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Pfefferminze

Ein wahres Multitalent

22.04.2014
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Von Monika Schulte-Löbbert / Kaum eine heimische Heilpflanze erfreut sich so großer Beliebtheit wie die Pfefferminze. Als Tee beruhigt sie den Magen und hilft bei Darmbeschwerden. Ihr ätherisches Öl lindert Kopf­schmerzen und befreit die Atemwege bei Erkältungskrankheiten. Wegen ihres erfrischenden Geschmacks wird die Pfefferminze auch gerne in der Süßwarenindustrie verwendet.

Zwar kannten die Menschen schon im Altertum viele Minze-Arten, doch ist die in Deutschland heimische Pfefferminze, botanisch Mentha x piperita L., eine noch recht junge Arzneipflanze aus der Gattung der Minzen. Sie fehlt daher in den Kräuterbüchern der Antike und des Mittelalters. Erstmals beschrieb 1696 in England der Biologe John Ray Mentha x piperita als eine – wahrscheinlich zufällige – Kreuzung aus der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Grünen Minze (Mentha spicata). Da Mentha spicata wiederum eine Kreuzung aus Mentha rotundifolia und Mentha longifolia ist, handelt es sich bei der Pfefferminze um einen weitgehend sterilen Tripelbastard. Bastarde erhalten im botanischen Namen das Zeichen x, wie in Mentha x piperita. Piperita weist darauf hin, dass sich die Pfefferminze von anderen Minze-Arten durch ihren schärferen Geschmack unterscheidet. Daher auch der deutsche Name »Pfeffer»minze.

In Deutschland wird Mentha x piperita etwa seit 1770 kultiviert. Da ein sehr bedeutendes Anbaugebiet in der Gemeinde Eichenau bei München lag, befindet sich dort noch heute das einzige Pfefferminzmuseum Deutschlands. Das Museum zeigt die Geschichte und die Technik rund um den Anbau der Gewürz- und Heilpflanze. Auf eine lange Tradition im Pfefferminzanbau blickt auch die »Pfefferminzstadt« Kölleda in Thüringen zurück. Dort hatte sich ab etwa 1800 eine blühende Pfefferminzkultur entwickelt. Durch wesentlich billigere Lieferungen aus Asien ist auch hier der Anbau stark zurückgegangen. Zur Erinnerung an die alte Tradition präsentierte die Stadt im März 1999 einen Riesen-Teebeutel, gefüllt mit 15 Kilo Pfefferminze und schaffte damit den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Seitdem wirbt auch wieder eine »Pfefferminzprinzessin« für Kölleda.

Für die Reise ins Jenseits

Schon lange vor der Pfefferminze war die Minze schon in Ägypten so beliebt, dass sie den Pharaonen mit ins Grab gelegt wurde – als schützendes Kraut für die Reise ins Jenseits. Auch die Griechen und Römer schätzten Minzen als Heil- und Kultpflanzen.

Der Name »Minze« geht auf eine Sage der griechischen Mythologie zurück. Danach schwärmte Hades, der Gott der Unterwelt, für die Nymphe Minthe. Doch seine Gattin Persephone beendete Hades Schwärmerei sehr unromantisch, indem sie Minthe in eine Pflanze verwandelte – die Minze. Wegen ihres aromatischen Duftes galt die Minze in der Antike als Symbol der leidenschaftlichen Liebe. Jeder griechische Bräutigam trug zur Hochzeit einen Kranz mit Minze.

Karl der Große schätzte die Minzen so sehr, dass sie in seiner »Capitulare de villis«, der um 795 verfassten Landgüterverordnung, nicht fehlen durften. Auch Walahfried Strabo (808-849), Abt des Klosters auf der Insel Reichenau zerbrach sich schon zu seiner Zeit den Kopf über die verschiedenen Minzarten und -sorten. Im Hortulus, einem Gartengedicht, schrieb er: »Wenn aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermöchte, so müsste er gleich auch wissen, wie viele Fische im Roten Meere wohl schwimmen…«

Über Jahrhunderte setzten Heilkundige die verschiedenen Minzen gegen vielerlei Beschwerden ein, meist bei Erkältungen, Kopfschmerzen und insbesondere bei Verdauungsstörungen. Im Volksmund heißt die Pfefferminze deshalb noch heute »Bauchwehkraut«.

Vermehrung nur vegetativ

Die Pfefferminze gehört zur Familie der Lamiaceae und gilt als ausdauernde, winterharte Staude, die bis zu 90 Zentimeter hoch wachsen kann. Die recht unkomplizierte Pflanze stellt dennoch gewisse Ansprüche an den Boden. Ideal für eine qualitativ hochwertige Pfefferminze sind humusreiche Böden in sonniger bis halbschattiger Lage. Die Pflanze entwickelt ein kräftiges Rhizom und bildet lange unter- und oberirdische Ausläufer. Der vierkantige Stängel ist wenig verzweigt und oft dunkelviolett überlaufen. Die gegenständigen, kurz gestielten Laubblätter sind länglich eiförmig und gesägt. Sie schmecken würzig-aromatisch und haben einen kühlenden Effekt. Ab Juli bis September erscheinen die rosa bis lila gefärbten Blüten. Sie stehen in endständigen, ährigen Quirlen und reifen aus genetischen Gründen zu sterilen Früchten heran. Die Vermehrung der Pfefferminze erfolgt deshalb vegetativ über abgetrennte Ausläufer.

Beste Qualität vor der Blüte

Mentha x piperita wächst heute weltweit in den gemäßigten Zonen. Die Drogenimporte stammen ausschließlich aus Kulturen, meist aus Spanien, Bulgarien und zum Teil aus den USA. Aber auch die kleineren deutschen Anbaugebiete in Bayern und in Thüringen liefern noch eine beträchtliche Drogenmenge. Die erste Jahresernte mit der besten Qualität findet kurz vor der Blüte statt, die zweite Ernte im Herbst ist von geringerer Güte. Die Blätter kommen teils frisch, überwiegend jedoch getrocknet als Teedroge in den Handel. Außerdem wird aus einem Großteil der Blätter das ätherische Pfefferminzöl gewonnen.

Das Europäische Arzneibuch (Ph.Eur. 6.0) fordert in der Monographie »Pfefferminzblätter – Menthae piperitae folium« für die Ganzdroge einen Mindestgehalt von 1,2 Prozent ätherisches Öl. Dieses ist reich an Monoterpenen, das mit 35 bis 45 Prozent als Hauptkomponente das Menthol enthält. Weitere Inhaltsstoffe sind Methylacetat, Menthon, Menthofuran und Cineol. Die Droge enthält außerdem Laminaceen-Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren und Flavonoide.

Das Arzneibuch führt neben der Blattdroge auch die Monographien »Pfefferminzöl – Menthae piperitae aetheroleum« und »Minzöl – Menthae arvensis aetheroleum partim mentholum depletum«. Das Minzöl wird aus der Japanischen Ackerminze gewonnen und enthält im Vergleich zum Pfefferminzöl etwas weniger Menthol. Die Wirkung und Anwendung der beiden Öle ist nahezu identisch.

Gut untersuchte Heilpflanze

Viele Studien haben die Wirkungen der Pfefferminze und ihres ätherischen Öls belegt: Krampf lösend (spasmolytisch) an der glatten Muskulatur, Galle treibend (choleretisch), Appetit anregend, carminativ und Schmerz lindernd. Beim Pfefferminzöl kommen wegen des höheren Mentholgehaltes noch antibakterielle und sekretolytische, besonders aber kühlende Effekte hinzu. Das Menthol reizt Kälterezeptoren, wodurch eine Kühlung vorgetäuscht wird. Aufgrund der sicheren klinischen Daten bewertete die Kommission E beim früheren Bundesgesundheitsamt sowohl die Pfefferminzblätter und das Pfefferminzöl als auch das Minzöl positiv. Die Experten empfehlen die Blätter als Tee (siehe Kasten) oder Extrakt innerlich bei krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sowie der Gallenblase und -wege.

Teezubereitung

Für einen Teeaufguss wird ein Esslöffel Blätter mit 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 5 bis 10 Minuten durch ein Sieb filtriert. Der höchste Gehalt an extrahierbaren Stoffen ist nach 10 Minuten erreicht. Patienten können drei- bis viermal täglich eine Tasse Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Pfefferminztee ist gut verträglich und in der angegebenen Dosierung frei von Nebenwirkungen.

Zur Behandlung von Beschwerden im Verdauungstrakt stehen außerdem zahlreiche Phytopharmaka zur Verfügung. Häufig enthalten die Präparate weitere pflanzliche Bestandteile wie Anis, Fenchel und Kümmel oder Kamille. Der Zusatz von Pfefferminze dient hier oft nur als Geschmacks- oder Geruchskorrigens.

Menschen mit chronischen Magenbeschwerden und Refluxerkrankungen sollten Pfefferminz-haltige Präparate nicht langfristig anwenden, weil das Menthol als Säurelocker bei empfind­lichen Patienten die Magenschleimhaut reizen kann. Auch für Kleinkinder und Patienten mit Gallensteinerkrankungen ist die Pfefferminze daher nicht geeignet.

Das ätherische Öl der Pfefferminze wirkt wie die Blätter innerlich krampflösend und hat sich beim Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) als hilfreich erwiesen. Äußerlich angewendet dient Pfefferminzöl zur Behandlung von Kopfschmerzen, Myalgien (Muskelschmerzen) sowie Katarrhen der oberen Luftwege und Schnupfen.

Bei Erkältungskrankheiten macht die Inhalation des ätherischen Öls schnell die Nase frei. Dazu werden 3 bis 4 Tropfen des Pfefferminzöls in heißes Wasser gegeben und inhaliert. Mentholhaltige Nasensalben sollen sekretolytisch und abschwellend wirken. Vermutlich empfinden die meisten Schnupfenpatienten nur die kühlende Wirkung des Menthols als angenehm. Entzündungen der Mundschleimhaut lindert eine Lösung zum Gurgeln.

Kälterezeptoren stimuliert

Zur Behandlung von Muskelschmerzen und Spannungskopfschmerzen müssen die Betroffenen die Schläfe oder die schmerzende Stelle mit einigen Tropfen des verdünnten Öls, zum Beispiel Euminz®, einreiben. Menthol stimuliert die Kälterezeptoren der Haut und blockiert damit die Schmerzleitung. Wichtiger Tipp für Patienten: das Öl nicht in Augennähe und auf keinen Fall auf Schleimhäute auftragen und nach der Anwendung sofort die Hände waschen. Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen Eltern pfefferminzölhaltige Zubereitungen nicht im Bereich des Gesichts und der Nase auftragen, da das Einatmen der Dämpfe einen asthmaähnlichen Zustand, den sogenannten Glottiskrampf, bis hin zum Atemstillstand auslösen kann.

Bekannte Verwandte

Zur Minzefamilie gehört nicht nur die bekannte Pfefferminze, sondern auch Mentha spicata, die Krause oder Grüne Minze oder englisch »spearmint«. Ihr ätherisches Öl enthält kein Menthol, sondern einen hohen Anteil an Carvon, das für den charakteristischen Spearmint-Geruch verantwortlich ist. Dieses Öl wird in großem Umfang zum Aromatisieren von Mundwässern, Zahnpasten und den beliebten Spearmint-Kaugummis verwendet.

Auch als Gewürz werden Minzen weltweit geschätzt, vorwiegend in England, Frankreich, den Ländern des Balkans, den USA, Indien und im Mittleren Osten. Am bekanntesten ist die angelsächsische Mintsoße, die zu Lamm- oder Hammelbraten, aber auch zu anderen Fleischgerichten und Gemüse gereicht wird. Türken würzen Kebab, ein Gericht aus gebratenem Kalb- oder Lammfleisch mit Minze. In den arabischen Ländern gilt der Pfefferminztee als Nationalgetränk. Aber auch in Deutschland wird der Einsatz frischer Pfefferminze als Getränk und Gewürz immer beliebter. Egal, ob einfache Salzkartoffeln, Salat, Fleisch oder Dessert, eine Prise Pfefferminze verleiht vielen Speisen das gewisse Etwas. Eine besonders köstliche Verbindung geht sie mit Schokolade in Form der dünnen Schokominztäfelchen ein. /

Erfrischender Smoothie

Zutaten (für 2 Personen):

200 g Himbeeren, 300 ml Orangen- oder Apfelsaft, 4 bis 8 frische Pfefferminzblätter, 1 Apfel, 1 Banane, Eiswürfel nach Bedarf

Zubereitung: Apfel und Banane schälen, klein schneiden und mit den Himbeeren und der Minze im Mixer pürieren, mit dem Saft auffüllen (wegen der Himbeerkerne evtl. durchsieben) und nach Wunsch mit Eiswürfeln reichen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin
schulte-loebbert(at)t-online.de