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Biochemie

Potenzierte Salze für den Körper

29.06.2007  09:30 Uhr

Biochemie

Potenzierte Salze für den Körper

Désirée Kietzmann, Berlin

Verlangt ein Patient in der Offizin die »Heiße Sieben«, so hat er die Apotheke keinesfalls mit einem Schnellrestaurant verwechselt. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich eines der zwölf Salze nach Dr. Schüßler. Immer mehr Kunden entdecken die von ihm entwickelte »biochemische Heilweise« als Alternative in der Selbstmedikation.

Der Oldenburger Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler begann seine medizinische Karriere als homöopathischer Arzt. Mehr als 15 Jahre praktizierte er als bekennender Anhänger der Lehre von Samuel Hahnemann. Da sich auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Geister an der Homöopathie schieden, hatte er in dieser Zeit mit heftigen Widerständen seiner Kollegen zu kämpfen.

Mit den Jahren entwickelte auch Schüßler ein gespaltenes Verhältnis zur Homöopathie. Die alternative Heilmethode erschien ihm zunehmend unpraktikabel und unübersichtlich. Die damalige Zahl von mehr als 300 Mitteln erachtete er als zu groß, die individuelle Auswahl für den Patienten als zu schwierig. Schüßler suchte nach einer Behandlungsmethode, die es auch dem medizinisch ungebildeten Patienten ermöglichte, sich selbst schnell und effektiv zu helfen.

Während Schüßlers Zweifel an der Homöopathie immer größer wurden, wandelten revolutionäre Entdeckungen die Heilkunde des 19. Jahrhunderts in eine naturwissenschaftlich untermauerte Medizin. So wies Dr. Rudolf Virchow nach, dass die Zelle die kleinste Baueinheit des menschlichen Körpers ist. Folglich führte er Krankheiten auf eine Veränderung von Zellen zurück.

Die Entwicklung der Schüßlersalze

Schüßler hingegen beschäftigte sich speziell mit dem Mineralhaushalt. Er untersuchte, welche anorganischen Salze in Geweben und Organen vorkommen und welche Funktionen sie übernehmen. Er kam schließlich zu der Überzeugung, dass Störungen im Mineralhaushalt der Zelle Krankheiten verursachen. Seiner Meinung nach können bereits kleinste Abweichungen vom Normalgehalt eines Salzes zu Beschwerden führen. Er zog dabei den Vergleich mit der Landwirtschaft heran. Jeder Landmann wisse, dass man kränkelnde Pflanzen durch Begießen mit einer Salzlösung zum Gedeihen bringen könne, schrieb Schüßler in einer Veröffentlichung.

Als Ergebnis seiner Forschungen entwickelte er eine Therapie mit zwölf anorganischen Salzen, den so genannten Funktionsmitteln. Mit dieser Behandlungsform, die er als »Analogon der Agrikulturchemie« bezeichnete, wendete er sich vom Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie ab. Bei der Zubereitung seiner Arzneien blieb er seinen Wurzeln jedoch treu. Nach der Verreibung mit Laktose, werden die Mineralsalze nach den Prinzipien der Homöopathie potenziert und tablettiert. Schüßler glaubte, dass die Zellen die Salze in potenzierter Form besser aufnehmen könnten. Daraus ist ersichtlich, dass die Schüßlersalze keinen manifesten Mineralstoffmangel auszugleichen vermögen. Schüßler beabsichtigte vielmehr eine sanfte Regulation des Salzhaushaltes der Zelle.

Alle Funktionsmittel sind als Tabletten in den Potenzen D3, D6 und D12 sowie als Salbe erhältlich. Da Forscher im  Laufe der Zeit weitere für den Körper wichtige Mineralstoffe identifizieren konnten, sind inzwischen zwölf so genannte Ergänzungsmittel auf dem Markt.

Beratungshinweise

Um seine Heilmethode von der Homöopathie abzugrenzen, nannte Schüßler sie »Biochemie«. Der Begriff darf jedoch nicht zu der Annahme verleiten, die Therapie beruhe auf den Prinzipien der gleichnamigen naturwissenschaftlichen Disziplin. Wirkliche Mangelzustände können durch Schüßlersalze nicht behoben werden. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Dennoch vertrauen immer mehr Menschen dieser Therapieform und wollen in der Offizin kompetent beraten werden.

Folgende Einnahmehinweise sollten PTA oder Apotheker dem Patienten mit auf den Weg geben: Die Tabletten eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen unter der Zunge vergehen lassen. Bei der Gabe mehrerer Salze sollten diese nicht zur gleichen Zeit, sondern nacheinander eingenommen werden. Bei akuten Beschwerden oder ausbleibender Besserung des Gesundheitszustandes ist der Gang zum Arzt unersetzlich.

Die zwölf Funktionsmittel

Einige Indikationen der Funktionsmittel entsprechend ihrer Aufgabe im Körper sind im Folgenden kurz umrissen:

  • Nr. 1: Calcium fluoratum wird zur Kariesprophylaxe und bei Knochenbildungsstörungen verwendet.
  • Nr. 2: Calcium phosphoricum beschleunigt die Heilung von Arm- und Beinbrüchen. Lindert Zahnungsbeschwerden.
  • Nr. 3: Ferrum phosphoricum stimuliert die Durchblutung bei kalten Händen und Füßen und bessert die Konzentration.
  • Nr. 4: Kalium chloratum wird gegen Entzündungen der Nasen-, Rachen- und Magenschleimhaut eingenommen.
  • Nr. 5: Kalium phosphoricum hilft als Nervensalz gegen Stress, Erschöpfung und Schlaflosigkeit.
  • Nr. 6: Kalium sulfuricum gilt als Salz für die Haut und wird bei Ekzemen, Schuppenflechte und Akne eingesetzt.
  • Nr. 7: Magnesium phosphoricum lindert Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen. Zehn Tabletten in heißem Wasser auflösen (»Heiße 7«).
  • Nr. 8: Natrium chloratum reguliert den Wasserhaushalt des Körpers. Zur Behandlung von trockener Haut und wässrigem Schnupfen.
  • Nr. 9: Natrium phosphoricum schützt den Organismus vor Übersäuerung und beugt somit Gichtanfällen und Sodbrennen vor.
  • Nr. 10: Natrium sulfuricum wirkt als Ausscheidungsmittel und ist daher gegen Verstopfungen, Blähungen und Ödeme wirksam.
  • Nr. 11: Silicea findet unter anderem als Mittel gegen Osteoporose, Erkrankungen der Nägel und auch bei Haarausfall Verwendung.
  • Nr. 12: Calcium sulfuricum nehmen Betroffene gegen chronische Gelenkentzündungen sowie eitrige Entzündungen wie Abszesse ein.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
desireekietzmann(at)gmx.de 

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