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Verdauung

Entspannung für Magen und Darm

10.03.2015
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Von Elke Wolf / Manche Lebensmittel machen es dem Magen nicht gerade leicht. Besonders fetthaltige Nahrung stellt die Verdauung vor eine Herausforderung. Was bringt der Leibesmitte Entspannung und was können PTA und Apotheker Kunden bei entsprechenden Beschwerden empfehlen?

Sehr fetthaltige Nahrungsmittel stellen die Verdauung auf die Probe. Um Fettgebackenes oder eine Schweinshaxe auf die weitere Verdauungsreise im Darm vorzubereiten, braucht der Magen länger als etwa für Kartoffeln, Obst oder weich gekochte Einer (siehe Tabelle am Ende des Beitrags). Diese verbleiben nur zwei bis drei Stunden im Magen, während fettes Fleisch wie Gänsebraten rund sieben Stunden verdaut werden muss. Zudem fehlt es dem natürlichen Bewegungsablauf der Magen- und Darmmuskeln nicht selten an einem Taktgeber von außen: Bewegung. Denn diese bringt den Verdauungstrakt indirekt in Schwung. Doch daran hapert es bei vielen Deutschen. Dass Magen und Darm beschäftigt sind, spürt man häufig auch: Völlegefühl, Unwohlsein, Sodbrennen und Blähungen machen sich bemerkbar.

Schneller Transport

Bereiten Speisen, an denen der Magen länger zu arbeiten hat, Beschwerden, helfen pflanzliche Extrakte, die den Magen antreiben, den Inhalt rascher weiterzutransportieren. Hierbei sind etwa pflanzliche Mittel dienlich, die Bitterstoffe aus Pomeranze, Enzian oder Wermut enthalten. Pomeranze und Wermut können auch als Tee oder Tinktur nach dem Essen eingenommen werden. Die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks am Zungengrund aktiviert spezielle Teile des Nervensystems, was die Sekretion von Speichel, Magensäure und Gallensaft stimuliert und die Beweglichkeit des Verdauungstrakts fördert.

Auch der Einsatz der fixen Kombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl (Carmenthin®) scheint bei derlei Verdauungsproblemen gerechtfertigt. Die beiden ätherischen Öle wirken spasmolytisch. Während Menthol als Haupt­inhaltsstoff des Pfefferminzöls diese Wirkung über einen calciumantagonistischen Effekt vermittelt, scheint Kümmelöl die Motorik der Magen-Darm-Muskulatur zu modulieren und wieder neu zu takten. Pfefferminzöl eignet sich auch als Monotherapeutikum (wie in Medacalm®).

Daneben hilft eine fixe Wirkstoffkombination aus neun Heilpflanzen mit der Bitteren Schleifenblume als Hauptbestandteil (Iberogast®), die physiologische Magenbewegung wieder herzustellen. Da der Pflanzenextrakt sowohl anregend als auch entspannend auf verschiedene Magenbereiche wirken kann, sorgt das Präparat für eine störungsfreie Magenfunktion. Zudem normalisiert es die Säurebildung und beruhigt die Magennerven. Mehr zum genauen Wirkmechanismus lesen Sie im Beitrag Iberogast: Viele Komponeneten, viele Wirkansätze.

Bei üppigem Essen wird auch die Leber mitunter zum armen Schlucker. Als Entgiftungsorgan ist sie für den Kehraus von fettigen Speisen und Alkohol zuständig. Doch auf die Dauer braucht sie Unterstützung. So kurbeln die Inhaltsstoffe von Artischockenblättern (wie in Hepar SL® forte, Valverde® Artischocke) oder Extrakte aus dem Wurzelstock der Gelbwurz (Curcuma-Extrakt, wie Curcu-Truw®) die Fettverdauung und den Gallefluss an. Fettbestandteile der Nahrung werden in Galletröpfchen eingehüllt und somit besser verdaulich. Das hilft gegen Völlegefühl. Beide Pflanzenextrakte verfügen über einen zweiten positiven Effekt: Sie beeinflussen erhöhte Lipidspiegel positiv, besonders die Cholesterolwerte können bei regelmäßiger Einnahme um ein paar Prozentpunkte gedrückt werden.

Ist Sodbrennen eindeutig auf ein opulentes Mahl zurückzuführen, kann ein schnell wirksames Antacidum helfen. Es neutralisiert die Magensäure, die wegen des vollen Magens in die Speiseröhre aufsteigt. Infrage kommen etwa Substanzen wie Hydrotalcit oder Magaldrat und spezielle Magnesium-, Calcium- oder Aluminiumverbindungen (wie Gaviscon®, Maaloxan®, Phosphalugel®, Rennie®, Talcid®, Riopan®). Wer unter Sodbrennen leidet, weiß auch die rasche Wirkung des Natriumhydrogencarbonats zu schätzen. Auch die H2-Blocker Ranitidin und Famotidin (wie Zantic ®, Pepciddual®) sind für gelegentliches Sodbrennen eine gute Wahl, weil sie die Säureproduktion drosseln. Protonenpumpenhemmer wirken zwar effektiver, doch sind sie nicht für die Akuttherapie geeignet. Dafür hält ihre Wirkung zwei bis drei Tage an. Wichtig: Wer täglich unter Sodbrennen leidet, sollte seine Speiseröhre vom Gastroenterologen untersuchen lassen; ebenso, wenn die Beschwerden nicht mit üppigem Essen zusammenhängen

Hilfe bei Blähungen

Langes Sitzen und ein ausgiebiges Mahl fördern Blähungen. Manchmal reicht schon ein Verdauungsspaziergang, um sich der gestauten Luft zu entledigen. Auch eine Wärmflasche oder Heilpflanzen-Tees mit Anis-, Fenchel- und Kümmelfrüchten sowie Kamillenblüten oder Pfefferminzblättern entkrampfen und wirken gärungswidrig. Eine weitere Möglichkeit, dem Darm Erleichterung zu verschaffen, bieten Kautabletten, Suspensionen oder Tropfen mit Simeticon oder Dimeticon (wie in Lefax®). Die Makromoleküle der Poly­siloxangruppe können die Oberflächenspannung von Gasschaum im Darm herabsetzen, sodass dieser zerfällt. Die Verdauungsgase werden frei und können den Darm auf natürliche Weise, hauptsächlich über die Atemluft, verlassen. /

Geräucherter Fisch, Milch, Weißbrot, Reis, weich gekochte Eier, Obst bis 2 Stunden
Brötchen, Sahne, Eierspeisen, Joghurt, Pudding, Kartoffeln bis 3 Stunden
Gekochtes Geflügel, Schinken, Schwarzbrot, Nüsse, Spinat, Bratkartoffeln bis 4 Stunden
Kalbsbraten, Rindfleisch, Rauchfleisch, Erbsen, Linsen, Schnittbohnen bis 5 Stunden
Schweinebraten, gebratenes Geflügel bis 7 Stunden
Ölsardinen 8 bis 9 Stunden

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Speisen im Magen