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Orthomolekulare Medizin

Wenn das Immunsystem hart arbeiten muss

20.05.2011
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Von Anna Laven / Im Verlauf der Evolution hat sich das Immunsystem des Menschen zu einem genialen, hochorganisierten und zugleich sehr komplizierten Netzwerk entwickelt. Seine Hauptaufgaben sind, den Organismus vor Krankheiten zu bewahren und ihm zu helfen, sie schnell zu überwinden.

Wundheilung, Infektabwehr oder Zerstörung entarteter Zellen – überall greift das Immunsystem ein. Es besteht sowohl aus Zellen (»zellulär«) als auch aus Botenstoffen und Markern (»humoral«) (siehe Grafik), die den ganzen Körper überschwemmen können. Ein Teil der Abwehrmechanismen ist angeboren, ein weiterer Teil wird erst durch den Kontakt mit Erregern erlernt. Die Immunzellen und Botenstoffe der unspezifischen Abwehr reagieren ganz allgemein auf jeden fremden »Eindringling«. Im Unterschied dazu versuchen die Bestandteile der spezifischen Abwehr, bereits bekannte Erreger zu entfernen. Diese Erreger kennen sie entweder aus durchgemachten Infekten oder aber durch eine Impfung.

Angeboren oder erlernt

Dringen Fremdstoffe wie Viren oder Bakterien in den Körper ein, zum Beispiel über eine Wunde, wird die unspezifische Abwehr aktiviert. Makrophagen, auch Fresszellen genannt, identifizieren das eindringende Antigen als körperfremd und zerstören es.

Die spezifische Immunabwehr zeichnet sich durch ihre Anpassungsfähigkeit und Gedächtnisleistung gegenüber Krankheitserregern aus. Die Abwehrzellen der spezifischen Immunabwehr, die Lymphozyten, können neue Erreger aufspüren und die passenden Antikörper dazu produzieren. Spezialisierte B-Zellen merken sich diese Antigene, um sie bei erneutem Kontakt möglichst schnell und wirkungsvoll unschädlich zu machen.

Das Abwehrsystem des menschlichen Organismus wäre wirkungslos ohne das Lymphsystem. Zu ihm gehören die Lymphbahnen mit den Lymphknoten, die Milz, die Thymusdrüse, die Rachenmandeln und das Knochenmark sowie das Lymphgewebe des Knochenmarks. Das Lymphsystem erfüllt viele Aufgaben: Es transportiert beispielsweise Krankheitserreger und Endprodukte des Stoffwechsels mit der Lymphe ab und entsorgt diese über die Ausscheidungsorgane Leber, Niere und Darm. In umgekehrter Richtung werden aber auch mit dem Lymphfluss schnellstmöglich Immunzellen an ihren Einsatzort gebracht. Daher schwellen bei einer Infektion die Lymphknoten an, und die Rachenmandeln werden dick. Diese Aufzählung zeigt, wie wichtig das Lymphsystem für das Funktionieren der Infektabwehr ist. Wer den recht trägen Lymphfluss anregen möchte, kann dies durch körperliche Bewegung bewirken.

Entzündungen bekämpfen

Häufig folgt auf die Immunreaktion eine lokale Entzündung, und es entstehen vor Ort freie Radikale, sehr reaktive und damit aggressive Sauerstoffteilchen. Doch auch viele chronische Erkrankungen gehen mit der Bildung freier Radikale einher. Diese schaden dem Organismus, wenn er sie nicht abfangen kann. Je nach Immunstatus des Erkrankten ist der gezielte Einsatz von Mikronährstoffen mit Radikalfänger­eigenschaften sinnvoll. Doch auch bei Gesunden ist das Immunsystem für eine optimale Funktionsweise auf die Versorgung mit Mikronährstoffen angewiesen, da sie zum Beispiel Makrophagen und T-Lymphozyten aktivieren. Vitamin C, Vitamin E, Selen sowie Kombinationen sind in klinischen Studien an unterschiedlichen Personengruppen getestet worden, mit einem übereinstimmenden Ergebnis: Eine zusätzliche Mikronährstoffversorgung führt zu kürzeren Erkrankungszeiten und selteneren Infektionen.

Berichten Kunden über eine erhöhte Infektanfälligkeit, können PTA oder Apotheker ihnen ein orthomolekular zusammengesetztes Produkt zur Stärkung ihrer Immunabwehr empfehlen. Patienten mit Asthma oder nach einer Chemotherapie können ebenfalls von einer solchen Empfehlung profitieren. Allerdings sollte in diesen Fällen der behandelnde Arzt über die Therapie informiert werden.

Orthomolekular zusammengesetzte Produkte wie Orthomol® immun oder Omnival® orthomolekular 2OH immun und andere teilbilanzierte Diäten zur diätetischen Behandlung von immungeschwächten Personen unterscheiden sich nur marginal in der Zusammensetzung. Im Unterschied dazu eignen sich Nahrungsergänzungsmittel wie Multivitamin-Mineralstoff-Kombinationen lediglich als Ergänzung der Ernährung von Gesunden.

Konzept der drei Säulen

Gemäß der Regel »Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied« müssen zur optimalen Funktionserhaltung des Systems alle Mikronährstoffe zugeführt werden. PTA oder Apotheker müssen daher von Fall zu Fall entscheiden, welchen Zweck das empfohlene Produkt erfüllen soll, und dann ein geeignetes auswählen.

Das orthomolekulare Immunkonzept beruht auf drei Säulen:

1.  Zellschutz und Radikalbindung: Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Bioflavonoide schützen die Zellen vor dem Angriff viraler und bakterieller Erreger und fangen Radikale ab.

2.  Anregung der Enzymaktivität und Stärkung der Immunzellen: Zink, Selen, Mangan, Kupfer und Eisen aktivieren die zahlreichen körpereigenen Enzyme zum Aufbau einer zielgerichteten Erregerabwehrfront. Dabei liegt Zink meist als Gluconat und Selen als Selenat vor.

3.  Stärkung des Energiestoffwechsels: Die Nervenvitamine B1, B6 und B12 helfen dem müden Körper, sich schneller zu erholen. So ist er beim nächsten Erregerangriff wieder gut gewappnet. /