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Laborwerte

Zucker im Blut

25.03.2013
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Von Peter Findeisen / Kaum eine physiologische Messgröße ist in der Bevölkerung so bekannt wie der Blutzucker. Er gibt Auskunft über die aktuelle Situation des Glucose-Stoffwechsels. Ob der Blut-Glucose-Spiegel in den vergangenen Wochen in Ordnung war, zeigt der HbA1c-Wert. Beide sind für Diabetiker wichtig.

Bei Verdacht auf Diabetes mellitus messen Ärzte die Glucose im Blut – den sogenannten Blutzucker. Liegt tatsächlich eine Zuckerkrankheit vor, ist die Glucosekonzentration im Blut und gegebenenfalls im Urin erhöht. Bei einer bereits diagnostizierten Zuckerkrankheit sind Blutzuckermessungen zur Therapiekontrolle sinnvoll. Der Blutzucker sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein. Eine dauerhaft erhöhte Blutzuckerkonzentration (Hyperglykämie) ist ein Risiko für die Gefäße. Aber auch zu niedrige Werte (Hypoglykämie) sind gefährlich. Zu wenig Zucker im Blut kann zu Ohnmachtsanfällen führen, da Glucose eine wesentliche Energiequelle des Gehirns ist. Bei »Unterzucker« erhöht sich zudem die Sturzgefahr für die Patienten. Auch die Teilnahme am Straßenverkehr birgt erhebliche Risiken, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist.

Häufig messen die Patienten ihren Blutzuckerwert regelmäßig selbst; dabei untersuchen sie einen Blutstropfen (kapilläre Blutentnahme) mithilfe von Blutzucker-Teststreifen. Diese Point of Care-Tests (POCT) können auch in der Apotheke durchgeführt werden. Wichtig ist eine gute Schulung der Diabetiker im richtigen Umgang mit Blutzuckerteststreifen. Damit lassen sich Fehlmessungen vermindern und eine erhöhte Patientensicherheit erreichen.

Beim Arzt erfolgen Blutzuckermessungen in der Regel nach Abnahme von venösem Blut. Aus dieser Probe kann nicht nur die Glucose sondern auch der HbA1c Wert – das sogenannte Blutzuckergedächtnis – bestimmt werden. Mit ihm lässt sich die Güte der Blut­zuckereinstellung über einen länger zurückliegenden Zeitraum beurteilen.

Wichtiger Energielieferant

Glucose ist ein wichtiger Energieträger. Die aus der Nahrung aufgenommene Glucose wird über das Blut an alle Organe verteilt. Viele Körperzellen können Glucose nur unter Mitwirkung von Insulin aufnehmen. Ausnahmen sind das Gehirn, die Leber und die Skelettmuskulatur; diese Organe benötigen für die Glucoseaufnahme kein Insulin.

In den Zellen wird Glucose unter Freisetzung von Energie »verbrannt« (Glykolyse). Dabei entstehen Kohlendioxid und Wasser sowie ATP als intrazellulärer Energieträger. Überschüssige Glucose kann als Glykogen in der Leber zwischengespeichert werden. Bei dauerhaft hohem Glucoseangebot erfolgt die Umwandlung in Körperfett.

Referenzbereiche und Grenzen

Glucose Referenzbereiche Diabetesgrenzen
mg/dl mmol/l mg/dl mmol/l
Kapilläres Vollblut 60-95 3,3-5,3 > 110 > 6,1
Venöses Plasma 60-109 3,3-6,0 > 126 > 7
Die Werteangaben beziehen sich auf Nüchternblutwerte, das heißt keine Kalorienzufuhr innerhalb der letzten 8 Stunden. Werte oberhalb des Referenzbereiches aber noch unterhalb der Diabetesgrenzen markieren einen Graubereich (gestörte Nüchternglucose).

Nach der Nahrungsaufnahme steigt die Blutzuckerkonzentration stark an und in der Folge wird Insulin ausgeschüttet. Insulin ist das einzige Hormon, welches den Blutzuckerspiegel senkt. Eine entgegengesetzte, blutzuckersteigernde Wirkung haben Glukagon und die »Stresshormone« Adrenalin und Cortisol. Bei länger anhaltenden Hungerzuständen wandelt der Körper Fett- und Eiweißdepots in Glucose (Gluconeogenese) um, damit die Blutzuckerkonzentration aufrecht erhalten werden kann.

Mangel oder Resistenz

Die Blutzuckerkonzentration erhöht sich immer dann, wenn die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zu wenig oder kein Insulin ausschüttet. Diese als Typ-1-Diabetes bezeichnete Erkrankung beruht meist auf einem Defekt des Pankreas. Sie betrifft vorwiegend Kinder und junge Erwachsene. Ein erhöhter Blutzucker kann aber auch auftreten, wenn zwar ausreichend Insulin vorhanden ist, aber sich eine Resistenz entwickelt hat, sodass dessen Wirkung ausbleibt. An Typ-2-Diabetes erkranken vor allem ältere Patienten, aber auch junge, stark übergewichtige Patienten können betroffen sein.

Bei hohen Blutzuckerkonzentrationen (>180 mg/dl) findet sich Glucose auch im Urin (Glucosurie). Da Glucose eine osmotisch aktive Substanz ist, wird mit dem Zucker auch vermehrt Wasser ausgeschieden. Daher hat die Erkrankung ihren Namen. Das griechische Wort Diabetes mellitus bedeutet »honigsüßer Durchfluss«.

Durch den dauerhaft erhöhten Blutzucker verändern sich die Gefäßwände. Besonders empfindlich sind kleinste Gefäße (Kapillaren), welche für den Sauerstoff- und Nährstoff­transport in den Geweben verantwortlich sind. Unter anderem verändert sich die Netzhaut des Auges (diabetische Retinopathie). Besonders empfindlich reagiert auch die Niere, wenn das Nierengewebe nicht mehr ausreichend mit Nährsubstanzen und Sauerstoff versorgt wird (diabetische Nephropathie). Die Zuckerkrankheit kann zu Nierenversagen führen, sodass die Patienten im Spätstadium der Erkrankung auf die »Blutwäsche« (Dialyse) angewiesen sind.

Mit ihrer funktionellen Aldehydgruppe kann sich das Glucosemolekül in einer nicht-enzymatischen Reaktion mit Proteinen verbinden. Ein bevorzugter Reaktionspartner der Blutglucose ist der rote Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Bei hohen Blutglucosekonzentrationen verknüpfen sich Glucose und Hämoglobin irreversibel.

Das Blutzuckergedächtnis

Das Reaktionsprodukt ist das glukosylierte Hämoglobin (»verzuckertes« Hämoglobin), auch als HbA1c bezeichnet. Das HbA1c ist über die gesamte Lebensdauer der Erythrozyten (~120 Tage) im Blut nachweisbar und protokolliert somit die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration in diesem Zeitraum. Das HbA1c wird daher auch als »Blutzuckergedächtnis« bezeichnet.

HbA1c und mittlere Blutzuckerkonzentration

HbA1c Errechnete durchschnittliche Glucosekonzentration im Blut
[%] mg/dl mmol/l
6 126 7,0
7 154 8,6
8 183 10,2
9 212 11,8
10 240 13,4
11 269 14,9
12 298 16,5

Ziel der Diabetes-Therapie ist in der Regel ein HbA1c-Wert unter 6,5. Bei älteren, gebrechlichen Diabetikern tolerieren Ärzte jedoch höhere HbA1c Zielwerte, um die Patienten vor den Gefahren einer Hypoglykämie zu schützen. So ist bei einer 75-jährigen Patientin mit Osteoporose ein Zielwert von etwa 7 % für HbA1c anzustreben, was einer mittleren Glucosekonzentration von 154 mg/dl Glucose entspricht.

Beratung in der Apotheke

Die Blutglucosemessung ist eine in vielen Apotheken etablierte Dienstleistung. Sowohl bei Screening-Aktionen als auch bei der Therapiebegleitung von Diabetikern nimmt die Apotheke eine wichtige Funktion wahr.

Auf folgende Punkte sollten PTA und Apotheker die Patienten in der Beratung hinweisen:

  • Erhöhter Blutzucker ist ein Risikofaktor für Gefäßveränderungen (Atherosklerose). Liegen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Hypertonie und erhöhte Blutfette vor, verändern sich die Gefäße bei Diabetikern deutlich schneller. Daher sollten Diabetiker regelmäßig zum Augenarzt gehen (Augencheck). Die Atherosklerose ist eine Systemerkrankung und betrifft alle Gefäße des Organismus. Besonders empfindlich sind kleinste Gefäße (Kapillaren). Durch eine Augenspiegelung kann der Augenarzt die Kapillaren, welche die Netzhaut (Retina) an der Augenhinterwand durchziehen, auf Veränderungen untersuchen.
  • Diabetiker sollten den Urin regelmäßig auf Proteine untersuchen lassen (Nierencheck). Auch die Niere ist reich an Kapillaren (Glomeruli), die das Blut filtern und so an der Harnproduktion beteiligt sind. Durch Kapillarschädigung kommt es zu einer veränderten Filterfunktion und Plasmaproteine, insbesondere Albumin, gehen verstärkt über den Urin verloren. Die Konzentration an Proteinen im Urin steigt mit dem Schweregrad der Nierenschäden. /

Leitlinie der Bundesapothekerkammer

Die Bundesapothekerkammer hat eine Leitlinie für physiologisch-chemische Untersuchungen bei der Durchführung der Blutuntersuchungen herausgegeben. Danach sind eine Reihe verschiedener Punkte wie Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsschutzmaßnahmen, Qualitätssicherung (Ringversuche) und Mitarbeiterschulung zu beachten, zu finden unter www.abda.de/leitlinien0.html. Unter anderem stehen dort wertvolle Informationen und Arbeitshilfen zur Patientenberatung.

E-Mail-Adresse des Verfassers

Peter.Findeisen(at)umm.de