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Testkäufe

Schlechte Tests und schlechte Noten

10.03.2015
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Von Daniel Rücker / Erkältungszeit ist Testkaufzeit. Warum nicht einmal wieder testen, was PTA und Apotheker bei der Abgabe von Mitteln gegen Halsschmerzen und OTC-Schmerzmitteln alles falsch machen? Die Tests des NDR-Magazins »Markt« und der Verbraucher­zentrale NRW lieferten die von den Testern erwarteten mäßigen Ergebnisse.

Der Apotheker und Bremer Universitätsprofessor Gerd Glaeske hält nicht viel von Dobendan. Viele Apothekenmitarbeiter empfehlen es dennoch ihren Patienten. Das ist die Bilanz der »Markt«-Recherche aus dem Februar, die allerdings auf tönernen Füßen steht. Die Stichprobe mit zehn Apotheken ist überschaubar. Allerdings ist schon bemerkenswert, dass neun der zehn Apotheken gegen das Symptom »Halsschmerzen« die Präparate Dobendan® Direkt (mit Flurbiprofen) oder Dolo-Dobendan® (mit Benzocain und Cetylpyridiniumchlorid) empfahlen.

Glaeske kritisiert, mit Dolo-Dobendan werde ein Präparat empfohlen, das die Stiftung Warentest als nicht geeignet eingestuft hat. Das Medikament enthält das Lokalanästhetikum Benzocain. Auch von Lemocin®, dem einzigen in dem Test abgegebenen Halsschmerzmittel außer Dobendan, hält Glaeske wenig, weil es unter anderem das Antibiotikum Tyrothricin enthält, das bei viralen Infektionen wenig nützlich ist.

Keine generellen Aussagen

Weil es sich so gehört, hat die Markt-Redaktion die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände als vermutete Oberaufsicht der Apotheken um Stellungnahme gebeten. Die Standesorganisation verweigerte allerdings die ihr vom NDR zugewiesenen Aussage. Die Stichprobengröße lasse keine generalisierbaren Aussagen zu, spielt sie den Spielverderber und hat damit sicher Recht. Außerdem verweist die ABDA auf die entsprechende Leitlinie zur Beratung von Patienten mit Halsschmerzen und die eigene Bereitschaft, Testkäufe ernst zu nehmen. An Spekulationen, warum so viele Apotheken Dobendan abgeben und welchen Einfluss die Werbung für das Produkt auf dessen Abverkauf hat, beteiligt sich die ABDA in ihrer Stellungnahme nicht. Über die Auswahl eines Fertig­arzneimittels entscheide der Apotheker (oder die PTA) jeweils im Einzelfall.

Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Erkenntnisgewinn. Der erscheint überschaubar. Die Wettbewerber von Dobendan werden sich noch intensiver darüber Gedanken machen, wie sie dem Marktführer beikommen können. Manche Apotheker und PTA werden womöglich darüber reflektieren, ob es tatsächlich nur ein Präparat gegen Halsschmerzen geben darf.

Auch Schmerzmittel im Visier

Ein paar Wochen später und einige hundert Kilometer weiter südlich, gerieten die westfälischen Apotheker in die Kontrolle der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Diese initiierte Thomapyrin®-Testkäufe in 50 öffentlichen Apotheken. Aus Sicht der Verbraucherschützer offenbarte die Untersuchung Defizite bei der Beratung. Allerdings war auch bei diesem Test die Datenbasis mäßig. Die Präsidentin der Landesapothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Regina Overwiening, bezeichnete den Test der Verbraucherzentrale als nicht aussagekräftig. 50 Apotheken, die mit einem einzigen Szenario getestet würden, seien für eine statistisch signifikante Aussage zu wenig.

Der Test sei »nicht einmal ein Versuch, sich der Thematik seriös zu nähern«, kritisierte Overwiening. Die Kammern in Nordrhein und Westfalen-Lippe hätten in den vergangenen Jahren 15 000-mal Apotheken getestet. Dafür sei immer pharmazeutisches Personal eingesetzt worden. Nach Angaben der Kammer wurden die Tester in zwei von drei Apotheken gut beraten.

Das Testergebnis der Verbraucherzentrale weicht davon erheblich ab. Vier von fünf Apotheken hätten nach ihrem Verkaufsinteresse beraten, so die Verbraucherzentrale. In dem Testszenario sollten die vermeintlichen Patienten jeweils drei Packungen mit 20 Tabletten Thomapyrin kaufen. Von den 50 Apotheken hätten 39 diesen Wunsch erfüllt.

Overwiening bestreitet nicht, dass es auch bei den Apotheken Verbesserungspotenzial gibt. Dies gelte schließlich für alle Lebensbereiche. Neben den guten Ergebnissen der Kammertests stehe auch das große Vertrauen der Deutschen in die Apotheker im Widerspruch zu den Ergebnissen der Verbraucherzentrale. Nach einer aktuellen Umfrage hätten Patienten zu Apothekern mehr Vertrauen als zu den anderen Gesundheitsberufen. /