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Kolumne

Dumm und dünner

10.03.2015
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Von Claudia Herwig / Klar, Übergewicht ist schädlich. Aber so manche Diät ist überaus schwachsinnig. Ich frage mich manchmal, ob bestimmte Abnehmstrategien nicht eher Masse im Gehirn als Kilos von den Hüften schwinden lassen.

Bevor ich anfange, mich über die Unsinnigkeit von skurrilen Diäten auszulassen, muss ich fairerweise sagen: Es wäre gelogen, würde ich behaupten, ich hätte noch nie eine Diät gemacht. Auch ich kann nicht maßlos essen, ohne zuzunehmen. Auch ich versuche von Zeit zu Zeit, an meiner Figur zu feilen. Mein Körper ist eben ganz normal. Er wehrt sich, wenn ich ihm zu viel Ungesundes zumute. Besonders nach zu viel Kuchen und Süßigkeiten. Die lässt mein Körper nämlich auf direktem Weg an meinen Po wandern, ohne sie – was ich viel besser fände – gerecht auf all meine anderen Körperteile umzulegen. Wenn sich zu viele Kilos angesammelt haben, heißt es abspecken. Allerdings nicht mit Radikaldiäten, denn ich weiß, dass Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren die beste Strategie ist, um ein paar Kilos zu verlieren.

Zwischen Zirkus und Dschungelcamp

Wofür ich wenig Verständnis habe: schwachsinnige und gesundheitsschädliche Diäten. Ich habe mich mal im Internet schlau gemacht und dort nach skurrilen Abnehmprogrammen gesucht. Gefunden habe ich unzählige Tricks und Tipps, die sich eher nach einer Kombination aus Zirkuseinlage und Dschungelcamp-Prüfung anhören, als nach einer Möglichkeit, effektiv und gesund abzunehmen. Da gibt es zum Beispiel die Schlangengift-Diät. Dabei wird das Gift einer Viper in regelmäßigen Abständen und kleinen Dosen in den Bauch und in die Beine des Patienten injiziert. Das Immunsystem wehrt sich dagegen, der Körper verbraucht Energie, das Fett schwindet. So bekommt der Patient sozusagen im doppelten Sinne sein Fett weg, denn gesund ist das mit Sicherheit nicht.

Auch interessant ist die Wodka-Diät, mit der man nicht nur abnehmen kann, sondern auch den Weg zur Alkoholsucht ebnet. Oder die Knoblauch-Diät, die neben dem Verlust von Gewicht auch den von sozialen Kontakten mit sich bringt. Daneben gibt es noch die Coffein-Diät (schlank werden, aber aufgedreht sein wie ein Duracell-Häschen) und die Wattebausch-Diät. Außerdem gibt es eine Diät durch Hypnose, die Reiki-Diät und die Diät mit Schwangerschaftshormonen. Plus Diäten, bei denen man sein Essen nach einem bestimmten Muster zu sich nimmt, wie zum Beispiel die Blutgruppen-Diät, die Sauerkraut-Diät, die Farben-Diät, die Babynahrung-Diät, die Kau-Diät und nicht zu vergessen, die Schokoladen- oder Popcorn-Diät.

Saft oder Vitamin B

Das Schlimme an der ganzen Diät-Misere: Die vielen prominenten Vorbilder, die uns einen solchen Schwachsinn vorleben und für bare Münze verkaufen wollen. Schließlich laufen sie rank und schlank über die roten Teppiche dieser Welt und protzen hinterher mit ihren Schlankheitskuren. Darunter zum Beispiel ein deutsches Model, das in Abnehmphasen ausschließlich Saft von frischgepressten Zitrusfrüchten trinkt. Oder die Sängerin Rihanna, die sich zum Abspecken Vitamin B spritzen lässt. Schauspielerin Angelina Jolie schwört hingegen auf Bandwürmer. Igitt! Und Kim Kardashian? Die verriet in einem Interview, dass sie sich nach ein paar Bissen Glasreiniger auf ihre Mahlzeiten sprüht. Warum? Weil der Rest dann ungenießbar wird. Ich glaub, mein Diät-Schwein pfeift! Das ist nicht nur eine Zumutung für den Körper, sondern auch für die (Geschmacks-)Nerven der Gesellschaft. Was diese Diät-Kandidatinnen hier machen, ist alles andere als gesund und erst recht nicht vorbildlich.

Von diesem Trauerspiel zu erfreulicheren Themen. Wussten Sie, dass Abnehmen auch etwas mit Komik zu tun haben kann? Verstehen Sie nicht? Dann haben Sie wohl noch nichts von der Lach-Diät gehört. Diese zählt zu den Diä­ten, die ich guten Gewissens ausprobieren würde. Zehn Mal täglich zu lachen, soll US-amerikanischen Forschern zufolge nämlich bis zu 50 Kilokalorien zusätzlich am Tag verbrennen. Der Dalai Lama sagt: »Wenn Leute lachen, sind sie fähig zu denken.« Ich glaube, Leute, die Wodka- und Wattebausch-Diäten ausprobieren, lachen zu wenig.

Schmunzeln kann man auch über die Entdeckung eines japanischen Forschers. Dieser fand heraus, dass die Farbe Blau appetitzügelnd wirkt. Wer sein Essen auf blauen Tellern anrichtet oder besser noch, beim Essen eine Brille mit blauen Gläsern trägt, isst weniger. Weil durch die Farbe Blau das Essen optisch ungenießbar erscheint. Ich denke, so eine Brille lege ich mir auch zu. Vielleicht hilft sie ja auch dabei, ungenießbare Berichte über schwachsinnige Diäten auszublenden. Einen Versuch ist es wert.

Wer mit der Kicherei und der blauen Farbe nichts anfangen kann, dem hilft beim Abnehmen nur noch Beten. Im Ernst. Denn dazu gibt es auch eine passende Diät. In den USA reisen selbsternannte Fitness-Prediger herum, die Gläubige mit Fitness- und Ernährungstipps versorgen. Zusätzliche Gebete sollen die Pfunde purzeln lassen. Dass so etwas nicht funktioniert, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich bete schließlich jeden Tag dafür, so viel Schokolade essen zu können, wie ich möchte, ohne davon zuzunehmen. Bisher ohne Erfolg.

Machst du noch Diät oder detoxt du schon?

Der neueste und hippeste Abnehmtrend hat sich hinter einem Decknamen versteckt: Detox, zu Deutsch Entschlacken oder Heilfasten. Überall auf der Welt wird neuerdings gedetoxt. Es gibt grüne Detox-Smoothies, Detox-Tees, Detox-Kochbücher und Detox-Urlaube. Was hier in den meisten Fällen entschlackt, ist nicht der Körper der Verbraucher, sondern ihr Geldbeutel. Trotzdem: Das Interesse am neuen Entschlackungs-Lifestyle steigt. Der Sucheintrag »Detox« bei Google listet rund 74,1 Millionen Treffer auf, bei »Abnehmen« sind es dagegen nur rund 27 Millionen und bei »Diät« nur 16,3 Millionen Einträge.

Was viele beim Detoxen aber vergessen: Fasten soll eigentlich zur Therapie und Vorbeugung chronischer Krankheiten dienen. Seit den 60er-Jahren erst zur Gewichtsreduktion. Und das aus medizinischen Gründen und nicht, weil es dem Lifestyle entspricht. Heute gehört Heilfasten jedoch zum modernen Lebensstil. Schon mal was von After-Party- Detox gehört? Ein Freifahrtschein, sich in einer Nacht Alkohol und Fast Food in den Magen zu hauen und am nächsten Tag das gute Gewissen mit ein, zwei Detox-Säften zu polieren.

Noch ein kleiner Exkurs in die Etymologie: Das Wort »Diät« kommt aus dem Griechischen und bedeutet im ursprünglichen Sinn »richtige Lebensführung«, wozu eine gesunde Ernährung und Lebensweise gehören. Im Englischen steht das Wort »diet« in erster Linie für die alltägliche Ernährungsweise. Alles ohne Schlankheitskur. Denn im Grunde wissen wir doch alle, wie wir gesund und effektiv abnehmen können: mit Bewegung und einer Ernährungsumstellung.

So, ich werde jetzt aufhören, mich über skurrile Diäten aufzuregen und höchstens noch ein bisschen darüber lachen. Apropos Lachen: Ich habe Tage, an denen ich zum Lachen ganz gerne mal in den Keller gehe. Lachen plus Treppensteigen ist die beste Kombination zum Abnehmen! /

Die Autorin

Claudia Herwig arbeitete nach ihrer Ausbildung zur PTA sieben Jahre in einer Apotheke in Frankfurt am Main. Nach einem Kunstpädagogik-Studium ist sie heute als Online-Redakteurin in München tätig.