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Cannabis als Arzneimittel

Kassen sollen Kosten tragen

10.03.2015
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Von Verena Arzbach / Chronisch kranke Schmerz­patienten sollen in Zukunft einfacher Cannabis als Arzneimittel bekommen können. Die Drogen­beauftragte der Bundes­regierung, Marlene Mortler von der CSU, fordert, die Krankenkassen sollten die Kosten für die Therapie übernehmen.

Cannabis zu kaufen und zu konsumieren, ist in Deutschland verboten. Ärzte können es aber zu medizinischen Zwecken verordnen. Die Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilt den Patienten in diesen Fällen eine Ausnahmegenehmigung zur Behandlung mit Cannabis-Präparaten.

Die Kosten für die Behandlung müssen die Patienten derzeit in der Regel selbst tragen, die Krankenkassen erstatten diese nicht. Das könnte sich in naher Zukunft ändern: Mortler plant, in diesem Jahr ein Gesetz durch den Bundestag zu bringen, das die Übernahme der Behandlungs­kosten durch die Krankenkasse ermöglicht. So sollen künftig mehr chronisch Kranke mit Cannabis oder Cannabis-Präparaten behandelt werden können.

Wirkung der Cannabinoide

Hauptwirkstoffe des Cannabis sind die Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Sie binden im Körper an Cannabinoid-Rezeptoren in Gehirn und Rücken­mark sowie im peripheren Nervensystem. Dadurch werden Schmerzen gedämpft, der Appetit angekurbelt und Brechreiz gehemmt. Beide Stoffe wirken auch krampflösend und können Spasmen lindern. THC wirkt im Gegensatz zu CBD außerdem psychotrop.

Auf dem Markt

In Deutschland gibt es seit 2011 das Fertigarzneimittel Sativex®, ein Spray aus dem Dickextrakt von Cannabis sativa. Haupt­bestandteile sind die Wirkstoffe THC und CBD, zugelassen ist es zur Symptomverbesserung bei Spastiken durch Multiple Sklerose. Dronabinol, ein synthetisch hergestelltes Cannabinoid, ist in Deutschland als Rezeptursubstanz erhältlich. Fertigarzneimittel mit Dronabinol (Marinol®) und seinem Analogon Nabilon (Cesamet®) sind hierzulande nicht zugelassen, sie können aber über die internationale Apotheke zum Beispiel aus den USA importiert werden. Dronabinol und Nabilon haben offenbar eine ausgeprägte antiemetische und appetitsteigernde Wirkung, die Fertigarzneimittel sind in den USA zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei einer Chemotherapie und zur Behandlung von Appetitlosigkeit mit ungewolltem Gewichtsverlust bei Aids-Patienten zugelassen.

Auch medizinische Cannabis-Blüten können Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung über die Apotheke beziehen. Die Blüten mit standardisiertem Wirkstoffgehalt beziehungsweise den Cannabisextrakt kann die Apotheke aus den Niederlanden importieren. /