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Sonnenschutzmittel

Sonnenbaden ohne Schaden

28.06.2007
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Sonnenschutzmittel

Sonnenbaden ohne Schaden

Andrea Hämmerlein, Berlin

Sonnenlicht fördert das Wohlbefinden, hebt die Stimmung und steigert die Vitamin-D-Synthese der Haut. Ohne ausreichenden Sonnenschutz sollte allerdings niemand ein Sonnenbad nehmen, denn die Hautkrebserkrankungen haben in den letzten Jahren alarmierend zugenommen. Ungeschütztes Sonnen führt nicht nur zu schmerzhaftem Sonnenbrand, sondern fördert auch die Hautalterung und spielt bei der Entstehung von Hautkrebs eine große Rolle. Daher sollten PTA oder Apotheker ihren Kunden die Gefahren der Sonnenstrahlung bewusst machen.

Als Ursachen für die vermehrten Hautkrebserkrankungen nennen Wissenschaftler das veränderte Freizeitverhalten, die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Ozonschicht. Das individuelle Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab: vor allem vom Hauttyp, der Tageszeit und der Dauer der Lichtexposition und nicht zu vergessen der geographischen Breite des Aufenthaltortes. Im Hochgebirge hat die Sonne beispielsweise eine ganz andere Kraft als im Flachland. Wasser, Sand und Schnee verstärken die Sonnenstrahlung durch Reflexion und erhöhen das Risiko für die Haut erheblich.

Neben dem sichtbaren Licht emittiert die Sonne auch ultraviolette (UV-)Strahlung. Die Wellenlänge dieser elektromagnetischen Strahlung liegt unterhalb des sichtbaren Lichtes, das Spektrum umfasst UV-A- (320 bis 400 nm), UV-B- (280 bis 320 nm) und UV-C-Strahlung (200 bis 280 nm). Da die Atmosphäre, insbesondere die Ozonschicht, einen Teil der Strahlung absorbiert, erreicht vor allem UV-Strahlung mit einer Wellenlänge oberhalb von 300 nm die Erdoberfläche.

Mit zunehmender Wellenlänge dringen UV-Strahlen tiefer in die Haut ein. UV-A-Strahlen gelangen bis in die Schichten der Dermis und bewirken die Sofortpigmentierung der Haut. Sie beschleunigen zudem die natürliche Hautalterung, rufen Lichtdermatosen und allergische Hautreaktionen wie die »Mallorca-Akne« hervor und werden für die Schwächung des Immunsystems verantwortlich gemacht. Dadurch leisten sie der Entstehung des Hautkrebses Vorschub. UV-B-Strahlen gelangen nur bis in die Epidermis. Sie regen die Melaninsynthese an und bedingen dadurch eine länger anhaltende Bräune. Eine Überdosis an UV-B-Strahlen führt zum Sonnenbrand. UV-C-Strahlen werden meist von der Ozonschicht abgehalten. Weil sich das Ozonloch stetig vergrößert, treffen in bestimmten Regionen auch diese gefährlichen Strahlen verstärkt auf die Erde und schädigen die Haut.

Die Haut schützt sich durch verschiedene Mechanismen vor dem Einfluss der UV-Strahlung. Den besten Eigenschutz produzieren die Melanozyten in den Pigmentzellen unter der Hornhaut. Diese Zellen bilden den Hautfarbstoff Melanin, der die Bräune hervorruft, was etwa zwei bis vier Tage dauert. Die Bräunung der Haut soll die darunter liegenden Hautschichten und vor allem die DNA der Zellkerne schützen. Menschen mit heller Haut bilden weniger Melanin als dunkelhäutige und reagieren daher empfindlicher auf Sonnenlicht.

Physiologischer Eigenschutz

In diesem Zusammenhang ist der Begriff der Eigenschutzzeit zu nennen. Darunter versteht man die Zeitspanne, die der Einzelne in der Sonne verbringen kann, ohne dass sich seine Haut rötet und »verbrennt«. Diese Zeit ist individuell sehr unterschiedlich: Je nach Hauttyp liegt sie bei intensiver Sonnenstrahlung zwischen 5 und 30 Minuten. Nur wer seine Eigenschutzzeit kennt, kann mit dem richtigen Sonnenschutz dauerhaften Schäden vorbeugen. Die Tabelle zeigt die unterschiedlichen Hauttypen mit ihren Kennzeichen und gibt eine Empfehlung für das anzuwendenden Präparat. Kleinkinder und ältere Menschen bilden jeweils eine eigene Kategorie, da bei ihnen die natürlichen Schutzmechanismen noch nicht oder nicht mehr vollständig ausgeprägt sind.

Geeigneter Sonnenschutz in Abhängigkeit vom Hauttyp

Mittel Beschwerden
Aconitum D6 plötzliches heftiges Fieber ohne Schweiß, Kind ist unruhig und ängstlich
Arnica D6 Wunden, Sportverletzungen
Belladonna D6 stürmischer fieberhafter Infekt mit starkem Schwitzen, pochende Kopf- oder Ohrenschmerzen
Chamomilla D6 Blähungskoliken, Zahnungsbeschwerden bei Säuglingen
Cocculus D6 Reiseübelkeit, auch zur Vorbeugung
Ferrum phosphoricum D6 mild verlaufender grippaler Infekt mit Fließschnupfen und Reizhusten
Ledum D6 Insektenstiche, kleine Stichwunden
Okoubaka D3 Erbrechen und Durchfall durch Kost- und Klimaumstellung
Pulsatilla D6 Brechdurchfälle nach Durcheinander-Essen

Ein weiterer Mechanismus zum Schutz der Haut ist die Verdickung der äußeren Hornschicht (Stratum corneum). UV-B-Strahlen beschleunigen die Zellteilung der Basalzellschicht und bewirken so die so genannte Lichtschwiele. Diese reflektiert, filtert und streut das Sonnenlicht. Die Hautverdickung verbessert den Eigenschutz der Haut um ungefähr das Vierfache. Schützend wirken außerdem verschiedene Enzyme, zum Beispiel die Urokainsäure. Enzyme steuern auch die Reparaturmechanismen von DNA-Schäden.

Vor der schädigenden Wirkung intensiver Sonnenstrahlen schützen am besten Kleidung und Schatten. Wer sich dennoch relativ leicht bekleidet in der Sonne aufhält, muss ein Sonnenschutzmittel auftragen. Ein gutes Produkt zeichnet sich durch eine hohe Schutzwirkung gegenüber UV-A- und UV-B-Strahlung aus. Ferner sollte es hautverträglich sowie möglichst schwitz- und wasserfest sein. 

Einige Tipps für die Anwendung von Sonnenschutzmitteln

  • Sonnenschutzmittel mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen.
  • Sonnenschutzmittel großzügig auftragen, da zu geringe Mengen die versprochene Schutzleistung nicht erbringen.
  • Auftragen bei längerem Sonnenaufenthalt oder nach dem Schwimmen wiederholen, da Sonnenschutzmittel durch Schweiß oder Wasser an Wirksamkeit verlieren; mehrmaliges Auftragen verlängert nicht die Schutzzeit.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Sonnenschutz- und Insektenabwehrmitteln (Repellents) sollte das Sonnenschutzmittel zuerst aufgetragen werden.

UV-B- und UV-A-Schutz

Ein weltweit einheitlich geregeltes Kennzeichen von Sonnenschutzmitteln ist der Lichtschutzfaktor (LSF). Mit dem LSF kann jeder die Zeit errechnen, die er nach Anwendung des Produktes in der Sonne bleiben kann, ohne dass sich seine Haut rötet. Wer gemäß Hauttyp und Eigenschutzzeit nur 10 Minuten sonnenbaden sollte, jedoch ein Produkt mit dem LSF 10 aufgetragen hat, könnte theoretisch 100 Minuten lang die Sonne genießen. Experten empfehlen, diesen Wert nur zu zwei Drittel auszunutzen. So verringert sich im erwähnten Beispiel die errechnete Zeitdauer auf eine Stunde. Wichtiger Hinweis: Der LSF bezieht sich nur auf den Schutzeffekt gegenüber UV-B-Strahlung, das heißt den Schutz vor Sonnenbrand und Schädigung der Erbsubstanz in den Zellen der obersten Hautschicht. Der so genannte UV-A-Faktor besagt, um welchen Faktor das Produkt die Intensität der UV-A-Strahlung vermindert. Bei einem Faktor 10 dringen also ein Zehntel der UV-A-Strahlen in die Haut ein.

Im April 2007 veröffentlichte die COLIPA (European Cosmetic, Toiletry and Perfumery Association) eine neue, europaweit abgestimmte In-vitro-Methode zur Bestimmung der UV-A-Schutzleistung von Sonnenschutzmitteln und empfahl eine einheitliche Kennzeichnung der UV-A-Schutzleistung. Zukünftig wird ein Logo (die Buchstaben »UVA« in einem Kreis) auf allen Sonnenschutzprodukten zu finden sein.

Bei der Auswahl eines Sonnenschutzmittels ist zu bedenken, dass auch Präparate mit hohen Lichtschutzfaktoren nicht vollständig vor UV-Strahlen schützen. Jeder sollte bei mäßiger Sonnenexposition die »4-H-Regel« beachten. Die 4 »H« stehen für: Hut, Hose, Hemd und hoher LSF im UV-A- und UV-B-Bereich. Sinnvoll für Kinder sind zudem ein Nackenschutz am Sonnenhut und geschlossene Schuhe. Ferner sollte jeder die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden, da zu dieser Zeit die Sonneneinstrahlung am intensivsten ist. Den Hautschutz für ihre Kinder sollten Eltern besonders ernst nehmen. Kinder bis zu einem Jahr sollten sie niemals den direkten Sonnenstrahlen aussetzen. Für Kinder geeignet sind hypoallergene wasserfeste Zubereitungen mit natürlichen Mikropigmenten wie Titanoxid und Zinkoxid, hohem LSF im UV-A- und UV-B-Bereich. Für Menschen mit fettiger Haut oder Neigung zu Mallorca-Akne eignen sich Hydrogele als Sonnenschutz, da sie ohne Emulgatoren und Fette hergestellt werden. Besonders empfindliche Körperstellen wie Lippen, Nase oder Ohren sind mit Sun-Blockern (LSF 20 und höher) am sichersten geschützt.

Nach einem Sonnenbad braucht die Haut besondere Pflege. Sie sollte mild, aber gründlich gereinigt und mit Feuchtigkeit in Form von Après- oder After-sun-Präparaten versorgt werden. Bei leichten Hautreizungen bringen entzündungshemmende Zusätze wie Panthenol, Kamillen- oder Hamamelis-Extrakte wohltuende Linderung.

Informationen aus dem Internet

  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Täglicher Lichtschutz in der Prävention chronischer UV-Schäden der Haut unter www.uni-duesseldorf. de/WWW/AWMF/ll/013-049.htm
  • Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie e. V. (ADK). Haut.de unter www.haut.de/wms/haut/im_fokus/sonne 

IR-A-Strahlung und Hautkrebs

Professor Dr. Jean Krutmann, Direktor des Instituts für Umweltmedizinische Forschung der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, und sein Team stellten bei Zellkulturversuchen mit menschlichen Hautzellen fest, dass die Infrarot-Strahlung in den Hautzellen einen Mechanismus aktiviert, wie er für UV-Strahlung bekannt ist. Weiterführende Untersuchungen zeigten, dass IR-A-Strahlung reaktive Sauerstoffspezies erzeugen kann. »Wir können mit allergrößter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Infrarot-A-Strahlung zu einem vorzeitigen Alterungsprozess der Haut führt und es existiert ein konkretes Risiko, dass Infrarot-Strahlung auch das Hautkrebsrisiko beeinflusst«, so Krutmann. 

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