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Kopfschuppen

Alles im grünen Bereich?

07.03.2016
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Von Ulrike Viegener / Ob Kopfschuppen einfach nur lästig oder durch eine Krankheit verursacht sind, lässt sich mit wenigen gezielten Fragen klären. Erst danach entscheidet sich, ob eine Selbstmedikation in Betracht kommt.

Schuppen empfindet jeder als unschön und nicht selten als peinlich – beispielsweise dann, wenn sie beim festlichen Dinner auf das schwarze Sakko rieseln. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen, aber nur bezüglich der fettigen Schuppen. Bei trockenen Schuppen dagegen liegen Männer und Frauen gleich auf.

Trockene Schuppen (Pityriasis simplex) sind die weißen, die sich leicht von der Kopfhaut lösen und herabrieseln. Sie kommen meist bei verminderter Talgabsonderung (Sebostase) vor oder auch beim Gebrauch von Haarpflegeprodukten, die der Kopfhaut Fett entziehen. Fettige Schuppen (Pityriasis steatoides) dagegen sind typisch für eine vermehrte Talgabsonderung (Seborrhoe). Sie sind gelblich gefärbt und haben eine ölige Konsistenz, sodass sie nicht so leicht abschilfern, sondern an der Kopfhaut kleben bleiben. Fettige Schuppen sind meist größer als trockene. Für das bloße Auge sichtbar – vor allem auf schwarzer Kleidung – sind Schuppen dann, wenn sie aus mehr als 500 Zellen bestehen (siehe auch Tabelle).

Schuppen sind Verbände von ab­gestorbenen Hornzellen (Korneozyten), die sich von der Kopfhaut lösen. Dieser Vorgang ist ganz normal, wobei die Kopfhaut je nach Hauttyp unterschiedlich stark zur Schuppung neigt. Darüber hinaus beeinflusst eine Vielzahl von Faktoren wie Heizungsluft oder auch Stress die Schuppenbildung. Rund die Hälfte aller Erwachsenen klagt gelegentlich über Schuppen, 5 Prozent leiden dauerhaft darunter und fühlen sich stark beeinträchtigt.

Fragen für Beratungsgespräch

  • Wie oft waschen Sie Ihre Haare?
  • Wie lange haben Sie schon die Beschwerden?
  • Haben Sie das Haarpflegeprodukt gewechselt?
  • Leiden Sie an einer Hautkrankheit wie Schuppenflechte?
  • Bilden sich immer gleich viele Schuppen oder haben Sie Unterschiede festgestellt?
  • Sind Sie oder ein Familienmitglied allergisch veranlagt?
  • Ist Ihre Lebenssituation derzeit sehr stressig?

Pathologisch wird der Vorgang jedoch erst, wenn sich die Hauterneuerungszeit – normal sind 4 Wochen – deutlich verkürzt und Entzündungszeichen vorhanden sind. Meist juckt die Kopfhaut dann auch stärker. Infolge der Entzündung kommt es zu einer Verhornungsstörung (Parakeratose). Für diese charakteristisch ist ein »fälsch­licher« Verbleib der Zellkerne bei der Umwandlung von Plattenepithelzellen in Korneozyten. Das trifft beispielsweise auf Patienten mit allergischem Kopfekzem oder Psoriasis zu. Beim allergischen Kopfekzem rötet sich die Kopfhaut und juckt, eventuell bilden sich mehlige oder fettige Schuppen. Bei Patienten mit Kopfhautpsoriasis erneuert sich die Kopfhaut in weniger als 7 Tagen. Es entstehen große Schuppen von mehr als 1000 Zellen. Oft ist die Haut der Patienten bis in die Stirnregion hinein rot entzündet und verhärtet.

Ursachen klären

Verlangt ein Kunde »etwas gegen Schuppen«, sollte das Apothekenteam mit einigen Fragen zunächst mögliche Ursachen abfragen (siehe Kasten). Als Auslöser für eine vermehrte Schuppenbildung kommen in Frage:

  • Haarshampoos,
  • Haarpflegeprodukte,
  • heißes Föhnen,
  • starke Sonneneinstrahlung,
  • Stress,
  • Hormonelle Schwankungen,
  • Pilzbefall,
  • Seborrhoisches Ekzem,
  • Psoriasis,
  • Neurodermitis und
  • Kontaktallergie.

 

Ist die Haarpflege pfleglich?

Manche Menschen tun bei der Haarpflege zuviel des Guten und/oder benutzen Produkte, die – vor allem bei häufigem Gebrauch – die Kopfhaut aus der Balance bringen. Die in den handelsüblichen Haarshampoos enthal­tenen Tenside entfetten und trocknen die Kopfhaut aus, wobei dieser Effekt je nach Produkt sehr unterschiedlich ist. Tägliches Haare­waschen ist in aller Regel nicht erforderlich, sondern setzt der Kopfhaut unnötig zu. Dasselbe gilt für häufiges heißes Föhnen. In solchen Fällen reicht eine gezielte Empfehlung oft schon aus, damit sich die Kopfhaut erholt und die Schuppenbildung zurückgeht, beispielsweise die Haare seltener zu waschen, das Shampoo zu wechseln und die Haare an der Luft trocknen zu lassen.

Dass Stress auf den Magen schlägt, ist bekannt, aber es gibt auch Menschen, bei denen die Kopfhaut sensibel auf Stress reagiert. Deshalb gehört dieser Aspekt mit zum Fragenkatalog im Beratungsgespräch. Dasselbe gilt für hormonelle Schwankungen. Bei Frauen in den Wechseljahren zum Beispiel verliert die Haut aufgrund der versiegenden Estrogenproduktion vermehrt Feuchtigkeit. Das hat unter anderem zur Folge, dass plötzlich Schuppen rieseln. In der Pubertät dagegen muss sich die Hormonproduktion erst einpendeln und führt oft zu einer vermehrten Talgproduktion und damit auch zu fettigen Schuppen.

Hefepilz im Visier

Fettige Schuppen, die an der Kopfhaut anhaften, verändern das dortige Mikroklima. Dann findet der lipophile Hefepilz Malassezia furfur, ein natürlicher Bewohner der Kopfhaut, optimale Wachstumsbedingungen vor. Erhöhte Talgproduktion führt deshalb mitunter zu einer exzessiven Vermehrung dieses Pilzes. Normalerweise macht Malassezia rund 45 Prozent der physiologischen Flora auf der Kopfhaut aus. Bei Menschen mit Kopfschuppen beziehungsweise seborrhoischem Ekzem dominiert der Hefepilz mit über 70, manchmal sogar über 80 Prozent.

Der vermehrte Pilzbefall führt zu entzündlichen Reaktionen der Kopfhaut, in deren Folge noch mehr Talg und fettige Schuppen gebildet werden. Beim Abbau der Talg­lipide durch den Hefepilz – so die Vermutung – entstehen freie Fettsäuren, die die Kopfhaut irritieren.

Das seborrhoische Ekzem ist eine chronische oder chronisch rezidivierende Dermatitis. Nach aktuellem Verständnis spielt Malassezia furfur bei deren Entstehung eine wichtige Rolle. Typisch sind lachsrote Hautläsionen mit fettigen Schuppen, die bevorzugt auf der behaarten Kopfhaut, aber auch im Gesicht sowie in den Stellen zu finden sind, in denen sich Schweiß sammelt. Juckreiz kommt beim seborrhoischen Ekzem in aller Regel nicht vor.

Arztbesuch empfehlen

Grundsätzlich sollten Entzündungs­zeichen wie Rötung der Kopfhaut und starker Juckreiz Anlass für einen Arztbesuch sein. Das gilt umso mehr, wenn die Kopfhaut offene oder auch verkrustete Stellen aufweist, unabhängig davon, ob diese spontan oder durch Kratzen entstanden sind. Starker Juckreiz verführt zwar zum Kratzen, ist jedoch mit dem Risiko bakterieller Infektionen und einer sich ausweitenden Entzündung verbunden.

Welcher Schuppungstyp liegt vor?

Zustand der Kopfhaut Hauterneuerung Zellen lösen sich …
gesund und unauffällig etwa alle 28 Tage einzeln.
trocken (Sebostase) alle 28 Tage als kleinste Mehlschuppen von 10 bis 20 Zellen.
trocken alle 7 bis 21 Tage in groben Schuppen von 100 bis 1000 Zellen.
fettig (Seborrhoe), wirkt rot entzündet alle 7 bis 21 Tage in fettigen Schuppen von 100 bis 1000 Zellen.

Starker Haarausfall ist ebenfalls ein Symptom, das abgeklärt werden sollte. Als Ursache kommt eine Fadenpilzinfektion (Tinea capitis) in Betracht, für die Schuppen­bildung und Haarausfall charakteristisch sind.

Ergeben sich im Beratungsgespräch Hinweise auf eine bislang nicht diagnostizierte Hauterkrankung, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. Hautveränderungen – auch an anderen Körperstellen wie Knien und Ellbogen – deuten auf Psoriasis hin.

Neigt der Betroffene selbst oder einer seiner nächsten Angehörigen zu Allergien, könnte eine Kontaktallergie das Schuppenproblem verursachen. Psoriasis, Neurodermitis und Kontaktallergien müssen gezielt behandelt werden. Möchte ein Patient mit einer der genannten Haut­erkrankungen in der Selbstmedikation ein Präparat zur Reduktion der Schuppenbildung kaufen, sollte er dies vorab mit dem Arzt besprechen.

Haben die Betroffenen bereits versuchsweise und ohne Erfolg ein unspezifisches Anti-Schuppen-Produkt eingesetzt, sollten sie spätestens dann einen Arzt konsultieren. Dasselbe gilt, wenn die Schuppen mit einem Anti-Schuppen-Produkt zunächst verschwinden, dann aber erneut auftreten.

Große Auswahl

Für die Selbstmedikation ist eine Vielzahl von freiverkäuflichen Produkten gegen Schuppen – Shampoos, Lotionen, Tonika – im Handel. Die Empfehlung von PTA oder Apotheker stellt sicher, dass das Anti-Schuppen-Präparat seine Wirksamkeit tatsächlich unter Beweis gestellt hat und für den individuellen Bedarf geeignet ist.

Bei Anwendern besonders beliebt sind Wirkstoff-haltige Anti-Schuppen-Shampoos. Auswahl und Häufigkeit des Gebrauchs richten sich in erster Linie danach, ob die Kopfhaut trocken (Sebostase) oder fettig (Seborrhoe) ist. Grundsätzlich sollten die eingesetzten Shampoos Tenside mit nachgewiesener Hautverträglichkeit enthalten.

Mit Anti-Schuppen-Shampoos lässt sich nur dann ein Erfolg erzielen, wenn sie eine Zeit lang regelmäßig angewendet werden, jedoch nicht öfter als einmal täglich und nicht länger als einen Monat. Bei der Abgabe eines entsprechenden Präparats sollte das Apothekenteam den Anwender darüber informieren, dass er die Haare nach dem Shampoonieren mit viel klarem, nicht zu heißem Wasser ausspülen soll. Nach Absetzen des Anti-Schuppen-Shampoos sind milde Shampoos – zum Beispiel Baby-Shampoos – zu empfehlen.

Antimykotika erforderlich

Bei fettigen Schuppen und vor allem beim seborrhoischen Ekzem kommen häufig Shampoos und andere topische Präparate mit einer antimykotischen Wirkkomponente zum Einsatz. Diese zielt darauf ab, den Befall mit Malassezia furfur einzudämmen. In schweren Fällen erwägt der Arzt beim seborrhoischen Ekzem die orale Gabe von Antimykotika, und im Fall einer bakteriellen Super­infektion sind Antibiotika indiziert.

Bei starker Schuppenbildung beziehungsweise starker Verhornung der Schuppen kommt – nach ärztlicher Indikations­stellung – der Einsatz von Keratolytika wie Salicylsäure und Harnstoff in Betracht. Ausgeprägte Entzündungen der Kopfhaut erfordern oft kurzfristig die Anwendung topischer Corticosteroide. Als gut verträgliche Alterna­tive haben sich bei Kopfhautpsoriasis lokale Vitamin-D3-Analoga erwiesen, diese dürfen die Patienten bis zu einem Jahr lokal auftragen. /