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Lungenkrebs

Warnsignale beachten

23.02.2015
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Von Clara Wildenrath / Lungenkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland – und die häufigste Todesursache infolge eines Tumors. Wer frühe Warnzeichen erkennt und ernstnimmt, hat die besten Heilungschancen.

Länger anhaltender Husten kann viele Ursachen haben: chronische Bronchitis, Allergien oder Raucherlunge. In den meisten Fällen ist er zwar unangenehm, aber nicht lebensgefährlich. Manchmal steckt jedoch ein Tumor in der Lunge dahinter.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 55 000 Menschen an Lungenkrebs; rund 43 000 sterben daran. Risikofaktor Nummer eins ist das Rauchen: Rund 90 Prozent der Bronchialkarzinome bei Männern sind darauf zurückzuführen, schätzt das Robert-Koch-Institut. Von den erkrankten Frauen haben mindestens 60 Prozent mehrere Jahre geraucht. Das Lungenkrebsrisiko steigt umso mehr, je früher jemand mit dem Rauchen angefangen hat, je länger und je mehr Zigaretten pro Tag er oder sie raucht. Bei Pfeifen- oder Zigarrenrauchern liegt das Risiko zwar etwas niedriger als bei Zigarettenrauchern, aber immer noch viel höher als bei Nichtrauchern. Auch Passivraucher sind gefährdet: Wissenschaftler haben errechnet, dass in Deutschland jährlich 300 Menschen an Lungenkrebs sterben, weil in ihrer Umgebung geraucht wurde.

Häufige Berufskrankheit

Für einen deutlich kleineren Teil der Lungenkrebserkrankungen in Deutschland machen Experten das radioaktive Edelgas Radon verantwortlich. Das Gas kommt in manchen Gegenden im natürlichen Gestein vor – zum Beispiel im Erz- und im Fichtelgebirge, im Thüringer Wald sowie im Bayerischen Wald. Über schlecht isolierte Keller dringt es in die Wohnräume der unteren Stockwerke ein. Abhilfe schafft häufiges Lüften und die Abdichtung von Kellertüren und Fugen. In den Aufenthaltsräumen sollte die Radonkonzentration im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 100 Becquerel pro Kubikmeter betragen, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz. Mit im Handel erhältlichen Langzeitmessgeräten kann man die Belastung selbst prüfen.

Lungenkrebs zählt außerdem zu den häufigsten Berufskrankheiten. 9 bis 15 Prozent der Erkrankten hatten beruflich Kontakt mit krebserregenden Substanzen wie Asbest, Quarz- und Nickelstaub oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen. Auch Luftverschmutzung und eine hohe Feinstaubbelastung, vor allem durch Dieselruß, gelten als Risikofaktoren. Vernarbungen im Lungengewebe, wie sie zum Beispiel durch Tuberkulose entstehen, können die Tumorbildung ebenfalls fördern. Und auch genetische Faktoren scheinen bei Lungenkrebs eine gewisse Rolle zu spielen.

Bei der Diagnose sind Lungenkrebspatienten im Schnitt knapp 70 Jahre alt. Etwa zwei Drittel sind Männer. Allerdings erkranken seit Mitte der 1980er-Jahre immer mehr Frauen, während die Zahl bei den Männern stagniert oder sogar leicht zurückgeht. Den Grund dafür sehen Experten im veränderten Rauchverhalten: Der Zigarettenkonsum bei Frauen stieg bis 2003 stetig an, während die Rate rauchender Männer bereits seit Jahrzehnten sinkt. Erstmals löst in diesem Jahr der Lungenkrebs den Brustkrebs als führende Krebstodesursache bei Frauen ab, meldete kürzlich das Deutsche Krebsforschungsinstitut. Bei Männern ist das Bronchialkarzinom schon seit langem die häufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen.

Alarmsignale des Körpers

Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Bronchialkarzinome verursachen im Anfangsstadium aber meist keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden. Insbesondere bei starken Rauchern sollte man deshalb jedes Warnzeichen ernstnehmen – vor allem hartnäckigen Husten, der trotz ärztlicher Behandlung länger als vier Wochen anhält. Auch wenn Raucherhusten plötzlich stärker wird und Auswurf mit oder ohne Blutbeimengungen hinzukommt, kann das auf Lungenkrebs hinweisen. Viele Patienten spüren Brustschmerzen beim Lachen und Husten oder ein allgemeines Unwohlsein in der Brust. Im weiteren Verlauf tritt oft Kurzatmigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsschwäche und Fieber auf.

Alle diese Symptome können auch durch andere, harmlosere Erkrankungen verursacht werden. PTA und Apotheker sollten aber hellhörig werden, wenn ein Kunde – besonders ein älterer Raucher – über solche Beschwerden klagt. Dann sollten sie ihm ans Herz legen, zur genaueren Abklärung den Hausarzt oder einen Lungenarzt aufzusuchen.

Ein Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs für symptomlose Gesunde existiert in Deutschland bislang nicht. Die getesteten Verfahren waren entweder zu ungenau oder zu empfindlich: Entweder werden zu viele Tumoren übersehen oder zu oft harmlose Veränderungen fälschlicherweise für Krebs gehalten. Dazu kommt die potenzielle Gefährdung aufgrund der Strahlenbelastung durch regelmäßige Röntgenuntersuchungen oder Computertomographien (CT). Erste vielversprechende Ergebnisse lieferte jetzt das Niedrigdosis-CT-Screening von Hoch­risikogruppen: In einer großen US-amerikanischen Studie senkten regelmäßige CT-Untersuchungen von 55- bis 74-jährigen starken Rauchern deren Lungenkrebs-Sterblichkeit. In Deutschland können symptomlose Risikopersonen aktuell aber nur innerhalb klinischer Studien an einem solchen Screeningprogramm teilnehmen.

Der wichtigste Schritt, Lungenkrebs zu vermeiden, ist sein Leben lang Nichtraucher zu bleiben. Bei Rauchern ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, 20- bis 30-mal höher als bei Nichtrauchern. Wer den Zigaretten abschwört, senkt sein Erkrankungsrisiko innerhalb weniger Jahre erheblich: Nach fünf Jahren ist es schon um 60 Prozent zurückgegangen, berechnete die Deutsche Krebshilfe. Allerdings dauert es 20 bis 30 Jahre, bis das Lungenkrebsrisiko eines Ex-Rauchers dem eines lebenslangen Nichtrauchers entspricht. Bei der Entwöhnung können Nikotinersatzprodukte aus der Apotheke helfen.

Schutzfaktor Ernährung

Auch wer die Prinzipien einer gesunden Ernährungsweise beachtet, kann das Lungenkrebsrisiko positiv beeinflussen. Die Ergebnisse einer großen europäischen Ernährungsstudie deuten darauf hin, dass vor allem viel Obst vor einem Bronchialkarzinom schützen kann. Diese Schutzwirkung ließ sich durch Vitamintabletten oder andere Nahrungs­ergänzungsmittel nicht erreichen. In Studien stieg sogar das Krebsrisiko bei Rauchern, die regelmäßig Vitamintabletten einnahmen. Hingegen scheinen Bewegung sowie Sport das Risiko zu senken.

Deuten Beschwerden auf Lungenkrebs hin, fertigt der Arzt zunächst eine Röntgenaufnahme der Lunge an. Noch genauer darstellbar sind verdächtige Geschwulste im CT. Zur Absicherung der Diagnose führt der Arzt in der Regel eine Lungenspiegelung (Bronchos­kopie) durch, bei der er auch Gewebeproben entnehmen kann. Allerdings sind die äußeren Bereiche der Lunge mit diesem Verfahren nicht gut erreichbar. In diesen Fällen erfolgt die Biopsie von außen durch die Brustwand mithilfe einer Hohlnadel. Kommen beide Methoden nicht infrage, kann der Arzt versuchen, Krebszellen aus dem Auswurf des Patienten zu isolieren.

Weitere Diagnostik

Auf die Krebsdiagnose folgen in der Regel noch einige weitere Untersuchungen, beispielsweise eine Magnetresonanztomographie (MRT), eine Positronenemissionstomographie (PET) oder eine Spiegelung des mittleren Brustraums (Mediastinoskopie). Mit diesen Verfahren lässt sich klären, um welche Art von Tumor es sich handelt, wie groß er ist und ob er bereits die benachbarten Lymphknoten oder andere Organe befallen hat.

Tumorart von Bedeutung

Von der Tumorart hängt ab, wie der Lungenkrebs behandelt wird. Ärzte unterscheiden vor allem das kleinzellige und das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom, großzellige Karzinomen sind relativ selten. Der kleinzellige Lungenkrebs (SCLC = small cell lung cancer) wächst meist besonders schnell und breitet sich schon früh in andere Organe aus. In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich jedoch um nicht-kleinzellige Formen (NSCLC = non small cell lung cancer). Dazu zählen die von Schleimhautdeckzellen ausgehenden Plattenepithelkarzinome und die von drüsenartigen Zellen abstammenden Adenokarzinome. Sie finden sich bei mehr als sieben von zehn Erkrankten.

Bösartige Tumoren in der Lunge können aber auch dadurch entstehen, dass sich Krebszellen aus anderen Organen hier ansiedeln. Dann sprechen Ärzte von Lungenmetastasen, nicht von Lungenkrebs. Außerdem können sich in der Lunge auch maligne Lymphome bilden, die ebenfalls nicht vom Lungengewebe ausgehen, sondern von Zellen des Immunsystems. Gutartige Wucherungen in der Lunge sind selten.

Neben der Karzinomart, die sich auf das Gewebe bezieht, beeinflussen auch seine Ausbreitung und eventuelle Begleiterkrankungen des Patienten die Behandlung. Das Alter des Erkrankten spielt für die Therapieentscheidung laut der geltenden Leitlinien dagegen keine Rolle. Die besten Heilungsaussichten für den Patienten bestehen, wenn der Tumor chirurgisch vollständig entfernt werden kann. Das ist meist nur im Frühstadium der Fall. Ergänzend oder alternativ zur Operation empfehlen Ärzte oft eine Chemo- oder/und Strahlentherapie.

Weil aber Lungenkrebs häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, ist die Prognose bei vielen Patienten nicht gut: Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, liegt die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose nur bei etwa einem Jahr. Insgesamt beträgt bei Lungenkrebs die Fünf-Jahres-Überlebensrate für Frauen 21 Prozent, für Männer 16 Prozent.

Zielgerichtete Medikamente

Deutliche Verbesserungen der Prognose erwarten Experten künftig durch neue, molekularbiologische Therapieansätze. Bereits seit einigen Jahren gibt es Medikamente, die sich zielgerichtet gegen bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen beim NSCLC richten. Sie hemmen beispielsweise die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor wie Bevacizumab, Nintedanib. Andere binden spezifisch an EGF (Epidermal Growth Factor)-Rezeptoren auf der Zell­ober­fläche der Krebszellen und bremsen so das Tumorwachstum wie Erlotinib. Ein Fortschritt der sogenannten personalisierten Medizin ist, dass Ärzte zum Teil schon vor Beginn der Therapie vorhersagen können, welche Patienten davon profitieren. So setzen sie beispielsweise den EGF-Rezeptor-Hemmer Gefitinib nur dann ein, wenn in den Erbanlagen des Patienten eine bestimmte Genmutation nachgewiesen wurde. Die mittlere Überlebenszeit steigt dadurch auf mehr als das Dreifache. Für ungefähr die Hälfte aller Lungenkrebspatienten kennen Wissenschaftler bereits therapeutisch nutzbare Genveränderungen. Allerdings gibt es für die meisten noch keine zugelassenen Medikamente. Im Rahmen klinischer Studien können Patienten teilweise schon von den neuen Entwicklungen profitieren.

Große Hoffnungen setzen Forscher auch auf die Immuntherapie bei Lungenkrebs. Krebszellen entgehen mit verschiedenen Strategien dem Angriff durch körpereigene Abwehrzellen. Diese immunsuppressive Wirkung sollen neue Krebsmedikamente ausschalten. Als derzeit aussichtsreicher Kandidat beim NSCLC gilt der monoklonale Antikörper Nivolumab. In Phase-3-Studien erwies er sich bereits als sehr erfolgreich. Enttäuschende Ergebnisse lieferten dagegen Studien zur Impfung gegen spezifische Tumorantigene bei Patienten mit Bronchialkarzinom.

Mit Lungenkrebs leben

Während und nach der Therapie können Lungenkrebspatienten ihren Heilungsverlauf unterstützen, das Rückfallrisiko verringern und ihre Lebensqualität verbessern. Wichtig ist, die mit dem Arzt vereinbarten Reha-Maßnahmen und Nachsorgeuntersuchungen einzuhalten. Vielen Patienten hilft es, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch durch den wertvollen Beistand der Mitarbeiter in psychosozialen Krebsberatungsstellen und niedergelassene Psychoonkologen (siehe Infokasten) können Betroffene die seelischen Belastungen durch eine so schwerwiegende Erkrankung besser bewältigen.

Gesunde und ausreichende Ernährung sowie körperliche Bewegung tragen ebenfalls zur Erholung bei und stärken die Widerstandskraft. Patienten mit Appetitstörungen und Gewichtsverlust können PTA und Apotheker hochkalorische Nahrungsergänzungen empfehlen.

Auch nach der Diagnose Lungenkrebs ist es noch sinnvoll, das Rauchen zu beenden: Durch den Nikotinverzicht sinkt die Wahrscheinlichkeit der Therapie-Komplikationen und Rückfälle; die Wirksamkeit der Medikamente und der Bestrahlung steigt und Sauerstoffversorgung sowie Lungenfunktion verbessern sich. Das kann selbst bei nicht mehr heilbarem Lungenkrebs die Überlebenszeit verlängern. /

Hilfreiche Informationen für Lungenkrebspatienten und Angehörige:

Lungenkrebszentren: www.onkoscout.de

Selbsthilfegruppen: www.selbsthilfe-lungenkrebs.de

Adressen von Krebsberatungs­stellen und Psychoonkologen: www.krebsinformationsdienst.de

Informationsbroschüren: www.krebshilfe.de