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Hände

Die perfekten Alleskönner

27.06.2008
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Hände

Die perfekten Alleskönner

Birgit Masekowitz, Berlin

Als Schlüsselereignis in der Evolution des Menschen gilt, dass die Vorfahren des Homo sapiens sapiens den aufrechten Gang erlernten. Dadurch konnten sich die Hände zu bemerkenswerten Universalinstrumenten für handwerkliche und feinmotorische Tätigkeiten entwickeln. Mit Hilfe ihrer Hände können sich Menschen auch wortlos verständigen und sogar heilende Kräfte entwickeln. Leider schenken viele Menschen ihren Händen zu wenig Aufmerksamkeit und vernachlässigen ihre Pflege. 

Der aufrechte Gang ermöglicht es dem Menschen, seine Hände für die unterschiedlichsten Arbeiten frei einzusetzen, beispielsweise zum Schreiben, Gemüse putzen, Musikinstrument spielen oder eine Creme rühren. Die Stellung des Daumens ist Grundvoraussetzung für das präzise Greifen. Außerdem besitzen die Hände in der nonverbalen Kommunikation mindestens soviel Aussagekraft wie die Augen. Schon kleine Kinder sprechen mit den Händen. Sie zeigen zum Beispiel auf Dinge, auf die sie aufmerksam machen wollen. Diese und andere Gesten begleiten die Menschen ein Leben lang. Alle bewegen beim Sprechen ihre Hände. Meist geschieht dies unbewusst und ist von Mensch zu Mensch und von Kultur zu Kultur verschieden. 

Doch Gesten lassen sich auch trainieren und gezielt einsetzen, um etwas zu veranschaulichen oder zu betonen. Durch Handzeichen können sich Menschen ohne Worte verständigen. Manche sind allerdings international sehr verschieden und müssen deshalb wie eine Sprache erlernt werden. Was ein erhobener Daumen bedeutet, ist den Menschen rund um den Globus bekannt. Er zeigt: Alles ist in Ordnung. Diese Form der Kommunikation ist in der Gebärdensprache perfektioniert. Gehörlose buchstabieren nicht nur mit ihren Fingern, sondern bilden mit den Händen auch Worte und Sätze. Neben verschiedenen Gesten nutzen sie die Mimik und den ganzen Körper, um sich ihrem Gegenüber mitzuteilen. Die Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik und ein umfassendes Vokabular. Und was viele nicht wissen: Auch die Sprache der Gehörlosen ist von Land zu Land verschieden, es gibt sogar unterschiedliche Dialekte.

Rätsel der Linkshändigkeit

Statistiken zufolge sind ungefähr 10 bis 15 Prozent der Menschen Linkshänder. Allerdings gehen einige Wissenschaftler von einem wesentlich höheren Anteil aus, da es lange Zeit üblich war, Linkshänder auf die rechte Hand »umzuerziehen« und diese Personen bei den Umfragen nicht erfasst wurden. Obwohl inzwischen bekannt ist, dass sich die Umerziehung von Linkshändern negativ auf deren kognitiven Fähigkeiten und Psyche auswirkt, glauben auch heutzutage noch viele Eltern, ihr Kind müsste mit der rechten Hand schreiben. Die Folgen können schlechtere schulische Leistungen, Sprachstörungen, Legasthenie und psychische Probleme sein.

Bislang sind sich Wissenschaftler noch uneins, was die Vorliebe zur linken Hand verursacht. Die Verteilung der Linkshänder innerhalb der Bevölkerung gibt ihnen zusätzlich Rätsel auf, zum Beispiel das 9:1-Verhältnis von Rechts- und Linkshändern oder die Tatsache, dass mehr linkshändige Männer als Frauen geboren werden. Seltsam erscheint außerdem, dass unter genetisch identischen eineiigen Zwillingen Links-Rechtshänder-Kombinationen ähnlich häufig vorkommen wie bei anderen Geschwisterpaaren. Gängigen Vorstellungen, dass die Links- oder Rechtshändigkeit genetisch bedingt ist, widerspricht die Beobachtung, dass sowohl links- als auch rechtshändige Paare eher rechtshändige Kinder bekommen. 

Unstrittig ist, dass Linkshänder im Alltag mit etlichen Schwierigkeiten zurecht kommen müssen. Die meisten Küchenwerkzeuge wie Dosenöffner, Korkenzieher oder Schere sind für Rechtshänder ausgelegt. Auch Musikinstrumente oder Fotoapparate sind für Rechtshänder gebaut. Inzwischen bieten zahlreiche Hersteller Werkzeuge speziell für linkshändige Personen an. Allerdings sind diese oft teuer und nicht überall erhältlich. Seit 1976 informieren Initiativen am 13. August, dem »internationalen Linkshändertag«, über die besonderen Probleme dieser Menschen.

Vielsagende Linien

»Die Zukunft steht in deinen Händen.« Dieser Glaube führt Menschen seit Jahrhunderten zu Wahrsagern, die aus der Form und den Linien einer Hand auf die Charaktereigenschaften, vor allem jedoch auf die Zukunft schließen. In der Antike war die Kunst, aus der Hand zu lesen, sogar eine angesehene Geheimwissenschaft. Von den griechischen Wörtern »chiro, cheir oder cheiros« für »Hand« stammen die Begriffe Chiromantik oder Chiromantie für das Handlesen sowie Chirognomie beziehungsweise Chirologie. Die Chirognomie oder Chirologie befasst sich mit der Form der Hände und Finger sowie den Handlinien. Die äußere Form der Hand soll Rückschlüsse auf die körperliche Konstitution und das Temperament erlauben. Viele Chirologen haben versucht, dafür eine passende Typisierung zu entwickeln, doch je nach Quelle finden sich unterschiedliche Einteilungen. Handliniendeuter betrachten stets die aktive Hand, beim Rechtshänder die rechte, beim Linkshänder die linke. Er versucht, aus dem Verlauf der Linien die Zukunft vorherzusagen.

Handleser glauben, sie könnten in den Händen eines Menschen wie in einem offenen Buch lesen. Die bedeutendsten Handlinien sind die sogenannten Beugelinien. Diese finden sich dort, wo eine feste Verbindung von der Oberhaut zu tieferen Hautschichten vorliegt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Linien bereits in der Hand des Embryos entstehen, bevor dieser die Hände bewegen kann. Ihr Verlauf ist sozusagen vor der Geburt festgelegt. 

Länge und Tiefe entscheidend

Chiromanten betrachten vor allem drei Beugelinien, die Lebens-, die Herz- und die Kopflinie. Die Lebenslinie steht für die Vitalität eines Menschen und beginnt zwischen Zeigefinger und Daumen und verläuft in einem Halbkreis um den Daumenballen. Handleser beurteilen hauptsächlich ihre Regelmäßigkeit, Tiefe, Breite, Länge, Verlaufsform (gerundet oder eher gerade) und auffällige Schwankungen. Viele Chiromanten behaupten, anhand dieser Schwankungen sowie an Linien, die die Lebenslinie kreuzen, konkrete Ereignisse im Leben einer Person ablesen zu können. 

Die oberste der drei großen Handlinien ist die Herzlinie. Sie verläuft direkt unterhalb der Fingeransätze und steht für alle Gefühle, für Liebe, Sexualität, Vertrauen und Partnerschaft. Aus ihrer Position und Länge leiten die Handleser Hinweise auf die Warmherzigkeit und die Eifersuchtsneigung einer Person ab. Zwischen diesen beiden Linien verläuft die Kopflinie. Sie entspringt zwischen Daumen und Zeigefinger und endet etwa zwischen Ring- und kleinem Finger. Diese Linie steht für alle geistigen Fähigkeiten, analytisches Denken und Konzentration. Für Handleser gilt die Faustregel: Je länger die Kopflinie einer Person, um so rationaler ist der Mensch. 

Heilkraft der Hände

Seriöser als die Kunst des Handlesens sind Heilmethoden, bei denen Therapeuten durch gezielte Griffe Blockaden lösen und Schmerzen lindern. Als einzige Werkzeuge benutzen sie dazu ihre Hände. Osteopathie, Shiatsu oder Reiki sind drei bekannte Beispiele.

Die Therapeuten gehen davon aus, dass sie durch ihre Berührungen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Als ganzheitliche Methoden zielen sie darauf ab, Körper und Seele ins Gleichgewicht zu bringen. Zu den bekanntesten Formen zählt heute die Osteopathie. Der Name setzt sich aus den beiden griechischen Begriffen »osteo« für Knochen und »pathie« für Leiden zusammen. Doch Osteopathen sind keineswegs nur auf die Knochen spezialisiert, sondern betrachten den gesamten menschlichen Körper als untrennbare Einheit. 

Griffe gegen Blockaden

In der Osteopathie spielen Faszien, die bindegewebigen Umhüllungen von Muskeln und Muskelgruppen, eine große Bedeutung. Diese verbinden auch solche Strukturen, die funktionell nicht zusammenhängen. Osteopathen sind davon überzeugt, dass Funktionsstörungen über Faszien auf andere Körperregionen übertragen werden. So wirken sich ihrer Ansicht nach Gelenkblockaden oder Muskelverspannungen störend auf den Blutkreislauf oder das Lymphsystem aus und führen damit zu verschiedenen Symptomen und Erkrankungen. Ein Osteopath versucht daher, durch gezielte Griffe Bewegungseinschränkungen zu lösen. 

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser Therapie fehlen. Dennoch berichten Patienten immer wieder, dass der Osteopath ihre Beschwerden lindern konnte. Die Kosten für eine Behandlung liegen zwischen 60 und 100 Euro. Einige private Krankenversicherungen übernehmen die Behandlungskosten, die meisten gesetzlich Versicherten müssen diese selbst zahlen.

Shiatsu ist eine Technik aus Japan, die sich aus der traditionellen chinesischen Massage entwickelt hat. Wörtlich übersetzt heißt Shiatsu »Fingerdruck«. Allerdings setzt der Shiatsu-Therapeut auch seine Ellenbogen, Unterarme und Knie ein und übt auf bestimmte Punkte entlang der Energiebahnen, der Meridiane, Druck aus, um die Energie im Körper wieder zum Fließen zu bringen. Shiatsu wird meist auf einer Bodenmatte praktiziert. Neben sanften rhythmischen Techniken setzen die Therapeuten auch Dehnungen und Rotationen ein, die tiefer wirken. Sie nutzen dabei ihr gesamtes Körpergewicht. 

Shiatsu für den Bewegungsapparat

Als Heilmethode dient Shiatsu besonders zur Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparats, zum Beispiel bei Knie-, Hüft-, Schulter- und Rückenbeschwerden. Gesetzlich Versicherte müssen auch die Shiatsu-Behandlung selbst bezahlen. 

Etwas ungewöhnlicher ist die Methode des Handauflegens, auch Reiki genannt. Übersetzt heißt Reiki »Lebensenergie« oder auch »schöpferische, heilende Kraft des Universums«. Bei dieser Methode lässt der Therapeut  heilende Energie durch seine Hände fließen und löst so beim Patienten Blockaden, die Schmerzen und Krankheiten auslösen können. Die Anhänger dieser Methode behaupten, dass mit Reiki jede Krankheit geheilt oder zumindest gelindert werden kann. 

So beeindruckend die Erfolge der manuellen Therapien auch sein mögen, ist dennoch wichtig, dass die Praktizierenden ihre Grenzen kennen. Bei Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebspatienten dürfen diese Behandlungen nie die etablierte Schulmedizin ersetzen, sondern immer nur ergänzen. 

Klicken, bis es wehtut

Bei allen Tätigkeiten, die die Hände tagtäglich wie selbstverständlich vollbringen, ist es kein Wunder, dass sie auch einmal ihren Dienst versagen. Taubheitsgefühl, Kraftlosigkeit, ein steifes Handgelenk können zum Beispiel bei Personen auftreten, die mit ihren Händen immer dieselben, monotonen Bewegungen ausführen. Häufig strahlen die Schmerzen von den Händen in den Arm und die Schulter aus. Menschen, die täglich viele Stunden am Computer arbeiten und dabei ständig die Maus benutzen, kennen die Beschwerden. »Mausarm« heißt das Syndrom, das Mediziner RSI-Syndrom (repetitive strain injury) nennen.

Dieser Sammelbegriff umfasst verschiedene Beschwerden, zu denen auch Sehnenscheidenentzündung und Tennisellbogen (Epikondylitis) zählen. Die Ursache sind schnelle, kurze, sich täglich wiederholende Bewegungen, die Muskeln, Sehnen und Gelenke so schädigen, dass sie sich während der nächtlichen Ruhephasen nur unzureichend erholen. Die noch nicht vollständig reparierten Schäden summieren sich, wenn die Beschäftigten am nächsten Tag die selbe Tätigkeit ausführen. Dann entstehen häufig Missempfindungen in Schultern, Rücken und Kopf. RSI-Symptome behindern manche Betroffene so stark, dass sie ihren Beruf aufgeben müssen. Im Extremfall werden sie sogar unfähig, Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zu bedienen oder sich anzuziehen. In jedem Fall ist ein Besuch beim Arzt ratsam, damit dieser die Ursachen der Beschwerden abklärt. Ein Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich oder Rheuma lösen ähnliche Symptome aus.

Doch nicht allein das Mausklicken und Tippen der PC-Tasten verursacht die Überlastungsschäden. Entscheidend ist neben einer erblichen Veranlagung eine falsche Körperhaltung. Wer zum Beispiel oft unter Stress arbeitet, sitzt verkrampft vor dem Computer. 

Außerdem sind viele Arbeitsplätze noch immer ergonomisch falsch ausgerichtet. Ein unter ergonomischen Gesichtspunkten eingerichteter Computerarbeitsplatz beinhaltet zum Beispiel einen in der Höhe verstellbaren, drehbaren Stuhl mit Armlehnen, eine V-förmig gebogene Tastatur für eine unverkrampfte Armhaltung sowie bewegliche Armauflagen. Wer regelmäßig kleine Pausen für Dehnungsübungen einlegt und Hände und Arme locker bewegt und kreisen lässt, verschafft der gestressten Muskulatur  etwas Entspannung. Seine Hände entlastet, wer zwischendurch statt der Maus die Tastatur benutzt. Außerdem helfen verschiedene Tastenkombinationen dabei, die Hände flexibel zu bewegen und Anschläge zu sparen. Ein anderer Tipp: Einfach mal die Maus mit der anderen Hand benutzen. Das verlangsamt allerdings die Arbeit, denn den meisten Menschen fällt es schwer, gewohnte Tätigkeiten mit »links« zu verrichten. 

Hände gut, alles gut

Ob Links- oder Rechtshänder: Eine gute Pflege benötigen alle, denn die Haut wird nirgendwo so stark beansprucht wie an den Händen. Ob im Beruf, im Haushalt oder bei der Gartenarbeit, fast ständig sind die Hände Umwelteinflüssen wie Schmutz, Wasser, Kälte, Sonne oder trockener Luft ausgesetzt. Unter Belastung trocknen sie sehr schnell aus, denn die Haut besitzt hier nur wenige Talgdrüsen und kaum Fettgewebe in der Unterhaut. Bereits das tägliche Händewaschen entzieht ihr Feuchtigkeit und Fett.

Daher sollte jeder es sich zur Regel machen, die Hände mit möglichst hautneutralen Mitteln mit einem pH-Wert von 5,5 zu reinigen. Diese beeinflussen den Säureschutzmantel der Haut deutlich weniger als herkömmliche Seifen mit einem pH-Wert zwischen 8 und 10. Allerdings entfetten die hautneutralen Mittel die Haut ebenfalls. Daher sollten die Hände ein- bis zweimal täglich eingecremt werden. Handelsübliche Handcremes bestehen zu 60 bis 80 Prozent aus Wasser, um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut anzureichern. Verschiedene Wirkstoffkombinationen aus Pflanzenextrakten, Ölen, Vitaminen und Glycerin helfen, die Feuchtigkeit in der Haut zu speichern. Um vorzeitiger Alterung vorzubeugen, enthalten manche Cremes einen UV-Schutz. 

Eine optimale Pflege berücksichtigt die individuellen Ansprüche der Hände. Manche sind sehr empfindlich, andere eher robust. Hinzu verändern bestimmte Erkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis und Diabetes oder Hormonschwankungen und unausgewogene Ernährung den Zustand der Haut. 

Neben verschiedenen Produkten für die tägliche Anwendung eignen sich für besonders strapazierte Hände spezielle Masken und Packungen. Bleiben die Hände trotzdem rau, hilft ein altes Hausrezept: Die Hände vor dem Schlafengehen dick eincremen und die Creme unter Baumwollhandschuhen die ganze Nacht einwirken lassen.

Die meisten Menschen werden sich ihrer Hände erst bewusst, wenn sie schmerzen. Doch die Hände verdienen Pflege, denn sie sind weit mehr als simple Tast- und Greifwerkzeuge.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
birgit.masekowitz(at)gmx.de