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Weichmacher können das Hormonsystem stören

07.03.2016
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Von Annette Immel-Sehr / Manche Chemikalien beeinträchtigen die Wirkung körpereigener Hormone, beispielsweise in Kunststoffverpackungen, Kosmetika und elektronischen Geräten. Von den über 800 Stoffen, die Fachleute als endokrine Disruptoren (engl.: endocrine disrupting chemicals, EDC) bezeichnen, wirken manche selbst wie Hormone, andere als Antagonisten oder hemmen die Biosynthese oder Metabolisierung körpereigener Hormone.

»In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass auch zunächst unverdäch­tige und scheinbar nützliche Chemi­kalien wie Weichmacher für Plastik, Flammschutzmittel, Beschichtungen für Pfannen und Verpackungen als EDC auf Menschen wirken«, erläutert Professor Dr. Ulrich Schweizer vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Bonn.

Hormon­abhängige Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs nähmen beständig zu und es bestünde ein Zusammenhang zur Anreicherung bestimmter EDC im Körper, so der Experte der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Auch der frühere Beginn der Pubertät oder die Verminderung der Samenqualität führen Experten auf EDC zurück.

Als problematisch schätzt Professor Dr. Matthias Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten an der Universitätsme­dizin in Mainz, folgende Situation ein: Neue Chemikalien würden zwar auf akute Giftigkeit, nicht aber auf ihre Wirkung als EDC getestet.

Den Verbrauchern rät Schweizer, ihre Macht als Kunden zu nutzen und gegebenenfalls ihr Kaufverhalten zu ändern. Letztlich entscheide jeder selbst, ob er beispielsweise Wurst oder Käse scheibenweise in Folie verpackt kauft und ob er seinen Kaffee im Gehen aus beschichteten Pappbechern trinkt. /

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie