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Repellentien

Schutzschild gegen Blutsauger

19.04.2013  16:18 Uhr

Von Andreas Melhorn / Mücken und Zecken sind nicht nur lästig, sondern stellen unter Umständen eine echte Gesundheitsgefahr dar. Für Allergiker kann ein Insektenstich oder -biss lebensbedrohlich sein. Außerdem können die Insekten Krankheiten wie die Lyme-Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis oder Malaria übertragen.

Repellentien bieten neben ein paar einfachen Verhaltensregeln die beste Möglichkeit, blutsaugende Schädlinge abzuwehren. Es handelt sich dabei um Kosmetika, die auf die Haut oder seltener auf die Kleidung aufgetragen oder aufgesprüht werden. Sie bieten einen guten Schutz, und auch empfindliche Menschen können sie regelmäßig anwenden, weil sie meist gut verträglich sind.

Wie Repellentien wirken, ist bis heute nicht genau geklärt. Dass sie wirken, konnte jedoch in vielen Versuchen nachgewiesen werden. Der wirksame Inhaltsstoff verdampft über der Haut und fungiert dort als eine Art Schutz­schild. Im Gegensatz zu den Insekti­ziden töten Repellentien die Tiere nicht und halten sie auch nur bedingt auf Abstand. Sie verhindern allerdings, dass sie stechen oder beißen. In Versuchen flogen Mücken zwar in einen mit dem Repellent Diethytoluamid (DEET) angereicherten Luftstrom, kehrten dann aber um und flogen wieder fort. In anderen Versuchen setzten sich die Mücken auf die behandelte Haut, flogen aber ohne zu stechen wieder davon. PTA und Apotheker sollten ihren Kunden raten, das Repellent immer lückenlos aufzutragen, denn die Schädlinge finden die kleinste unbehandelte Stelle und stechen oder beißen dort. Wer mehrere Präparate auf die Haut aufbringt, zum Beispiel auch einen Sonnenschutz, sollte das Repellent immer als letztes auftragen. Aber Achtung: Repellentien können den Sonnenschutz beeinträchtigen.

Obwohl die Wirkstoffe langsam verdampfen und nur geringe Konzentrationen zur effektiven Abwehr nötig sind, ist die Wirkdauer beschränkt. Wind und Kleidung reiben den Wirkstoff von der Haut. Selbstverständlich muss die Haut nach dem Schwimmen oder Duschen erneut behandelt werden, denn die Wirkstoffe sind wasserlöslich. Gegen Mücken wirken sie meist vier bis sechs Stunden, gegen andere Schädlinge kürzer. Zecken lassen sich am schlechtesten abwehren, meist reicht die Wirkung nach zwei Stunden schon nicht mehr aus.

Vorsicht bei Kleinkindern

Im Allgemeinen sind die Wirkstoffe gut verträglich und hautfreundlich. Lediglich mit Schleimhäuten sollten sie wegen möglicher Reizungen nicht in Kontakt kommen. Außerdem sollten Eltern Kinder unter zwei Jahren nicht mit den Präparaten behandeln.

Reisende außerhalb Deutschlands sollten sich erkundigen, welche Repellentien am Urlausort eingesetzt werden. Häufig sind andere Substanzen dort wirksamer als die klassischen Wirkstoffe. Beispielsweise helfen die ansonsten sehr effizienten Substanzen DEET oder Icaridin nur wenig gegen die Sandflys in Neuseeland, gegen schottische Midges oder schwedische Mücken.

DEET (unter anderem in Anti Brumm® forte, Autan® Tropical, Jaico® Anti Mücken Milch) ist der älteste und weltweit am häufigsten eingesetzte Repellent­wirkstoff. Er ist gut verträglich und hautschonend. Zwar wird DEET über die Haut aufgenommen, aber schnell über die Nieren wieder ausgeschieden. Nebenwirkungen sind sehr selten und zumeist auf Extremfälle beschränkt, beispiels­weise bei Waldarbeitern, die in Alkohol gelösten Wirkstoff großflächig und wiederholt auftrugen, denn Alkohol erhöht die Aufnahme durch die Haut.

Allerdings sollten die Anwender wissen, dass DEET manche Kunststoffe löst. Sonnenbrillen, Handys und Kunstfasern könnten bei Berührung in Mitleiden­schaft gezogen werden. Schwangere und Stillende dürfen DEET wegen der guten Aufnahme durch die Haut nicht anwenden.

Icaridin (auch Bayrepel®, zum Beispiel in Anti Brumm® sensitiv, Autan® Family Zeckenschutz, Autan® Protection, Doctan®) ist genauso gut wirksam wie DEET und soll noch besser verträglich sein. Die Vorteile liegen darin, dass der Wirkstoff keine Kunststoffe löst und auch Schwangere und Stillende die Präparate anwenden können. Icaridin findet deshalb in Deutschland inzwischen große Verbreitung.

Citriodiol® (p-Menthan-3,8-diol, beispielsweise in Anti Brumm® Naturell oder Mosquito) ist ein natürlicher Bestandteil ätherischer Öle, der auch als Repellent wirkt. Allgemein ist die Wirksamkeit von ätherischen Ölen eher begrenzt und vor allem der starke Geruch macht sie bei manchen Anwendern unbeliebt.

Diverse Alternativen wie Duftkerzen oder verschie­dene Öle zum Auftragen auf die Haut können mit ihrer Wirkung nicht überzeugen. Vitamin-B1-Kapseln zum Einnehmen sollen den Körper­geruch so verändern, dass er Mücken abschreckt. Diesen Effekt empfinden Menschen meist störender als die Blutsauger.

Mücken werden ebenso wie andere Insekten durch verschiedene Reize angelockt: Licht spielt dabei eine Rolle, die Luftfeuchtigkeit, Wärme, Formen und Farben sowie der CO2-Gehalt. Da ein einzelner Schutz häufig nicht ausreicht, sollten zusätzlich zu den Repellentien verschiedene weitere Methoden die Anzahl der Stiche und Bisse minimieren (siehe Kasten). Bei bereits erfolgtem Stich oder Biss sind ebenfalls einige einfache Regeln zu beachten.

Schutz vor Krankheiten

In bestimmten Gebieten Deutschlands und anderen Ländern Europas übertragen Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Infektion kann zu einer gefährlichen Hirn- und Hirnhaut­entzündung führen. Aufgrund der Gefährlichkeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch Institut eine Impfung allen, die sich in gefährdeten Gebieten aufhalten. Die erste Impfung sollte am besten im Winter erfolgen, damit der Schutz im Sommer gewährleistet ist. Ein zusätzlicher Zeckenschutz ist außerdem empfehlenswert. Eine aktuelle Karte der gefährdeten Gebiete befindet sich auf der Webseite des Robert-Koch Instituts www.rki.de.

Auch die Lyme-Borreliose wird von Zecken übertragen. Die ersten Symptome treten meist zwei bis vier Wochen nach dem Zeckenbiss auf. Zunächst sind es nur erkältungsartige Beschwerden. Im klassischen Verlauf entzündet sich die Bissstelle und es entsteht ein roter Fleck um den Biss, der sich kreisrund vergrößert – auch Erythema migrans oder Wanderröte genannt. Wird die Lyme-Borreliose jetzt nicht behandelt, klingen die Symptome zwar wieder ab, die Erreger verbreiten sich jedoch im Körper. Sie können jedes Organ befallen, häufig betroffen sind die Gelenke oder das Muskelgewebe. Zu den vielfältigen Symptomen gehören unter anderem Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Erschöpfungszustände, die sich im Laufe der Jahre verschlimmern.

Im fortgeschrittenen Stadium ist die Krankheit nur noch schwer zu behandeln und dauerhafte Schäden können zurückbleiben. Rechtzeitig erkannt hilft ein Antibiotikum wie Doxycyclin. Wichtig ist die ausreichende Dosierung und die genügend lange Einnahme.

Repellentien zusammengefasst:

  • ab einem Alter von 2 Jahren
  • gut verträglich
  • DEET löst Kunststoff
  • lückenlos auftragen
  • regelmäßig wiederholen

Leider ist gegen Lyme-Borreliose keine Impfung verfügbar. Nachdem Betroffene die Zecke entfernt haben, sollten sie eventuell einen Arzt aufsuchen, immer jedoch den Tag des Bisses im Kalender eintragen, damit sie den Zeitabstand zum Biss nachvollziehen können, falls später Erkältungs­symptome auftreten oder sich die Haut punktuell rund entzündet.

Malariaprophylaxe

Wer einen Aufenthalt in Malariagebieten plant, muss sich effizient vor den Insektenstichen schützen, denn auch gegen Malaria gibt es keine Impfung. Bei Dämmerung ist der Aufenthalt in Innenräumen anzuraten, an deren Fenstern Fliegengitter angebracht sind und eventuell Insektizide verdampfen. Repellen­tien gehören in jedes Reisegepäck.

Eine medikamentöse Malariaprophylaxe wird ebenfalls vielerorts empfohlen. Leider ist die hohe Verbreitung von Resistenzen ein Problem. Reisende sollten sich erkundigen, welche Resistenzen am Aufenthaltsort vorliegen. Da die Nebenwirkungen meist recht schnell nach der ersten Einnahme des Medikaments auftreten, können Reisende ein paar Wochen vor Reiseantritt das Arzneimittel »testen«. Außerdem sollten sie Medikamente zur Notfalltherapie mitführen (Stand-by-Therapie). /

E-Mail-Adresse des Verfassers

a.melhorn@gmail.com