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Was ich noch erzählen wollte...

Haarige Ansichten

28.06.2008
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Was ich noch erzählen wollte...

Haarige Ansichten 

Annette Behr, Berlin

Endlich ist sie da, die Sonne. Sofort werden die Röcke kürzer, die Ausschnitte tiefer und mehr Haut sichtbar. Allerdings lugen aus so manchem coolen Top die Achselhaare hervor. Und auch Haare an den Beinen stören manche nicht. Kommen behaarte Körper wieder in Mode?

Jeden Morgen führt mich mein erster Gang zum Bäcker um die Ecke. Die junge, äußerst gestylte Verkäuferin trägt nicht nur aufgeklebte Nägel, sondern auch einen dunklen Damenbart. Verwundert frage ich mich im Stillen: »Warum rasiert sie die Haare nicht weg?«

Sogar die für ihr Lächeln berühmte Mona Lisa hatte ein Damenbärtchen. Aber das ist lange her, und vielleicht mochte Leonardo da Vinci behaarte Damen. Auch meine Mutter rasierte weder Achseln noch Beine, an die Bikinizone gar nicht zu denken. Seit Charlotte Roches aktuellem Skandalroman »Feuchtgebiete« ist unter meinen Freundinnen die Diskussion über den Zusammenhang zwischen Emanzipation und Be- beziehungsweise Enthaarung entbrannt. In ihrem Roman greift Roche die Frauen an, weil sie sich angeblich einem übertriebenen Hygienewahn und dem Druck des Schönheitskults unterwerfen. Weiterhin meint sie: »Frauen sollten ihre Zeit lieber mit Karriere machen verbringen, anstatt ihre Zeit stundenlang mit dem Rasur-Ritual zu verplempern.« Vielleicht ist ja auch beides möglich, schließlich sind Frauen multitaskingfähig. 

Außerdem ist das Schönheitsideal des haarlos glatten Körpers nicht neu. Denn bereits die Höhlenmenschen rasierten sich mit Steinen und Muscheln das Gesicht und die Beine. Im alten Ägypten galt ein enthaarter Körper als das Symbol der Schönheit schlechthin. Die Ägypterinnen entfernten die Augenbrauen, manche rasierten sogar ihren Kopf und trugen Perücken. Kleopatra war bereits um 50 vor Christus ihrer Zeit weit voraus: Sie ließ sich die Haare mittels Pinzette, Wachs und Harz entfernen. Die Griechinnen benutzen früher eine arsenhaltige Paste, um ihren Körper zu enthaaren. Die Römerinnen beschäftigten eigens einen Sklaven, den Epilator, der ihnen mit einer Pinzette die Härchen einzeln auszupfte.

Unsere Haare sind die letzten rudimentären Reste eines Fells. Ihre sinnvolle Funktion, uns zu wärmen und vor der kalten Welt zu schützen, haben sie schon seit langem verloren. In den meisten Kulturen gilt heute die Körperbehaarung bei Frauen als unästhetisch. 

Schade nur, dass die meisten Männer meinen, ihre Körperbehaarung sei männlich und sexy. Dabei werben attraktive Männer wie David Beckham mit unbehaartem Oberkörper für Nassrasierer. Vermutlich kaufen überwiegend Frauen die Produkte. Die Nassrasur gilt immer noch als die gründlichste. Leider ist sie nicht ganz risikolos. Als ich meine Freundin auf ihre zwei Pflaster an den Beinen anspreche, antwortet sie: »Ich habe mich schon wieder geschnitten.« Indem sie sanft über ihre Beine streicht, ergänzt sie schnell: »Dafür sind sie jetzt samtweich.« 

Die Methoden zur Haarnentfernung sind so unterschiedlich, dass für jeden etwas dabei sein müsste. »Ratz-Fatz sind die Haare weg«, versprechen die Wachsanbieter. Die Haarentfernung mit warmem, flüssigem Wachs oder Kaltwachsstreifen haben viele Frauen schon einmal ausprobiert. Doch auf den Produkten steht: »Bei empfindlicher Haut kann es zu Hautirritationen kommen.« 

»Die Haare waren weg, dafür bekam ich rote Beine mit hässlichen Bläschen und dann wieder Stoppeln«, klagt meine Nachbarin. Nach der türkischen Methode werden die Haare mit einem dünnen Faden entfernt oder die Flaumenhärchen mit einer kleinen Flamme verbrannt. Dabei kann es wie bei der Blitzlichtmethode zu Verbrennungen kommen. Impulslichttechnik, Lasertherapie und Nadel-Epilation sind zeitaufwendig und kostenintensiv. Viele Frauen greifen daher gern auf die elektrische Epilation zurück: Bei dieser Methode werden die Haare mit feinen Pinzetten an der Haarwurzel ausgerissen. Die Haarwachstumszellen sollen geschädigt werden und deshalb nicht mehr so schnell nachwachsen. 

»Wichtig bei jeder Haarentfernung ist die optimale Pflege der Haut vor und nach der Behandlung«, rät mir die PTA aus »meiner« Apotheke. Sie hat zusätzlich eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht und zupft in der Kabine nach alt bewährter Methode mit einer Pinzette Damenbärtchen und korrigiert die Augenbrauen. In der Apotheke empfiehlt sie ihren Kundinnen ein auf die individuellen Bedürfnisse der Haut abgestimmtes Pflegeprodukt aus der eigenen Herstellung. »Bei allen Enthaarungen entscheidend ist das streichelzarte Finish«, sagt die PTA. »Außerdem kann ein leichter, heller Haarflaum auch sehr hübsch aussehen«, verabschiedet sie mich augenzwinkernd.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr(at)gmx.net