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40 Jahre PTA-Beruf

28.06.2008
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40 Jahre PTA-Beruf 

Annette van Gessel, Mannheim

In diesem Jahr können die PTA auf eine 40-jährige Geschichte zurückblicken. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltete der BVpta am 7. Juni in Mannheim einen Kongress mit dem Thema »40Jahre Beruf PTA, Herausforderungen und Perspektiven«. Das rundum gelungene Kongressprogramm umfasste einen Rückblick, eine Diskussion zum Thema Rabattverträge und zwei Fachvorträge über Arzneimittel-Innovationen und problematische Arzneiformen. Ein Ausblick auf die Novellierung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung rundete den Festtag ab.

Die ersten Ideen, neben der Apothekenhelferin einen weiteren Assistenzberuf für die öffentliche Apotheke zu schaffen, liegen mehr als 40 Jahre zurück. Bereits im Jahr 1954 wünschten sich die Offizin-Apotheker einen Hilfsberuf, um sich »von untergeordneten Aufgaben zu befreien«. Dies veranlasste das Bundesministerium für Gesundheit, 1964 einen ersten Entwurf zum Berufsbild der Pharmazeutisch-technischen Assistenten zu veröffentlichen. Das Gesetz über den Beruf des PTA trat am 24. März 1968 in Kraft. Seither ist viel geschehen: Die PTA haben sich zu kompetenten und selbstbewussten Mitarbeitern des Apothekers entwickelt – auch Dank ihres eigenen Berufsverbands, des BVpta.

Die Vorsitzende des BVpta Sabine Pfeiffer freute sich, unter den etwa 70Teilnehmern zahlreiche Gäste aus Verbänden, Krankenkassen und der Apothekerschaft begrüßen zu können. Der Wunsch, einen eigenen Berufsverband zu gründen, entstand im Jahr 1979 auf dem PTA-Fortbildungskongress in Isny. Ein Jahr später fand sich eine kleine Gruppe engagierter PTA zum Interessenverband PTA (IVPTA) zusammen. 1992 folgte die Namensänderung in Berufsverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten e. V. »Heute sind wir bereits mit über 8000 PTA die mitgliederstärkste Interessenvetretung und werden weiter wachsen,« sagte Pfeiffer und appelierte an alle Chefinnen und Chefs: »Fordern und fördern Sie uns PTA. Nutzen Sie das Potenzial Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beziehen Sie uns und unsere Ideen in die Gestaltung der Zukunft mit ein!«

Professorin Dr. Barbara Sickmüller vom Berufsverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ergänzte in ihrem Grußwort: »Nur die Apotheke kann den erhöhten Anforderungen an die Qualität der Information und den Verbraucherschutz gerecht werden.« »Die Apotheke wird in Zukunft nicht bestehen können, wenn die Apotheker nicht durch kompetentes Personal unterstützt werden«, ergänzte Peter Stahl, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz. 

Nach dieser optimistischen Begrüßung folgte zunächst ein Rückblick in die Anfänge des PTA-Berufs. Ulrike Binder, Gründungsmitglied des BVpta, schilderte, wie sie als junge PTA hauptsächlich mit der Prüfung der Ausgangsstoffe im Apothekenlabor und mit der Herstellung von Rezepturen und Defekturen beschäftigt war. Im Laufe ihrer Berufstätigkeit habe sie sich dann immer mehr zu einer kompetenten Mitarbeiterin ihrer Chefin oder ihres Chefs in der Beratung der Kunden und Patienten im Handverkauf entwickelt. Binder ermunterte ihre Kolleginnen, die vielen Chancen, die der PTA-Beruf bietet, für die eigene Fortentwicklung zu nutzen. 

Rabattverträge sind umstritten

Die Diskussion zum Thema Rabattverträge unter Moderation von Professor Dr. Hartmut Morck verlief nicht nur kontrovers unter den Podiumsteilnehmern, sondern provozierte etliche Fragen und auch Unmutsäußerungen der Kongressteilnehmer. Als Podiumsgäste diskutierten miteinander Professorin Dr. Barbara Sickmüller vom BPI, Cosima Kötting vom BAH (= Bundesverband der Arzneimittelhersteller), Wolfgang Hartmann-Besche vom BKK-LV Bayern (= Landesverband Bayern der Betriebskrankenkassen), Helmut Schröder vom WIdO (= Wissenschaftliches Institut der AOK) und Peter Stahl, LAK Rheinland-Pfalz. Bis auf den Vertreter der Ortskrankenkassen waren sich alle Diskussionsteilnehmer darin einig, dass die Rabattverträge nicht das beabsichtigte Einsparpotenzial gebracht hätten. Die Rabattverträge hätten einen hohen Verwaltungsaufwand verursacht und nur einen geringen Nutzen erwirkt, so Sickmüller. Langfristig seien sie schädlich für die mittelständische Industrie, die Apotheken und auch für die Patienten, resümierte Hartmann-Besche. Sie begünstigten die Bildung von Oligopolen bei den Pharmaherstellern, zwängen Apotheken zu einer größeren Lagerhaltung, verunsicherten die Patienten und verschlechterten letztlich deren Compliance.

Selbst die aktuelle Zahl von 65 Mio Euro, die die AOK gespart hätte, sei keine realistische Größe, denn sie berücksichtige nicht die Ausfälle durch den Verzicht auf die Zuzahlungen der Patienten sowie den zusätzlichen Verwaltungsaufwand der Krankenkasse. Das maximale Einsparvolumen durch Rabattverträge betrage 270 Mio Euro, so Hartmann-Besche. 270 Mio Euro seien 2,38 Prozent vom Gesamtumsatz mit Generika und 1,09 Prozent vom gesamten Arzneimittelumsatz zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherungen. Würden die Krankenversicherer diese Einsparungen an ihre Versicherten weitergeben, dann vermindere sich der Beitragssatz um gerade einmal 0,03 Prozentpunkte, rechnete der BKK-Vertreter vor.

Heftigen Protest erntete Schröder mit der Aussage, zur Beratungstätigkeit von PTA und Apotheker gehöre das Gespräch mit dem Patienten, also auch die ausführliche Information darüber, warum die Krankenkasse das verordnete Medikament nicht erstatte und er daher ein wirkstoffgleiches von einem anderen Hersteller erhalte. »Ich benötige manchmal eine halbe Stunde für dieses Gespräch«, hielt Stahl dagegen. Auch die Kongressteilnehmer machten dem Vertreter der AOK deutlich, dass sie sich eine Beratung über pharmazeutische Inhalte wünschten und nicht eine Auseinandersetzung über Preise und Erstattungsfähigkeit.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Arzneimittel-Innovationen und der Probleme älterer Patienten im Umgang mit speziellen Arzneiformen. Morck gab einen umfassenden Überblick über die neuen Arzneistoffe der letzten 40 Jahre.

Scheininnovationen lohnen nicht

Das neue AMG habe 1978 den Arzneimittelmarkt einschneidend verändert, so Morck. Ab diesem Zeitpunkt hätten die »global player« der Pharmaindustrie begonnen, zielgerichtet nur noch solche Arzneistoffe zu entwickeln, die langfristig Umsatz brächten. So sind beispielsweise in den letzten zwölf Jahren 39 Antibiotika bezeihungsweise Antiinfektiva, 39 Zytostatika, 26 Analgetika oder Antirheumatika, 21 Antihypertensiva inklusive Statine, 12 Antidiabetika und 12 Immunmodulatoren auf den Markt gekommen. Zwar hätte sich die Hoffnung der Wissenschaftler bislang nicht erfüllt, HI-Viren durch eine Kombinationstherapie komplett zu eradizieren, doch sei man mit den modernen Wirkstoffgruppen diesem Wunsch einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Auch bei den Zytostatika hätten die monoklonalen Antikörper einen entscheidenden Durchbruch für die spezifischere Therapie gebracht. Durch die Entwicklung kleinerer Moleküle, die peroral gegeben werden können, sei die Krebstherapie zusätzlich einfacher geworden.

Als Schritt in die richtige Richtung beurteilt Morck die seit 2004 geltende Einteilung der neuen Arzneistoffe in Sprung-, Schritt- und Scheininnovationen. Seitdem lohne es sich für die Pharmaindustrie nicht mehr, Geld in eine Scheininnovation zu investieren, da das Produkt als Me-too-Produkt direkt nach Markteinführung der Festpreisregelung unterliegt. Nur bei Sprunginnovationen könne der Hersteller den Preis frei kalkulieren. Diese Unterteilung beeinflusst seither die Forschungsaktivitäten der Industrie. Mit einer Grafik verdeutlichte Morck, dass in den letzten drei Jahren die große Mehrheit zu den Sprung- beziehungsweise Schrittinnovationen zählt.

Wichtige Hinweise für die Apothekenpraxis erhielten die Kongressteilnehmer im Vortrag von Pharmazierat Dr. Wolfgang Kircher zum Thema »Ältere Patienten und ihre Probleme mit Arzneiformen«. Der Apotheker aus Peißenberg hat in zahlreichen eigenen Versuchsreihen mit seinen Apothekenkunden überprüft, wie sich die feinmotorischen und auditiven Fähigkeiten im Alter verändern. Theoretisch müssten Arzneiformen für ältere Patienten auch unter dem Aspekt ausgewählt werden, dass mit den Jahren das Hörvermögen und auch die manuelle Kraft nachlässt, forderte Kircher. So differiere der Kraftaufwand zur Perforation der Kapsel bei den Hartkapsel-Inhalatoren für die Asthmatherapie je nach Modell sehr. Daher sei es wichtig, vor allem ältere Patienten darauf hinzuweisen, die Hartkapsel nach jeder Anwendung auf vollständige Entleerung zu überprüfen. Falls nötig müsse der Arzt dem Patienten ein ergonomisch günstigeres Inhalatormodell verordnen. 

Im Alter fehlt die Kraft

Eine vergleichbare Situation beobachtete Kircher bei älteren Penbenutzern: 5der 50 untersuchten Diabetiker waren nicht in der Lage, die zur Penbenutzung erforderliche Kraft aufzubringen. Ein Patient erzählte, er halte den Pen an seinen Bauch und seine Frau müsse die Injektion auslösen, berichtete Kircher. Seine Empfehlung an die Kongressteilnehmer: Simulieren Sie mit dem Patienten die Injektion mit dem Insulin-Pen. Dann können Sie abschätzen, ob der Diabetiker noch ausreichend Kraft besitzt. Falls nicht, sollte er auf ein ergonomisch geeigneteres Penmodell ausweichen oder statt des Pens Einmalspritzen oder ein halbautomatisches Gerät verwenden. 

Auch bei Augentropfen unterschieden sich die im Handel befindlichen Präparate erheblich. »Je kleiner das Fläschchen, umso schwerer lässt es sich komprimieren«, so Kircher. In der Selbstmedikation, beispielsweise bei antiallergisch wirksamen Ophtalmika, sollten PTA oder Apotheker Einzeldosisbehältnisse aus einem weichen Plastikmaterial empfehlen, diese ließen sich leicht zusammendrücken, riet der Fachmann für Applikationsformen. 

Novellierung der Ausbildung steht an

Ulrike Knappe und Antje Prenzel vom Vorstand des BVpta stellten kurz dar, welche Aspekte der Berufsverband bei der Novellierung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung berücksichtigt sehen will. Der Verband strebe an, die Ausbildungszeit auf drei Jahre anzuheben. Damit sei auch gleichzeitig der Wunsch nach Anerkennung der Ausbildung als Hochschulreife erfüllt. Außerdem fordere der BVpta bundeseinheitliche Prüfungsstandards sowie die Änderung der Gesetzesformulierung »unter Aufsicht des Apothekers«, zum Beispiel in »selbstständig auf Weisung«. Wünschenswert sei auch eine Änderung der Berufsbezeichnung, der Begriff des »Assistenten« solle im neuen Namen möglichst nicht mehr vorkommen, forderten die beiden PTA. »Mehr als 50000 PTA wollen, dass ihr Beruf aktuell bleibt und weiterhin gelebt wird.« 

Stellvetretend für alle Anwesenden formulierte Stahl: »Es besteht kein Zweifel, dass der Berufsstand der PTA eine Erfolgsgeschichte hinter sich hat.« Diese Entwicklung verdanken die PTA auch ihrem aktiven Berufsverband. Daher bedankte sich Pfeiffer abschließend bei allen ehrenamtlich tätigen Kolleginnen für ihre Mithilfe und bat sie, sich auch weiterhin so engagiert einzusetzen.