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Halsschmerzen und Heiserkeit

Raue Zeiten für den Hals

23.02.2015  12:07 Uhr

Von Susanne Poth / Bei nasskaltem Wetter sorgen Husten, Schnupfen, Heiserkeit für halbvolle Schulklassen und verwaiste Büros. Oft zeigen sich die ersten Symptome nach dem Aufwachen. Der Hals schmerzt oder die Stimme versagt. Meist trafen dann mehrere ungünstige Faktoren aufeinander: Erkältungserreger und eine geschwächte Immunabwehr.

Verursacher der lästigen Beschwerden sind im Winter hauptsächlich Rhino- und Coronaviren, die sich über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen verbreiten. Die winzigen Schmarotzer verteilen sich besonders schnell in Räumlichkeiten, in denen Menschen sich dicht gedrängt aufhalten, beim höflichen Händeschütteln oder über den Haltegriff in der Bahn von einem Opfer zum nächsten potenziellen Wirt. Ob dieser nun erkrankt oder nicht, hängt hauptsächlich von seinem Immunsystem ab. Steht es mit der immunologischen Abwehr nicht zum Besten, bedingt beispielsweise durch kurzzei­tigen Schlafmangel oder den Open-Window-Effekt nach dem Sport, dann nutzen Viren kleine Abwehrlücken gnadenlos aus.

Als Eintrittspforte dienen den Erkältungsviren hauptsächlich Nase und Rachen. Deren Schleimhäute bilden normalerweise ein Bollwerk gegen Eindringlinge. Trocknen sie jedoch aus, zum Beispiel durch Heizungsluft, oder werden sie durch anhaltende Kälte schlecht durchblutet, ist ihre Barrierefunktion beeinträchtigt. Krankheitserreger können eindringen und die Wahrscheinlichkeit für Infektionen steigt. Anders als viele andere Viren verbleiben Rhinoviren in den Schleimhäuten der oberen Atemwege und verursachen keine generalisierte Infektion.

Die Schmarotzer greifen nun Zellen des Nasen- und Rachenraumes an, die als lokale Immunantwort Gewebshormone wie Prostaglandine und Bradykinine freisetzen. Diese Botenstoffe sensibi­lisieren die Schmerzrezeptoren und verstärken die Entzündungsreaktion: Die Schleimhäute werden daraufhin stark durchblutet, röten sich und schwellen an. Auch erhöhen Prosta­glandine die Durchlässigkeit der Kapillaren. Im Nasenbereich tritt zunächst klare Flüssigkeit aus, bekannt als Fließschnupfen. Je stärker die Nasenschleimhaut anschwillt, umso mehr verstopft die Nase und das Atmen fällt zunehmend schwerer. So atmen viele Erkältete vor allem nachts mit offenem Mund. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Mund- und Rachenschleimhäute austrocknen.

Im Hals sorgen die Eindringlinge ebenfalls für Entzündungsreaktionen, die unter dem Fachbegriff Pharyngitis zusammengefasst werden. Sie äußern sich durch Kratzen, Schmerzen beim Schlucken, Räusperzwang und Heiserkeit. Je nachdem, wo sich die Keime im Rachen ansiedeln, verursachen sie andere Beschwerden. Befallen sie die Gaumenmandeln, die Tonsillen, bereitet das Schlucken besonders starke Schmerzen. Auch die Seitenstrangangina, bei der die rechts- und linksseitig verlaufenden Lymph­bahnen der oberen Rachenwand entzündet sind, gilt als sehr schmerzhaft. Sie tritt häufig bei den Kindern oder Erwachsenen auf, deren Tonsillen entfernt wurden. Da die Seitenstränge an der Eustachischen Röhre liegen, die Ohr und Rachen miteinander verbinden, geht diese Infektion oft mit Ohrenschmerzen einher.

Bei einigen Menschen entzündet sich verstärkt vor allem der Kehlkopfbereich und beeinträchtigt dadurch ihre Stimme. Normalerweise entsteht ein Ton dadurch, dass ausgeatmete Luft gegen die geschlossenen Stimmbänder drückt und diese zum Schwingen bringt. Verschiedene Muskeln in den Stimmlippen sorgen dafür, dass Höhe und Lautstärke variieren. Durch eine virale Infektion des Kehlkopfes schwellen die Schleimhäute auf den Stimmlippen jedoch an und verhindern, dass die Stimmbänder frei schwingen können. Die Stimme klingt rau und kratzig oder versagt gänzlich. Mediziner sprechen dann von Dysphonie.

Frosch verschluckt?

»Ich habe einen Frosch im Hals«, heißt es umgangssprachlich, wenn man sich ständig räuspern muss. Dieser Ausdruck leitet sich ursprünglich von einer anderen Erkrankung ab, die ebenfalls zu Schluck- und Sprechbeschwerden führen kann: der Ranula. Dies bedeutet übersetzt Fröschlein und bezeichnet eine Zyste am Mundboden, die sich wie die Schallblase eines Frosches hervorwölbt. Diese Zyste ist mit Speichel gefüllt und entsteht meist dadurch, dass der Ausführungsgang der Unterzungenspeicheldrüse verstopft ist. Bildet sich die Drüse nicht von selbst zurück, hilft oft nur noch eine Operation.

Werden PTA oder Apotheker nach einem geeigneten Medikament gegen Halsschmerzen gefragt, müssen sie zunächst abzuklären, ob die Halsinfektion ein Fall für die Selbstmedikation ist. Zur Abwägung der individuellen Situation ist es wichtig zu wissen, seit wann die Beschwerden bestehen und ob Begleitsymptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost und Hautausschlag aufgetreten oder die Lymphknoten angeschwollen sind. Bakterielle Infektionen, am häufigsten ausgelöst durch beta-hämolysierende Streptokokken, sind in der Regel begleitet von heftigeren Beschwerden, dauern länger als drei Tage und gehen oft mit höherem Fieber (über 39 °C) einher. Bei einer eitrigen Angina erscheinen weiße Punkte auf den Mandeln. Bei Scharlach entsteht üblicherweise innerhalb von zwei Tagen ein Hautausschlag und bis zum vierten Tag rötet sich typischerweise die Zunge (»Himbeerzunge«). Hier muss der Arzt entscheiden, ob eine Antibiose nötig ist. Wichtig ist auch die Frage nach chronischen Erkrankungen und bestehender Medikation des Patienten. Nur so können PTA oder Apotheker abklären, ob diese ursächlich für die Beschwerden in Frage kommen.

Gemäßigte Erkältungssymptome sind in der Regel viral bedingt und bessern sich normalerweise auch ohne Therapie innerhalb einiger Tage. Die Erkrankten sollten sich schonen und Ruhe gönnen, damit sich das Immunsystem regenerieren kann. Körperliche Anstrengung oder sogar Sport sollen sie vermeiden.

Gutes für den Hals

Um Halsschmerzen zu lindern, genügen unspezifische Maßnahmen wie viel trinken und gurgeln mit Salzlösung oder Salbeitee. Etwas zu lutschen lindert die Beschwerden, wobei es weniger auf den Wirkstoff ankommt als auf die befeuchtende Wirkung des Bonbons. So zumindest urteilen die Autoren der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in ihrer Leitlinien zum Thema Halsschmerzen. Von Halstabletten mit lokalen Antiseptika oder Antibiotika raten die Autoren der Leitlinie ab. Ihre Begründung: Diese Substanzen wirkten nur an der Oberfläche, während sich die Infektion im tieferen Gewebe abspiele. Auch sei die bakterizide oder bakteriostatische Wirkung der Substanzen bei den vorliegenden viralen Infektionen ohnehin wirkungslos. Auch Gurgel­lösungen und -sprays mit desinfizierender Wirkung sehen die Autoren der Leitlinie kritisch. Andere Fachautoren sehen den Nutzen solcher Arzneien jedoch darin, dass sie die geschädigte Schleimhaut vor Besiedlung mit Bakterien schützen. Als weiteren Kritikpunkt nennen die Autoren der DEGAM-Leitlinie, dass Antiseptika, Lokalanästhetika und Antibiotika Allergien auslösen können. Demzufolge übersteige das Risiko deren Nutzen. Durch Viren ausgelöste Rachenbeschwerden haben eine hohe Selbstheilungstendenz. Lutschen fördert diese körpereigene Bekämpfung der Krankheitserreger. Es regt die Speichelbildung an und verstärkt die Produktion von Abwehrstoffen wie Lysozym und Immunglobulinen.

Eine Alternative zu den genannten Wirkstoffen sind Phytotherapeutika mit Inhaltsstoffen, die antiphlogistisch, schleimbildend, antiseptisch, deodorierend und adstringierend wirken. Hierfür kommen Kamille, Salbei, Spitzwegerich, Lindenblüten und Isländisches Moos sowie Thymian-Extrakte in Frage. Homöopathen unterstützen den Heilungsprozess je nach Beschwerdebild mit Phytolacca, Belladonna, Apis mellifica, Hepar sulfuris, Guaiacum oder Ammonium bromatum. Auch Komplexmittel lindern die Symptome.

Patienten mit starken Halsschmerzen helfen schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente, wie Ibuprofen oder Paracetamol, kurzzeitig, also maximal drei Tage. Die Analgetika lindern obendrein die allgemeinen Erkältungssymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen. Bessern sich die Halsschmerzen mit diesen Maßnahmen nicht innerhalb weniger Tage, werden sie sogar stärker oder kommt hohes Fieber hinzu, müssen Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Leises Reden erlaubt

Heisere Kunden müssen ihre Stimme schonen. Wer versucht, dennoch weiter zu reden oder durch ständiges Räuspern den Frosch im Hals loszuwerden, reizt die Schleimhäute noch zusätzlich. Flüstern ist kontraproduktiv, da dabei die Stimmlippen maximal angespannt und stark beansprucht werden. Notfalls ist leises Reden erlaubt.

Besonders bei Heiserkeit sollten die Erkrankten für ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen sorgen und viel trinken. So kann sich ein schützender Film auf den Schleimhäuten bilden. Mit salzhaltigen Lutschpastillen oder Gurgellösungen können sie die Mund- und Rachenschleimhäute zusätzlich befeuchten. Pflanzliche Pastillen oder Tees mit schleimstoffhaltigen Drogenauszügen von Malve, Isländischem Moos oder Spitzwegerich fördern die Genesung. Die Arzneipflanzen enthalten Polysaccharide, die mit dem Speichel einen Schutzfilm auf der Mundschleimhaut bilden. Dank ihres hohen Bindevermögens für Wasser befeuchten Hydrogelkomplexe die Schleimhäute und schützen die entzündete Kehlkopfschleimhaut vor weiterer Reizung.

In der Apotheke sollten PTA oder Apotheker Raucher aufklären, wie wichtig es ist, jetzt auf den »blauen Dunst« zu verzichten: Denn Rauch und die im Tabak enthaltene Giftstoffe trocknen die Stimmbänder aus. Die Mundschleimhaut wird schlechter durchblutet und die körpereigene Abwehr geschwächt. Wer trotz Erkältung raucht, riskiert, dass seine Stimme dauerhaften Schaden nimmt. /

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