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Behörden

Fälschungen auf Rekordniveau

19.04.2013  14:13 Uhr

Von Daniel Rücker / Gefälschte Arzneimittel sind ein lukratives Geschäft. Obwohl Zoll und Polizeibehörden immer größere Anstrengungen unternehmen, den Fälschern das Handwerk zu legen, ist das Problem noch nicht im Griff. Sogar in Apotheken ist erstmals seit langer Zeit illegale Ware aufgetaucht. Die Initiative securPharm soll dies in Zukunft verhindern.

Gleich dreimal versuchten Kriminelle in den vergangenen Wochen, gefälschte oder illegal nach Deutschland importierte Medikamente an den Kunden zu bringen. Beamte der Zollfahndung Frankfurt am Main fanden bei einem Internethändler im hessischen Weilburg fast 300 000 Tabletten und Kapseln mit DHEA, die als Nahrungsergänzungsmittel getarnt wurden.

Tatsächlich handelt es sich dabei um nicht zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel. Der Beschuldigte wollte diese Präparate über seine Internetwebsites verkaufen. Gegen ihn wird nun wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und Steuerhinterziehung ermittelt.

Ein paar Tage davor war das Zollfahndungs­amt in Essen einem Kölner auf die Spur gekommen. In seiner Wohnung entdeckten die Fahnder 8600 Tabletten eines gefälschten Potenzmittels. Für rund 40 000 Euro hätte der mutmaßliche Hehler allein diese Ware verkaufen können. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass er insgesamt rund 600 000 Euro mit diesem kriminellen Geschäft verdient hat.

Damit setzte sich in diesem Jahr der Trend des Vorjahres nahtlos fort. Nach Angaben der Bundeszollverwaltung haben deutsche Zollbeamte 2012 insgesamt 321 000 gefälschte Arzneimittel mit einem Gesamtwert von 4,8 Millionen Euro sichergestellt. 2011 hatte der Wert der beschlagnahmten Medikamentenfälschungen noch bei 3,1 Millionen Euro gelegen.

Auch das Hauptzollamt und die Zollfahndungsstelle in Frankfurt am Main kommen in ihrer Statistik zu bedenklichen Ergebnissen. Die Frankfurter Zollbeamten, die auch für Kontrollen am größten deutschen Flughafen zuständig sind, stellten im vergangenen Jahr allein dort rund 18 000 Sendungen sicher, mit denen gegen das Arzneimittelgesetz (AMG) verstoßen worden war. Dabei handelte es sich um Schlankheitspräparate, Anabolika, Schmerz- und Potenzmittel sowie Antibabypillen. Die beschlagnahmten Potenzmittel seien meist Fälschungen der Präparate Viagra® und Cialis® (Sildenafil beziehungsweise Tadalafil) gewesen, die in Rumänien, Indien, China und Thailand illegal produziert wurden.

Nach Angaben der Frankfurter Zöllner hat sich die Zahl der Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit gefälschten Medikamenten von 2011 auf 2012 verdreifacht. Im vergangenen Jahr gab es 644 Verfahren wegen AMG-Verstößen, die meisten wegen der illegalen Einfuhr von Dopingpräparaten.

In der Regel tauchen gefälschte Arzneimittel nicht in der legalen Lieferkette vom Hersteller über den Großhandel in der Apotheke auf. Zumeist sind es dubiose Internetapotheken, die die Plagiate verkaufen. Deshalb bereitet ein Fall aus dem März Ermittlern wie Apothekern große Sorgen. In der Lieferkette befanden sich damals gefälschte Omeprazolpackungen. Sie waren in Umkartons verpackt, die denen der Generikahersteller Ratiopharm, Hexal und KSK zum Verwechseln ähnlich waren. Immerhin handelte es sich bei den Fälschungen um Omeprazol in guter Qualität, sodass für Patienten wahrscheinlich keine gesundheitlichen Gefahren bestanden und die Medikamente auch wirksam waren. Wie die Ermittlungsbehörden nach der Festnahme der beiden mutmaßlichen Fälscher feststellten, hatten die beiden 50 und 54 Jahre alten Beschuldigten den Wirkstoff seit etwa zwei Jahren aus Spanien in den gefälschten Packungen der Generikahersteller bundesweit vertrieben.

Der Fall zeigt auch, wie wichtig das Projekt securPharm ist, dessen Pilotphase bereits angelaufen ist. Mit securPharm wollen Apotheker, Großhandel und Pharmaindustrie die legale Vertriebskette noch sicherer machen. Jeder Arzneimittelpackung soll eine eindeutige Identifikationsnummer zugewiesen werden. Die Identifikationsnummer ist auch in einem Data Matrix Code auf der Umverpackung hinterlegt. Bei der Abgabe der Packung wird der Code gescannt und Online mit der Nummer in der Datenbank abgeglichen. Für jede regulär hergestellte und vertriebene Arzneimittel­packung ist die Identifikationsnummer in der Datenbank hinterlegt. In Apotheken dürfen deshalb nur Packungen abgegeben werden, deren Identifikationsnummer mit einer der Datenbank übereinstimmt. Die Initiatoren erhoffen sich deshalb zurecht eine weitere Verbesserung der Versorgungs­sicherheit und eine Hürde für Fälschungen, die auch mit hoher krimineller Energie nicht übersprungen werden kann. /

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