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Salz erneut unter Verdacht

25.03.2013
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Von Verena Arzbach / Dass zu viel Salz den Blutdruck steigern kann, ist bekannt. Möglicherweise fördert eine salzreiche Ernährung auch die Entstehung von Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose. Das legen zumindest die Untersuchungen zweier Forscherteams nahe, deren Ergebnisse im Fachjournal »Nature« veröffentlicht wurden.

Schon früher hatten Wissenschaftler beobachtet, dass der Körper nach dem Verzehr von Fast Food, das oft große Mengen Kochsalz enthält, vermehrt Immunzellen bildet. Normalerweise erzeugt und mobilisiert der Körper diese Zellen als Antwort auf Verletzungen oder Krankheitserreger, bei Autoim-munerkrankungen attackieren diese Zellen jedoch körpereigenes Gewebe.

Die Forscher um Professor David Hafler von der US-amerikanischen Universität Yale und deutsche Kollegen von der Universität Erlangen-Nürnberg beobachteten, dass Mauszellen bei salzreicher Ernährung große Mengen von Th17-Zellen produzierten. Diese speziellen T-Helfer-Zellen werden derzeit mitverantwortlich für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen gemacht. Die produzierten Zellen setzten vermehrt entzündungs­fördernde Botenstoffe, Zytokine, frei. Zudem entwickelten die Mäuse bei starkem Salzgehalt im Futter früher und häufiger eine experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis, das Tiermodell einer Multiplen Sklerose.

Zu ähnlichen Ergebnisse kam eine Untersuchung von Forschern der US-amerikanischen Harvard Medical School in Boston. Vijay Kuchroo und seine Kollegen berichten in »Nature« unter anderem, dass das Enzym SGK1 die Wirkung von Kochsalz vermittelt. Dieses Enzym regelt den Salzhaushalt bestimmter Zellen und spielt zudem eine Rolle bei der Entwicklung der Th17-Zellen. Bei gentechnisch veränderten Mäusen, denen das Gen für das SGK1-Enzym fehlte, konnten die Forscher durch Kochsalz keine Autoimmun­erkrankung auslösen.

Salz alleine könne nicht für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verantwortlich gemacht werden, so Autor Kuchroo. Gene beeinflussten, wie hoch das Risiko eines Menschen sei, eine bestimmte Autoimmunkrankheit zu entwickeln. Die Forscher vermuten aber, dass neben Umwelt­faktoren wie Infektionen, Rauchen, der Mangel an Sonnenlicht und Vitamin D auch Kochsalz eine Rolle spielen könnte. /

Quellen: Yale School of Medicine, Harvard Medical School