Exenatid, Liraglutid und nun auch Lixisenatid eine deutlich längere Wirkdauer.

Zugelassen ist Lixisenatid (Lyxumia® 10 und 20 Mikrogramm Injektionslösung, Sanofi-Aventis) zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern in Kombination mit oralen Antidiabetika und/oder Basalinsulin, wenn diese zusammen mit Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken konnten.

Die Lixisenatid-Therapie beginnt mit einer täglichen Dosis von 10 µg. Nach zwei Wochen werden die Patienten auf die Erhaltungsdosis von 20 µg pro Tag umgestellt. Die Typ-2-Diabetiker sollten den Arzneistoff möglichst in der Stunde vor der ersten Mahlzeit des Tages oder in der Stunde vor dem Abendessen subkutan injizieren. Falls sie die Gabe einmal vergessen, können sie Lixisenatid in der Stunde vor der nächsten Mahlzeit injizieren. Mögliche Applikationsorte sind der Oberschenkel, der Bauch oder der Oberarm.

Nach Anbruch sollte das Medikament nicht über 30 Grad Celsius gelagert werden. Die Verschluss­kappe des Pens sollte der Patient nach der Injektion wieder aufsetzen, um den Inhalt vor Licht zu schützen. Nicht angebrochene Injektionslösung sollten die Patienten im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahren.

Vor allem zu Beginn der Therapie kann es unter Lixisenatid – wie bei anderen GLP-1-Rezeptor­agonisten auch – zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Laut Fachinformation tritt Übelkeit bei etwa jedem vierten Patienten und Erbrechen bei jedem zehnten Patienten auf. Im Laufe der Behandlung können diese Nebenwirkungen jedoch allmählich abklingen. Die Kombination mit einem Sulfonylharnstoff oder Basalinsulin führte auch zu Unter­zuckerungen. Um das Hypoglykämie-Risiko zu senken, sollte der Arzt erwägen, die Dosis des Sulfonylharnstoffs beziehungsweise des Insulins zu reduzieren. Achtung: Lixisenatid darf aufgrund des erhöhten Unterzuckerungs-Risikos nicht mit einem Basalinsulin und gleichzeitig mit einem Sulfonylharnstoff kombiniert werden.

Als weitere sehr häufige Nebenwirkung von Lixisenatid nennt der Hersteller in der Fachinformation Kopfschmerz. Zudem informiert er darüber, dass die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten mit einem Risiko einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse assoziiert wird. Daher sollten die Patienten das charakteristische Symptom einer Pankreatitis kennen: anhaltende starke Bauch­schmerzen. Vermutet der Arzt eine Pankreatitis, muss er Lixisenatid absetzen.

Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung sollten den neuen Wirkstoff nicht erhalten, bei mittelschwer eingeschränkter Nierenfunktion ist zumindest Vorsicht angebracht. Zudem weist Hersteller Sanofi-Aventis in der Fachinformation darauf hin, dass das Medikament nicht für Typ-1-Diabetiker zugelassen ist. Schwangere und Stillende sollten Lixisenatid ebenfalls nicht anwenden. Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffes sind auch bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bisher nicht bewiesen. Aus diesem Grund sollten auch Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, den neuen Arzneistoff nicht erhalten.

Last but not least weist der Hersteller in der Fachinformation darauf hin, dass der neue Wirkstoff die Magenentleerung verzögert und damit die Resorptionsrate oral angewendeter Arzneimittel senken kann. Deshalb sollte der Arzt Patienten, die zum Beispiel Arzneistoffe mit enger therapeutischer Breite einnehmen, gerade zu Beginn der Lixisenatid-Therapie engmaschig überwachen. Ferner kann er dazu raten, die problematischen Medikamente nach einem festen Schema einzunehmen, sodass die Wechselwirkung mit Lixisenatid nicht auftreten kann. Nehmen die Patienten diese Medikamente zum Beispiel zum Essen ein, sollten sie eine Mahlzeit auswählen, bei der sie kein Lixisenatid spritzen. /

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