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Herzinsuffizienz

Coenzym Q10 senkt Sterblichkeit

10.03.2015
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Von Verena Arzbach, Frankfurt am Main / Coenzym Q10 kann – als Nahrungs­er­gänzungs­mittel eingenommen – die Sterberate von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz senken. Das legt zumindest das Ergebnis einer aktuell veröffentlichten Studie nahe, die der Autor, Professor Dr. Svend Mortensen von der Universität Kopen­hagen, bei einem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Fett­stoff­wechsel­störungen (DGFF–Lipid-Liga) vorstellte.

Das dänische Forscherteam um Mortensen hatte 420 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (NYHA Klasse III und IV) in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe bekam zusätzlich zur Standardtherapie drei Mal täglich 100 mg Coenzym Q10 in oxidierter Form (Ubiquinol), die andere Placebo. Ob die Patienten einen Mangel an Coenzym Q10 aufwiesen, war nicht untersucht worden.

Nach vier Monaten konnten die Forscher zwar schon leichte Verbesserungen der Herzinsuffizienz-Symptomatik feststellen, diese waren jedoch statistisch nicht signifikant. Nach dem zweijährigen Untersuchungszeitraum hatten sich jedoch laut Mortensen Symptome und Leistungsfähigkeit der Patienten deutlich verbessert. Auch die Sterblichkeit der Herzinsuffizienz-Patienten redu­zierte sich in den zwei Jahren mit der Nahrungsergänzung um mehr als 40 Prozent, berichten die Forscher im Fachjournal »Heart Failure«.

Körpereigenes Antioxidans

Coenzym Q10 ist eine körpereigene Substanz, strukturell verwandt mit den Vi­taminen K und E. Im Körper aktiv ist die oxidierte Form Ubiquinol. In Zellmembranen dient Coenzym Q10 als Anti­oxidans. Es ist außerdem essenziell für die Energiegewinnung in den Mitochondrien jeder Zelle. In Organen mit hohem Energiebedarf, zum Beispiel dem Herzmuskel, ist die Coenzym-Q10-Konzentration daher am höchsten. Der Körper verfügt über einen Vorrat an Coenzym Q10 von etwa 2 g, wie der Gastroenterologe und Facharzt für Innere Medizin, Professor Dr. Hans-Ulrich Klör von der Universität Gießen, beim Symposium erläuterte. Jeden Tag werde etwa ein Viertel dieses Vorrats verbraucht. Über die normale Nahrung führen Menschen in westlichen Ländern im Durchschnitt nur 3 bis 5 mg pro Tag zu, den Rest muss der Körper in einer aufwendigen Synthese selbst herstellen. So könne relativ leicht ein Defizit entstehen.

Mangel schlecht fürs Herz

Ein Mangel des Mikronährstoffs in Herz und Blutplasma gilt Studien zufolge als ein Risikofaktor für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen. Etwa ab dem Alter von 40 Jahren sinkt die körpereigene Produktion von Ubiquinol und damit auch der Ubiquinol-Gehalt im Herzgewebe, so Klör. Auch gebe es einen gesicherten Zusammenhang zwischen der Behand­lung mit Statinen und einem Coenzym-Q10-Mangel. »Statine hemmen durch ihren Einfluss auf das Enzym HMG-CoA-Reduktase außer der Cholesterolsynthese auch die körpereigene Biosynthese von Coenzym Q10«, sagte Klör. Möglicherweise könne ein Coenzym-Q10-Mangel auch in Zusammenhang mit Myopathien stehen, die unter einer Statintherapie auftreten können, sagte der Mediziner. Dazu besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.

Neben den wahrscheinlichen posi­tiven Effekten bei der Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten könnten also auch Patienten, die Statine einnehmen, sowie Ältere mit niedrigen Plasmaspiegeln von einer Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 beziehungsweise Ubiquinol profitieren. Patienten, die Medikamente einnehmen, sollten eine Supplementation von Coenzym Q10 aber mit dem behandelnden Arzt absprechen. /