PTA-Forum online
Interview

»PTA sind eine wertvolle Hilfe«

23.02.2015  12:07 Uhr

Von Annette van Gessel / Mit dem Perspektivpapier Apo­theke 2030 haben Apotheker so etwas wie eine Leitlinie formuliert, an der sie ihr zukünftiges Handeln in der Apotheke ausrichten möchten. PTA-Forum befragte den Präsidenten der Bundes­apotheker­kammer, Dr. Andreas Kiefer, welche Auswirkungen dies für die Arbeit der PTA in der Offizin haben wird.

PTA-Forum: Wie wird sich das Perspektivpapier 2030 aus Ihrer Sicht auf den Berufsalltag in der öffentlichen Apotheke auswirken?

Kiefer: Zunächst einmal grundsätzlich: Jetzt muss das Papier Schritt für Schritt umgesetzt werden. Dabei werden wir eine Entwicklung noch verstärken: die Hinwendung zum Patienten. Ganz deutlich wenden sich Apotheker stärker als bisher den Problemen der Patienten zu, vor allem seinen auf die Arzneimittel bezogenen Problemen. Dazu gehört unter anderem, dass sie die gesamte Medikation eines Patienten erfassen, nicht nur die verordneten Arzneimittel, sondern auch alle Medikamente der Selbstmedikation und auch Nahrungsergänzungsmittel – falls sie für Wechselwirkungen von Bedeutung sind.

Doch das ist es nicht alleine. Zum Medikationsmanagement gehört nicht nur, einmalig einen Medikationsplan zu erstellen, sondern es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess. Der Medikationsplan muss auch aktualisiert beziehungsweise gepflegt werden.

Eine weitere Folge dieser Neuausrichtung wird sicher sein, dass Apotheker sich intensiver mit einem oder mehreren Verordnern austauschen werden. Dieser Prozess erfordert pro Patient einen größeren Zeitbedarf als jetzt. Das hat eine Änderung des täglichen Arbeitsablaufs zur Folge, das heißt, daraus ergibt sich selbstverständlich, dass alle Mitarbeiter der Apotheke betroffen sind.

PTA-Forum: Ändert sich dadurch der Aufgabenbereich von PTA in der öffentlichen Apotheke?

Kiefer: Nein, grundsätzlich nicht. Aber indirekt durch den geänderten Betriebsablauf doch. Die erste Ausbau­stufe des Medikationsmanagements ist den Apothekern vorbehalten, wie es in der Apothekenbetriebsordnung formuliert ist. Das ist auch vom Berufsverständnis richtig. Diese Aufgabe erfordert aus meiner Sicht pharmazeutische Fachkompetenz auf der Basis des Pharmaziestudiums. Schaut man sich den Ablauf des Medikationsmanagements genauer an, müssen zunächst die Erfassung und anschließend die Bewertung der Medikation erfolgen. Dabei wird sich ergeben, dass in diesem Zusammenhang nicht alle Aufgaben von approbierten Apothekern übernommen werden müssen.

PTA-Forum: Welche Möglichkeiten sehen Sie? Können PTA Apotheker beim Medikationsmanagement entlasten?

Kiefer: Ja, PTA können auf jeden Fall Apotheker entlasten. Sie sollten den ganzen Prozess kennen. Vor allem bei dem gesamten Vorgang, der vor der Erstellung eines Medikationsplans erfolgen muss, sind PTA eine wertvolle Hilfe. In der Praxis wird sich zeigen, dass PTA einzelne Arbeitsschritte, beispielsweise bei der Medikationsanalyse, übernehmen können. Der ganze Prozess beginnt ja mit der Erfassung sämtlicher Arzneimittel. Anschließend sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen: Gibt es Doppelverordnungen? Erfordern manche Arzneimittel besonderes Wissen oder Geschick bei der Anwendung? Wie alt ist der Patient? Ist der Patient aufgrund seines Alters oder einer Erkrankung möglicherweise mit der Handhabung eines Arzneimittels überfordert? Kann man dem Patienten die Anwendung erleichtern? Beeinflussen sich Arzneimittel, die zwei verschiedene Ärzte verordnet haben? Wie ist die Interaktion zu beurteilen?

PTA-Forum: Seit längerem wird über eine Novellierung der Ausbildungsordnung für PTA diskutiert. Sollten unter dem Aspekt der besseren Patientenversorgung und der höheren Arzneimitteltherapiesicherheit auch die Ausbildungsinhalte angepasst werden?

Kiefer: Ja! Bei einer Novellierung muss man unbedingt berücksichtigen, dass sich der Umgang mit den Patienten verändert. Es gilt, den Fokus mehr auf den gesamten Prozess der Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit zu legen. Das heißt jedoch nicht, dass der Stundenumfang des Fachs Arzneimittelkunde vergrößert werden muss. Hier würde ich überlegen, ein neues Modul in die Ausbildung einzubauen. Unter dem Aspekt, wie gehe ich beispielsweise mit einem Über-65-jährigen multimorbiden Patienten um, der täglich mehr als fünf Medikamente einnimmt. Wie unterscheidet sich dessen Situation von der eines Mittdrei­ßigers mit einer einmaligen Akutmedikation?

Das ist nichts grundsätzlich Neues, denn bereits jetzt können PTA die Compliance beziehungsweise die Adhärenz des Patienten erhöhen, nicht nur durch zusätzliche Informationen, sondern auch durch ihre Mimik und Gestik. Sie leisten also schon heute einen wich­tigen Beitrag zur Arzneimitteltherapie­sicherheit. Doch dies können wir durch ein neues Modul in der Ausbildung der PTA noch verstärken. Kurz formuliert: Dieses neue Ausbildungsfach muss die Gesamtschau auf den Patienten zum Inhalt haben. /

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