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Pollenallergie

Hilfe für Augen und Nase

10.03.2015
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Von Kornelija Franzen / »Der Frühling kommt, die Pflanzen sprießen, die Nase läuft und ich muss niesen.« (Auszug aus einen Gedicht von Sean-Andrew Kollak) Jedes Jahr aufs Neue setzt der Pollenflug zahlreichen Heuschnupfen-Patienten stark zu. Niesattacken, tränende Augen sowie eine laufende, juckende Nase werden zu unliebsamen Begleitern dieser Jahreszeit. Lokal wirksame Antiallergika helfen, die lästigen Symptome wirksam zu behandeln.

Pollen sind die männlichen Keimzellen der Samenpflanzen. Ihre Schönheit erschließt sich dem Betrachter erst beim Blick durch das Mikroskop: eine unglaubliche Formen- und Größenvielfalt, charakteristisch für jede Blütenpflanze. Der Allergiker verbindet mit Pollen jedoch eine unliebsame Plage, die ihm jeglichen Aufenthalt im Freien verleidet.

Die Saison beginnt meist schon Mitte Dezember – Hasel und Erle machen als Frühblüher den Anfang – und kann sich bis weit in den Oktober ziehen. Die Anzahl der an Heuschnupfen (Pollinosis) leidenden Patienten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Neben genetischen Faktoren scheinen auch Umweltgifte, Stress und unsere vergleichsweise saubere, ja nahezu parasiten- und schmutzfreie Umwelt eine Rolle bei der Ausbildung von Überempfindlichkeitsreaktionen zu spielen.

Der Kontakt mit den an sich harmlosen Gräser- und Blütenpollen bewirkt eine massive Abwehrreaktion des Körpers. Unter Vermittlung von Immunglobulin-E (Ig-E) kommt es zur Degranulation der Mastzellen, das heißt, die Zellen entleeren ihre Granula und schütten das darin enthaltene Gewebshormon Histamin aus. Dieser körpereigene Botenstoff wiederum bedingt im Wesentlichen die Vielzahl der unangenehmen allergischen Beschwerden.

Übeltäter Histamin

So führt die gefäßerweiternde Wirkung des Histamins zu einem Anschwellen der Nasenschleimhaut (verstopfte Nase) und zu einer verstärkten Bildung eines klaren, dünnflüssigen Nasensekrets. Niesattacken und Juckreiz zählen ebenfalls zu den durch His­tamin vermittelten Allergiesymptomen.

In einigen Fällen weitet sich ein Heuschnupfen von den oberen auf die unteren Atemwege aus. Ärzte sprechen von einem Etagenwechsel, der zu einem allergischen Asthma führen kann. Um es nicht so weit kommen zu lassen, sollte der Heuschnupfen konsequent behandelt werden.

Heuschnupfen-Geplagte wünschen sich ein schnelles Abklingen der leidigen Beschwerden, die sich vor allem als saisonale allergische Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung) und Konjunktivitis (Bindehautentzündung) äußern. PTA und Apotheker können daher vorzugsweise topisch applizierbare Präparate in Form von Nasensprays und Augentropfen empfehlen. Diese haben gegenüber systemischen Darreichungsformen wie Tabletten oder Saft den Vorteil, dass ihre Wirkung schneller eintritt und weniger Nebenwirkungen auftreten. So entfällt zum Beispiel die gefürchtete Nebenwirkung Müdigkeit bei der Anwendung lokal wirksamer H1-Antihistaminika.

Wenn möglich, sollten konservierungsmittelfreie Nasensprays und Augentropfen abgegeben werden, da Konservierungsstoffe selbst weitere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können. So ist beispielsweise belegt, dass Benzalkoniumchlorid die Zilientätigkeit des Flimmerepithels schädigt. Im Auge kann sich das Konservierungsmittel sich in weichen Kontaktlinsen einlagern, diese verfärben und zu Irritationen führen.

Hilfreiche Tipps für Pollenallergiker:

  • in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden lüften, da dann der Pollenflug am geringsten ist
  • anstrengende Tätigkeiten an der frischen Luft vermeiden
  • getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen
  • auf Pollenschutzfilter in der Autoklimaanlage achten

Antihistaminika

Bereits nach etwa 10 bis 15 Minuten setzt die abschwellende Wirkung von Nasensprays mit einem H1-Antihistaminikum der zweiten Generation ein. Die Arzneistoffe Azelastin (Vividrin® akut, Allergodil®) und Levocabastin (Livocab® direkt) sind bis zu zwölf Stunden wirksam und werden daher zweimal täglich angewendet. Der Patient sollte zunächst die Nase schnäuzen und dann in jeden Nasengang zwei Sprühstöße setzen. Bei ausgeprägten Beschwerden kann die übliche Dosierung auf bis zu viermal täglich zwei Sprühstöße je Nasenloch erhöht werden. Azelastin-haltige Nasensprays sind ab dem sechsten Lebensjahr, Levocabastin-haltige Nasensprays ab dem ersten Lebensjahr zugelassen. Aufgrund einer vergleichbaren Oberflächengröße der Nasenschleimhaut ist eine Dosisanpassung bei Kindern nicht nötig.

Die beiden Wirkstoffe stehen auch in Form von Augentropfen (Azela-Vision® MD, Azelastin-POS®, Vividrin® akut; Livocab® direkt mit Levocabastin) zur Behandlung der allergischen Bindehautentzündung zur Verfügung. Die Applikation erfolgt üblicherweise zweimal täglich, wobei jeweils ein Tropfen in den Bindehautsack gegeben wird. Wenn erforderlich, können auch die Augentropfen bis zu viermal täglich angewendet werden.

Bei stärkeren Beschwerden

Sind H1-Antihistaminika nicht ausreichend wirksam, können PTA und Apotheker bei starker allergischer Rhinitis das entzündungshemmende Glucocorticoid Beclometason als Nasenspray (Otri- Allergie®, Ratio-Allerg®, Rhinivict® nasal 0,05 mg) bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren empfehlen. Angewendet wird es zweimal täglich mit ein bis zwei Sprühstößen pro Nasenloch. Wichtig ist der Hinweis auf einen verzögerten Wirkungseintritt, da die Wirkung auch bei konsequenter Anwendung erst nach ein paar Tagen einsetzt.

Sowohl ein allergischer Schnupfen als auch entzündete Augen können kurzfristig mit vasokonstriktorischen α-Sympathomimetika behandelt werden. Die Anwendungsdauer von abschwellenden Nasensprays und -tropfen mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin sollte einen Zeitraum von fünf bis sieben Tagen jedoch nicht überschreiten, um einer Gewöhnung sowie einer Schädigung der Nasenschleimhaut vorzubeugen. Auch hier stehen konservierungsmittelfreie Zubereitungen sowie entsprechende Einzeldosispipetten zur Auswahl. Augentropfen mit gefäßverengendem Tetryzolin sollten ebenfalls maximal fünf Tage lang, zwei- bis dreimal täglich ein Tropfen je Auge, im Rahmen der Selbstmedikation angewendet werden. Werden die entsprechenden Einzeldosen abgegeben, sollten PTA oder Apotheker darauf hinweisen, die geöffnete Ophtiole sofort nach Gebrauch zu verwerfen.

Nasenduschen wirken zugleich effektiv und schonend auf die gereizte Nasenschleimhaut: Allergieauslösende Pollen werden mittels isotonischer Salzlösungen ausgespült. Bei stark verstopfter Nase eignen sich eher hypertonische als isotonische Zubereitungen (zum Beispiel Wick® VapoSpray hypertonisch), da sie der angeschwollenen Schleimhaut das überschüssige Wasser osmotisch entziehen.

Zur Prophylaxe

Mit den Wirkstoffen Cromoglicinsäure (Allergo-Comod® Augentropfen, Vivi­drin® Nasenspray und andere) und Nedocromil (Irtan® Augentropfen) können Heuschnupfen-Patienten Allergie-Symptomen vorbeugen. Es handelt sich bei diesen Wirkstoffen um Mastzellstabilisatoren. Bei frühzeitiger Einnahme wird einer Degranulation der Mastzelle entgegengewirkt und damit eine Histaminausschüttung verhindert. Aufgrund der recht kurzen Halbwertszeit beider Arzneistoffe ist die Therapietreue hier besonders wichtig: PTA und Apotheker sollten den Patienten ausdrücklich auf die konsequente Anwendung viermal am Tag hinweisen. Im Idealfall wird mit der Therapie zwei Wochen vor Allergenkontakt, also dem Pollenflug, begonnen. Als Akutmedikation eignen sich Cromoglicinsäure- und Nedocromil-haltige Präparate nicht. /