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Update Reiseimpfungen

Auffrischen und ergänzen

22.06.2010
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Update Reiseimpfungen

Auffrischen und ergänzen

von Daniela Biermann

Wer ins Ausland reist, sollte sich vorher gut über die aktuell geforderten Impfungen informieren. Ob für das gewählte Urlaubsziel eine Immunisierung nötig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Frühbuchen zahlt sich nicht nur für den Geldbeutel aus. Spätestens einen Monat vor der Abreise sollte der Urlauber klären, welche Impfungen ihm noch fehlen. Je weiter weg und ausgefallener das Reiseziel, umso wichtiger ist eine individuelle reisemedizinische Beratung. Welche Impfungen indiziert sind, hängt nicht nur vom Reiseziel, sondern auch von der Reisezeit, der Reiseroute und vielen persönlichen Faktoren ab. In jedem Fall muss der Nutzen einer Impfung gegen die Risiken und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sowie deren Folgen abgewogen werden. Generell gilt, je individueller und länger die Reise, desto höher das Risiko für Infektionen. Bei der Beratung müssen PTA oder Apotheker immer auf die neuesten Informationen zum jeweiligen Land zugreifen können. Alle sechs Monate aktualisieren die Mitarbeiter vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf zum Beispiel das CRM-Handbuch Reisemedizin (www.crm.de ). Auch das Auswärtige Amt (www.auswaertiges-amt.de ) informiert über viele Länder. Informationen zu den Infektionen und Impfungen bietet außerdem das Robert-Koch-Institut (www.rki.de ).

Erst den Standard überprüfen

Zunächst sollte jeder seine Tetanus-Immunisierung überprüfen. Das gilt für alle Reiseziele. Liegt die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurück, ist eine Auffrischimpfung angesagt. Gleichzeitig sollte der Urlauber einen Blick in sein Impfbuch werfen und den Diphtherie-, Polio- und Masern-Schutz überprüfen. In Afrika gehören Masern laut Robert-Koch-Institut zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten. Die Infektion mit Masern-Viren ist keinesfalls eine harmlose Kinderkrankheit. Etwa 1 von 1000 Infizierten erkrankt an Enzephalitis, die schwere Behinderungen verursachen oder sogar tödlich enden kann. Kreuzfahrtreisende sollten sich auch gegen eine andere vermeintliche Kinderkrankheit impfen lassen: Windpocken. Immer wieder stecken sich die Reisenden auf See an, da vermehrt Familien mit kleinen Kindern Kreuzfahrten buchen.

Auch Influenzainfektionen treten an Bord gehäuft auf. Vor allem ältere Reisende sollten sich impfen lassen, ebenso Touristen, die sich in großen Menschenmengen bewegen werden, zum Beispiel weil sie zur Fußballmeisterschaft, auf Pilgerreise oder in eine Millionenstadt fahren.

Impfungen gegen Flaviviren

In südlichen Gebieten Deutschlands und Osteuropas übertragen Zecken das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) aus der Familie der Flaviviren. Auch hier können schwere Behinderungen die Folge sein. Für Einwohner von Landkreisen, in denen FSME nachgewiesen wurde, ist die Impfung kostenlos. Zur Grundimmunisierung sind drei Impfungen nötig, der Abstand variiert je nach Präparat.

Zur selben Virenfamilie wie FSME gehören auch die Erreger von Gelbfieber und Japanischer Enzephalitis, die von Mücken übertragen werden. Die Überträger der Japanischen Enzephalitis brüten vor allem in Reisfeldern, sodass die Infektionsgefahr in ländlichen Gegenden Asiens erhöht ist. Doch auch in touristisch relativ erschlossenen Gegenden wie Bali treten immer wieder Fälle auf. Die Krankheit ist zwar nicht sehr häufig, doch bei einem Drittel der Infizierten verläuft sie tödlich und bei einem weiteren Drittel hinterlässt sie bleibende neurologische und psychische Schäden. Gegen Japanische Enzephalitits ist 2009 der erste Impfstoff in Europa zugelassen worden (Ixiaro®). Zuvor musste ein in Mäusen gezüchteter Impfstoff aus Asien importiert werden, dessen Nebenwirkungsrate relativ hoch ist. Die neue Impfung stammt aus Zellkulturen und ist sehr gut verträglich. Daher empfehlen Reisemediziner nun vermehrt, sich mit Ixiaro impfen zu lassen. Der Impfschutz erfordert zwei intramuskuläre Injektionen an Tag 0 und 28. Wie lange er hält, ist noch unklar. Derzeit wird die Auffrischung nach zwei Jahren empfohlen.

Gelbfieber ist in den tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas verbreitet. Weltweit infizieren sich etwa 200 000 Einheimische mit dem Virus. Etwa 15 Prozent der Erkrankten entwickeln eine toxische Krise, die oft tödlich ausgeht. Für Reisende in endemische Gebiete ist die Impfung (Stamaril®) vorgeschrieben. Sie wird nur in speziellen Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt. Für die Immunisierung reicht nur eine Injektion aus. Die Wirkung tritt nach sieben bis zehn Tagen ein. Erst dann gilt das internationale Impfzertifikat, dass bei Einreise verlangt wird. Ernste Nebenwirkungen sind laut RKI extrem selten.

Vor Meningokokken schützen

Wie viele der bereits genannten Viren hinterlassen auch Meningokokken neurologische Schäden. Problematischer Weise existieren zwölf verschiedene Erreger, die weltweit unterschiedlich verbreitet sind. Seit März ist eine Impfung gegen vier Serotypen zugelassen (Menveo®). Gegen einen in Europa weit verbreiteten Stamm, Typ B, werden derzeit Impfungen entwickelt. Die Meningokokken-Impfung gegen den Typ C für Kinder ist Bestandteil des Impfkalenders der Ständigen Impfkommission (STIKO). Als Reiseimpfung ist sie zum Beispiel bei Pilgern nach Mekka indiziert.

Bei Kindern zählt Hepatitis B mittlerweile zu den Standardimpfungen. Sie ist auch für Erwachsene bei Reisen in zahlreiche Länder angezeigt. Am besten sollte sich jeder gleich gegen Hepatitis A mit impfen lassen. Während Hepatitis B unter anderem sexuell übertragen wird, gelangen Hepatitis-A-Viren vor allem fäkal-oral in den Körper, zum Beispiel durch Lebensmittel und Trinkwasser (Eiswürfel!). Typisch für Hepatitis A sind zunächst gastrointestinale Beschwerden.

Durchfall als Souvenir

Generell ist Durchfall die häufigste Reiseerkrankung. Zu etwa 40 Prozent verursachen Toxin-bildende Escherichia-coli-Bakterien die Diarrhö. Aktuell arbeiten Wissenschaftler an einer speziellen Impfung in Pflasterform. Aber auch die Cholera-Impfung (Dukoral®) bietet einen gewissen Schutz. Der Lebendimpfstoff besteht aus verschiedenen inaktivierten Cholerastämmen und der rekombinanten Choleratoxin-B-Untereinheit und muss bis zur Anwendung gekühlt werden. Die Schluckimpfung kann der Impfling aus Granulat und Bakterienkultur selbst zubereiten und muss sie im Abstand von einer Woche wiederholen.

An Cholera erkranken Touristen relativ selten, obwohl die Krankheit weltweit verbreitet ist. Tritt der Fall ein, ist die Diarrhö heftig. Der Stoffwechsel gerät schnell aus dem Gleichgewicht, was sehr gefährlich werden kann. Die Impfung schützt effektiv vor Cholera und bietet auch einen gewissen Schutz vor Escherichia-coli-Toxinen, da sich die Bakteriengifte sehr ähneln. Einer kleinen Kohortenstudie zufolge verhindert die Impfung 15 von 100 Durchfällen. Vor allem sollten Menschen die Impfung erwägen, wenn sie unter chronischen Darmerkrankungen leiden, immunsupprimiert sind oder regelmäßig Protonenpumpenhemmer einnehmen.

Lebendimpfstoffe kühlen

Auch Typhus und Paratyphus verursachen Durchfall und werden bei mangelnder Hygiene übertragen. Ein typisches Symptom ist plötzliches Fieber, das stufenförmig ansteigt. Die Infektion kann sich aber auch als Verstopfung äußern. Wird die Erkrankung nicht mit einem geeigneten Antibiotikum therapiert, sind Darmperforationen möglich. Die parenterale Impfung (Typhim Vi®) muss nur einmal gespritzt werden und schützt etwa drei Jahre. Sie enthält jedoch nur das Vi-Kapsel-Antigen, das nicht alle Bakterienstämme tragen. Die orale Impfung (Typhoral L®) enthält das O-Antigen der Zellwand und H-Antigen der Geißel und schützt auch gegen Paratyphus. Sie besteht aus drei Kapseln, die an Tag 1, 3 und 5 jeweils eine Stunde vor der Mahlzeit eingenommen werden. Die Auffrischung wird schon nach einem Jahr empfohlen, wenn erneut eine Reise in ein Risikogebiet ansteht. Beide Impfstoffe sind kühlkettenpflichtig. Darauf sollten PTA oder Apotheke Kunden hinweisen, wenn sie die orale Impfung mit nach Hause nehmen.

Eine häufig unterschätzte Gefahr auf Reisen ist die Übertragung von Tollwut durch Tierbisse. Besonders betroffene Länder sind beispielsweise Indien, China und die Türkei. Weltweit sterben nach Schätzungen der WHO jedes Jahr 55 000 Menschen an Tollwut. Touristen infizieren sich vor allem durch Bisse von Hunden oder Affen, die in Tempelanlagen leben. Die Inkubationszeit beträgt je nach Bissstelle wenige Tage bis einige Monate. Nach einem verdächtigen Biss muss der Betroffene sofort passiv mit Tollwut-Immunglobulinen immunisiert werden, die jedoch in einigen Urlaubsländern nicht rasch genug zur Verfügung stehen. Sobald Symptome auftreten, ist es in der Regel zu spät. Dann verläuft die Infektion immer tödlich. In Deutschland sind mehrere sehr gut verträgliche Impfstoffe zugelassen. Die Grundimmunisierung erfordert drei Spritzen an Tag 0, 7 und 28. Wenn ein Geimpfter gebissen wird, sollte er sich an Tag 0 und 3 nochmals aktiv immunisieren lassen, kann aber auf das Immunglobulin verzichten. Der Impfstoff selbst ist meist besser verfügbar als das Immunglobulin.

Unabhängig vom Reiseziel sollte sich jeder Urlauber rechtzeitig beraten lassen. Stehen mehrere Impfungen an, kann das Apothekenteam mithilfe der Fachinformationen ausarbeiten, welche Impfungen zeitgleich erfolgen können. Irritationen an der Einstichstelle sind häufig, jedoch harmlos. Schwere Nebenwirkungen treten äußerst selten auf, sodass das Nutzen-Risiko-Verhältnis oft für eine Impfung spricht. Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten inzwischen sogar die Kosten der Impfungen für den privaten Auslandsurlaub. Eine aktuelle Liste dazu ist unter www.crm.de/krankenkassen/index.html veröffentlicht.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
biermann(at)govi.de