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Beratung bei Atemwegserkrankungen

Richtig inhalieren will gelenrt sein

29.06.2007  09:40 Uhr

Beratung bei Atemwegserkrankungen

Richtiges Inhalieren will gelernt sein

Birgit Carl und Anna Laven, Aachen

Je komplizierter die Applikationsform eines Arzneimittels, umso wichtiger ist die Beratung in der Apotheke über die korrekte Anwendung. Das trifft vor allem auf Asthmasprays zu, denn Untersuchungen ergaben, dass selbst Langzeitanwender von Dosier-aerosolen immer noch Informationsbedarf haben. Wie können PTA oder Apotheker beraten? Welche Hinweise benötigt der Patient auf jeden Fall, damit er mit der Arzneiform korrekt umgehen kann?

Welche Beratungsangebote eine Apotheke machen kann, hängt vom Patienten, vom Zeitbudget und der Spezialisierung der jeweiligen Apothekenmitarbeiter ab. Grundsätzlich braucht jedoch jeder Patient alle Informationen, die ihn befähigen, das verordnete Arzneimittel alleine zu Hause richtig anzuwenden. Dabei sollte er vorher weder den Beipackzettel lesen noch die Hilfe eines Verwandten oder Freundes in Anspruch nehmen müssen.

Aus Untersuchungen ist bekannt, dass von zehn Langzeitpatienten bis zu acht Applikationsfehler machen. Gerade für die Demonstration der richtigen Inhalationstechnik sollten sich PTA oder Apotheker Zeit nehmen, denn davon profitieren die Patienten am meisten. Danach merken die Asthmatiker innerhalb kürzester Zeit, dass der Arzneistoff besser wirkt, sie mehr Luft bekommen und sich deutlich besser fühlen. Die gute Beratung lohnt sich sowohl bei Erst- als auch bei Daueranwendern.

Aus der Lernpsychologie ist bekannt, dass ein Mensch sich nur fünf plus/minus zwei Informationen zu einem Thema merken kann, also jeder mindestens drei. Wird die Information strukturiert, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient diese auch langfristig behält. Diesen Erkenntnissen trägt das Beratungstrio Rechnung. Zu den drei wichtigsten Punkten bei den Asthmasprays gehören erstens die Dosierung, zweitens die Handhabung und drittens spezielle Hinweise zum Umgang, unter anderem zur Reinigung oder Aufbewahrung. Der Kasten zeigt beispielhaft, welche drei Teile eine strukturierte, auf die Patientenbedürfnisse abgestimmte Beratung bei der Abgabe eines Dosieraerosols beziehungsweise eines Pulverinhalators enthalten sollte. Darüber hinaus können spezialisierte Apothekenmitarbeiter Asthmapatienten weitere, auf die Erkrankung abgestimmte Angebote machen. Hierzu zählt zum Beispiel, dass sie ihnen die Peak-flow-Messungen erklären.

Beratung bei der Abgabe von Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren

Beratungstrio Dosieraerosol Beratungstrio Pulverinhalator
1. Inhalieren Sie x-mal täglich je y Sprühstöße ein. Essen Sie nach der Inhalation etwas oder trinken Sie etwas 1. Inhalieren Sie x-mal täglich je y-Mal ein. Essen Sie nach der Inhalation etwas oder trinken Sie etwas.
2. Demonstration der richtigen Anwendung mit folgenden Schwerpunkten: Schütteln, Koordination Einatmen/Sprühen und Ausatmen 2. Demonstration der richtigen Anwendung mit folgenden Schwerpunkten: Laden/Freisetzung der Pulverdosis, Atemtechnik bei der Inhalation und Ausatmen
3. Reinigung 3. Aufbewahrung

Erst- und Daueranwender ansprechen

Ein Patient mit einem Rezept über ein Dosieraerosol betritt die Apotheke. »Haben Sie schon mal ein Dosieraerosol verwendet?« Mit dieser einfachen Frage kann die PTA einen Erstanwender von einem Daueranwender unterscheiden. Bei einem Erstanwender folgt die strukturierte Beratung, wie im Kasten beschrieben. Bei Langzeitanwendern ist es meist schwieriger, ins Gespräch zu kommen. Häufig antworten die Patienten: »Nehme ich schon seit Jahren.« oder »Damit kenne ich mich bestens aus.« Um herausfinden, ob der Patient sein Mittel möglicherweise trotzdem falsch anwendet, hat sich in der Praxis folgende Formulierung bewährt: »Ich habe letztens einen interessanten Artikel gelesen, wie Sie es schaffen, dass Ihr Arzneimittel noch besser wirkt. Zeigen Sie mir doch bitte, wie Sie Ihres anwenden. Vielleicht habe ich da noch einen Tipp für Sie!« Macht der Patient alles richtig, sollte ihn die PTA loben: »Richtig. Sie kennen sich wirklich gut aus. Kompliment.« Manchmal lernen die Apothekenmitarbeiter auch von Patienten Neues dazu. Beobachtet die PTA, dass der Patient seine Technik noch verbessern sollte, kann sie dies mit den folgenden Worten einleiten: »Schon ganz gut. Untersuchungen haben gezeigt, wenn Sie . . . folgendermaßen verändern . . . , dann wirkt das Arzneimittel noch besser.«

Bilder sagen mehr als Worte

In jahrelanger Praxis hat es sich bei Erstanwendern bewährt, dem Patienten die Anwendung dreistufig zu erklären. Dies spart Zeit und erleichtert es dem Patienten, richtig mit dem Arzneimittel umzugehen. Zunächst packt die PTA das Spray oder den Inhalator aus und zeigt dem Patienten Schritt für Schritt den korrekten Umgang. Hierbei stellt sie besonders wichtige Punkte heraus und erläutert diese langsam, eventuell auch zweimal. Dann simuliert sie die Anwendung einmal komplett, so weit wie möglich ohne Worte. Anschließend bittet sie den Patienten, das Arzneimittel nach ihrer Anweisung echt oder simuliert anzuwenden. So hat sie die Möglichkeit, Fehler von Anfang an gezielt zu beheben, so dass der Patient sofort alles richtig macht.

Außerdem hat es sich bewährt, dem Patienten einen zweiten Termin, quasi zur Auffrischung des Gelernten, anzubieten. So erhält er die Möglichkeit, vor Ort seine Technik zu verbessern. »Das ist wie beim Erlernen einer Sportart. Erst probiert man und braucht den Trainer für einzelne Details. Später geht es ganz allein, und so werden Sie schnell zum Profi«, mit diesen Worten motiviert die PTA der Kunden, ein zweites Mal in die Apotheke zu kommen. Spätestens bei der Verordnung des nächsten Dosieraerosols wird ein neuer Anwendungs-Check-up erforderlich.

Machen Langzeitanwender Fehler, spricht die PTA das zu verbessernde Detail an und demonstriert anschließend die korrekte Anwendung. Auch hier hat es sich bewährt, den Patienten das neue Vorgehen sofort ausprobieren zu lassen: »Versuchen Sie es gleich selbst einmal. Es ist ganz einfach.«

Vorteile des Kundenkontos

Bei Kunden, die regelmäßig die Apotheke besuchen, sollten PTA oder Apotheker versuchen, sich ein umfassendes Bild von der Erkrankung des Patienten zu machen. Alleine aus der Verordnung können sie nicht ohne weiteres darauf schließen. Cortisonsprays werden beipielsweise sowohl bei Asthma als auch bei COPD eingesetzt. Als Informationsquelle und Leitfaden für die weitere Beratung sollte ein Kundenkonto angelegt und die wichtigsten medizinischen Daten im Apotheken-PC gespeichert werden.

Für die umfassende Sammlung seiner Patientendaten muss der Patient zunächst seine Zustimmung geben. »Welche Erkrankung hat der Arzt bei Ihnen festgestellt? Gerade bei Atemwegserkrankungen ist es wichtig nachzuprüfen, ob Sie bestimmte Arzneimittel einnehmen können. Das gilt sowohl für die Arzneimittel, die Sie selber kaufen, als auch für Arzneimittel, die Ihnen andere Ärzte verordnen. Damit Sie auf Nummer sicher gehen, bieten wir Ihnen ein Kundenkonto an. Möchten Sie den Antrag zu Hause oder direkt jetzt ausfüllen?«

Häufig wird im Beratungsgespräch deutlich, dass der Patient seine Erkrankung nicht genau kennt. »Ich kriege halt schlecht Luft. Da ist irgendwas mit meiner Lunge.« In vielen Fällen hat der Patient keine Stammapotheke, sondern holt seine Medikamente in unterschiedlichen Apotheken. Mit dem Angebot des Kundenkontos gewinnen Beratungsprofis einen neuen Stammkunden.

Die Eigenverantwortung des Patienten für seine Erkrankung, auch Self-Empowerment genannt, steckt bei Atemwegserkrankungen noch in den Kinderschuhen. Wie wichtig es ist, dass die Patienten für sich selber aktiv werden, macht folgende Einschätzung von Experten deutlich: Sie vermuten, dass sich die COPD (chronisch obstruktive Atemwegserkrankung) in den nächsten Jahren hinter Krebs und Herzkreislauferkrankungen zur Todesursache Nr. 3 entwickeln wird. Ein Grund mehr für die spezialisierte, beratungsaktive Apotheke, die ersten Schritte in die richtige Richtung anzustoßen.

»Mir ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrer Krankheit auskennen. Bitten Sie Ihren Arzt bei Ihrem nächsten Besuch aufzuschreiben, was Sie genau haben. Dann kann ich Sie noch besser beraten, und Sie fühlen sich besser.«

Je nach Apothekengröße hat es sich in der Praxis bewährt, zwei bis drei Personen auf dem Gebiet der Atemwegserkrankungen und in der Anwendung der entsprechenden Arzneimittel zu schulen. Hierzu bieten Kammern und andere Veranstalter diverse Seminare an. Alle sollten die bei Atemwegserkrankungen eingesetzten Wirkstoffe für den Notfall oder zum Dauergebrauch kennen und wissen, welche Informationen der Patient hierzu benötigt. Ein Beispiel für eine Checkliste enthält der Kasten.

Checkliste für die Apotheke

  • Atemwegsbeauftragte benannt und geschult?
  • Infobroschüren, Asthmatagebücher vorrätig?
  • Demonstrationsmuster vorrätig?
  • Alle können die wichtigsten Applikationsformen erklären?
  • Gegenseitiges Erklären erfolgt?
  • Alle kennen die Unterschiede zwischen den einzelnen Arzneistoffgruppen?
  • Reinigung der Geräte bekannt?
  • Alle Patienten mit entsprechender Verordnung angesprochen?

Muster vorrätig halten

Die »Atemwegsbeauftragten« besorgen dann Informationsbroschüren, Asthmatagebücher und andere Hilfsmittel, die Patienten mitgegeben werden können. Für jede Applikationsform empfiehlt es sich, ein Demonstrationsmuster vorrätig zu halten. Die Herstellerfirmen stellen diese auf Anfrage gerne zur Verfügung. Die wichtigsten Applikationsformen sollte das ganze Team beherrschen. Ein guter Tipp: Jeder erklärt jedem Kollegen einmal jede einzelne Applikationsform. So lernt der Erklärende und auch der »Demopatient«, wie man schnell und einfach die wichtigsten Informationen vermittelt. Denn die praktische Vorführung und die eigene Formulierung erzielen den besten Lerneffekt. Spezielle Fragen beantworten im Apothekenalltag dann die »Atemwegsbeauftragten«.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserinnen:
info(at)lavenseminare.de 

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