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Naturheilkunde

Cholesterolspiegel natürlich regulieren

25.03.2014
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Von Oliver Ploss / Circa 90 Prozent des Cholesterols produziert der menschliche Körper selbst. Das sind bei Erwachsenen 1 bis 2 Gramm pro Tag. Nur ein kleiner Teil wird aus der Nahrung aufgenommen. Daher lassen sich erhöhte Cholesterolwerte nur geringfügig durch eine Ernährungsumstellung senken. Natur­heilkundlich orientierte Therapeuten empfehlen neben der Änderung des Lebensstils Phytopharmaka, die sich in Studien als Cholesterolsenker erwiesen haben.

Der Gesamtcholesterolspiegel hängt vom Alter und Geschlecht ab. Zudem besteht ein Zusammenhang zum Körpergewicht. In der Regel liegt der Gesamtcholesterolspiegel junger Frauen niedriger als bei jungen Männern. Eine Ausnahme bildet die Schwangerschaft: In dieser Zeit ist der Gesamtcholesterolspiegel physiologischerweise deutlich erhöht.

Mit dem Alter nähern sich die Cholesterolspiegel der beiden Geschlechter einander an. Ältere Frauen haben sogar einen höheren Cholesterolspiegel als ältere Männer. Es gibt eine Reihe möglicher Ursachen für krankhaft erhöhte Cholesterolwerte. Dazu zählen unter anderem die genetische Veranlagung, Diabetes mellitus, die Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), einige Lebererkrankungen, Übergewicht, exzessiver Alkoholkonsum und die Einnahme von Medikamenten, beispielsweise von Cortison.

Zielwerte entscheidend

Dass erhöhte Blutcholesterolwerte maßgeblich für Herzinfarkte verantwortlich seien, formulierte erstmals die American Heart Association (AHA) im Jahre 1985. In den Folgejahren gaben die beiden deutschen Fachgesellschaften, die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V., Zielwerte für Gesamt-, LDL-und HDL-Cholesterol heraus (siehe Kasten). Ihre Empfehlungen änderten sie jedoch in den vergangenen Jahren mehrmals aufgrund neuer Studienergebnisse.

Aktuelle Zielwerte laut Fachgesellschaften

Gesamtcholesterol: bis 200 mg/dl (5,2 mmol/l)

LDL-Cholesterol: 100 bis 130 mg/dl (2,6 bis 3,4 mmol/l)

HDL-Cholesterol: mindestens 40 mg/dl (1,03 mmol/l)

In Westdeutschland erfolgt noch sehr häufig die Angabe des Blutcholesterols in mg/dl, in Ostdeutschland eher in mmol/l. Für das Cholesterol gilt der folgende Zusammenhang zwischen den Maßeinheiten: 1 mg/dl entspricht 0,02586mmol/l beziehungsweise 1 mmol/l entspricht 38,67 mg/dl.

Ob der Arzt einem Patienten mit erhöhten Cholesterolwerten eine Behandlung empfiehlt, hängt nicht nur von dessen absoluten Werten, sondern auch vom individuellen Risikoprofil ab. Als Risikofaktoren gelten:

  • Rauchen
  • Erhöhter Blutdruck (über 140/90 mmHg)
  • Niedriges HDL-Cholesterol (≤ 40 mg/dl)
  • Koronare Herzerkrankungen in der Familie
  • Alter (Männer über 45, Frauen über 55 Jahre)

Generell werden drei verschiedene Risikogruppen unterschieden. Zur ersten Gruppe zählen alle Patienten mit einer KHK oder einem vergleichbaren Risiko. In dieser Gruppe ist das Risiko für ein kardiales Ereignis innerhalb der nächsten zehn Jahre um 20 Prozent erhöht. Diese Patienten sollten bei LDL-Werten von über 100 mg/dl unbedingt ihren Lebensstil ändern. Liegt der Wert über 130 mg/dl muss die medikamentöse Therapie erfolgen mit dem Ziel, die Werte unter 100 mg/dl zu senken.

Zur Gruppe 2 zählen alle Patienten mit mindestens zwei Risikofaktoren. Auch für diese gilt bei LDL-Werten von über 130mg/dl die Lebensstiländerung, und bei Werten über 160 mg/dl eine medikamentöse Therapie. Ziel der Behandlung ist es, die LDL-Werte unter 130 mg/dl zu senken.

Zur dritten Gruppe gehören die Patienten mit weniger als zwei Risikofaktoren. Diese sollten bei LDL-Werten über 160mg/dl ihren Lebensstil ändern und bei Werten ab 190 mg/dl erwägt der Arzt die medikamentöse Therapie.

Den meisten Patienten mit mehreren Risikofaktoren wird der Arzt ein Medikament aus der Gruppe der Sta­tine verordnen, also einen sogenannten CSE-(Cholesterol-Synthese-Enzym)-Hemmer vom Typ der HMG-CoA-Reduktase-Hemmer.

Auf Ernährung achten

Naturheilkundlich orientierte Therapeuten empfehlen ihren Patienten mit nur leicht erhöhtem Cholesterolwert ebenfalls, ihre Ernährung nach den Empfehlungen der Lipid-Liga umzustellen. Danach sollten Menschen mit erhöhten Cholesterolwerten folgendes beachten:

  • Wenig fettes Fleisch, Innereien, Wurstwaren, Käse und Eigelb
  • Fettarme Zubereitung
  • Weniger tierische Lebensmittel
  • Verzicht auf Alkohol
  • Ausreichende Bewegung
  • Mehrmals am Tag Gemüse und Obst

Eine solche Ernährung kann das LDL-Cholesterol um 5 bis 15 Prozent und im Einzelfall sogar um bis zu 30 Prozent senken.

Monacoline in rotem Reis

Darüber hinaus raten naturheilkundlich orientierte Therapeuten zu Nahrungsergänzungsmitteln mit chinesischem rot fermentiertem Reis. Ihre Empfehlung stützen sie auf Studien, die seit den 1970er-Jahren laufen. Diese Studien haben bestätigt, dass der in rotem Reis enthaltene Hauptwirkstoff Monacolin K in der Lage ist, den Gesamtcholesterolwert zu senken.

Der chinesische rot fermentierte Reis, auch Xuezhikang (XZK) oder Angkak genannt, gehört nicht zu den roten Naturreissorten. Es handelt sich vielmehr um herkömmlichen Reis, der mit dem Pilz Monascus purpureus versetzt wurde. Aus dieser »Fermentierung« resultiert die charakteristische, intensive rote Farbe.

Zu den relevanten Substanzen im Roten Reis gehören vor allem die Monacoline, darunter das Monacolin K. Es ist auch unter der Bezeichnung Lovastatin bekannt. Monacolin K hemmt die HMG-CoA-Reduktase, das Schlüsselenzym der Cholesterolbildung in der Leber, und damit die körpereigene Cholesterolsynthese. Monacoline wie das Monacolin K können die Cholesterolsynthese nicht vollständig blockieren, sondern lediglich dämpfen. Daher werden die Monacoline auch als kompe­titive HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren bezeichnet. Ihre Wirkung ist reversibel.

Artischocke und Co.

Die Artischocke (Cynara scolymus L.) enthält als wirksame Inhaltsstoffe Cynarin, Flavonoide wie Cynarosid und Sesquiterpenlactone wie Cynaropicrin. Cynarin fördert die Bildung von Galle und den Gallenfluss und unterstützt gleichzeitig die entgiftende Wirkung der Leber. Ergänzend dazu wird der Cholesterolspiegel durch eine Reduktion der körpereigenen Cholesterolproduktion und einen schnelleren Abbau zu Gallensäuren gesenkt.

Phospholipide, beispielsweise aus der Sojabohne (Glycine max), regulieren über den Lipoproteinmetabolismus den gestörten Fettstoffwechsel der Leber. Sie erhöhen die Aufnahmefähigkeit der HDL-Partikel für Cholesterol und verbessern dadurch das LDL-/HDL-Cholesterol-Verhältnis. Flohsamen enthalten den wasserlöslichen Ballaststoff Psyllium, der Menge und Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit beeinflusst und somit den Cholesterolspiegel um bis zu 15 Prozent senken kann. Gerbstoffe und Saponine aus Grüntee und halbfermentiertem Oolong-Tee hemmen die Aufnahme von Fetten aus der Nahrung.

Wertvolles Alliin

Auch die Gingerole in Ingwer senken erhöhte Cholesterolwerte, da sie für einen verstärkten Umbau des Cholesterols zu Gallensäuren sorgen. Bärlauch (Allium ursinum L.) hemmt wahrscheinlich durch seinen Inhaltsstoff Alliin die Cholesterolsynthese. Dasselbe gilt für Knoblauch (Allium sativum L.).

Vor knapp 50 Jahren machte der amerikanische Psychiater Dr. Hoffer eine interessante Entdeckung: Er wollte psychiatrische Erkrankungen mit Vitamin B3 (Nicotinsäureamid) positiv beeinflussen, stellte dabei jedoch fest, dass durch die Gabe von Vitamin B3 die Blutfettwerte sanken. /

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dr_ploss(at)yahoo.de