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Iberogast

Viele Komponenten, viele Wirkansätze

10.03.2015
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Von Elke Wolf, Düsseldorf / Seit seiner Einführung vor 55 Jahren wurde viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Iberogast® investiert. Mittlerweile gilt das Magen-Darm-Mittel als eines der bestuntersuchten Phytopharmaka. Seine Angriffspunkte sind bis auf die molekulare Ebene aufgeklärt. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit ist an mehr als 50 000 Patienten geprüft.

Bereits 1960 wurde die fixe Neuner-Kombination mit der Bitteren Schleifenblume als Hauptkomponente als apothekenpflichtiges Arzneimittel eingeführt. Nach wie vor sind außer Iberis amara Auszüge aus Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Marien­distel­früchten, Melissenblättern, Pfefferminzblättern, Schöllkraut und Süßholzwurzel enthalten. Diese Vielfalt an Extraktkomponenten in einem Phytopharmakon ist recht ungewöhnlich. Das Vielstoffgemisch ist das einzige Präparat in Deutschland, das sowohl für Patienten mit Reizmagen als auch für solche mit Reizdarm zugelassen ist. Zudem ist es bei Beschwerden einer Magenschleimhautentzündung, Völlegefühl, Blähungen, Magen-Darm-Krämpfen, Übelkeit und Sodbrennen indiziert.

Funktionellen Magen-Darm-­Er­krank­ungen wie Reizmagen und -darm liegt eine gestörte Magen- und Darm­motilität zugrunde. Patienten sprechen gut auf eine Multi-Target-Therapie an, also auf eine Therapie, die pharmakologisch und funktionell mehrere Angriffspunkte hat. Für die Iberis-amara-Kombination sind die vielfältigen Angriffspunkte in den vergangenen Jahren bis auf die molekulare Ebene aufgeklärt worden, hieß es auf der von Steigerwald ausgerichteten Jubiläums­­veranstaltung des Phytopräparats.

Magen wieder im Takt

So moduliert das Arzneimittel die Motilität des Magens regionenspezifisch. Zum einen erhöht das standardisierte Extraktgemisch die Schließkraft des unteren Ösophagussphinkters. Zum anderen relaxiert es signifikant den Tonus im als Magenspeicher fungierenden Fundus. Das hilft dem Magen, sich abhängig von der Nahrungsmenge auszudehnen, und so reduziert sich das Völlegefühl. Umgekehrte Verhältnisse jedoch am Magenausgang, im Antrum: Dieses wird in seiner Funktion als Magenpumpe stimuliert, sodass der Mageninhalt besser durchmischt wird. Einer gestörten Magenentleerung wird entgegengewirkt. »Das Phytopharmakon sorgt somit für eine Normalisierung der Magenmotilität und beseitigt die Ursachen der funktionellen Dyspepsie«, fasste Professor Dr. Michael Schemann vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München zusammen.

Die regionenspezifische Wirkweise des standardisierten Extrakts ergibt sich durch die unterschiedlichen Regulationsmechanismen der Magenmuskulatur, erklärte Schemann. So reagieren vitale Muskelstreifen aus den verschiedenen Regionen des Magens von Versuchsmeerschweinchen ganz unterschiedlich auf die Zugabe der Neuner-Kombination im Organbad. Eine besondere Rolle spielen hierbei calciumabhängige Signalwege, stellte Schemann seine Untersuchungsergebnisse vor. So spielt der Calciumeinstrom durch L-Typ-Calciumkanäle eine zentrale Rolle bei den prokinetischen Wirkungen im Antrum und am Schließmuskel der Speiseröhre. Dort werden diese spannungsabhängigen Ca-Kanäle aktiviert.

Die spasmolytische Wirkung vermitteln sogenannte TRP-Calciumkanäle. Unter normalen Bedingungen sorgen diese für einen kontinuierlichen Calciumeinstrom und damit für einen angemessenen Muskeltonus. Werden diese Kanäle jedoch zu stark aktiviert, resultiert eine hohe Muskelspannung und damit eine Behinderung der Magen-Ausdehnung nach Nahrungs­aufnahme. Die Phytokombination ist nun in der Lage, den Calciumeinstrom über die Kanäle zu hemmen, was zur nötigen Muskelentspannung führt.

Steigert die Sekretion

Die Darmfunktion vermag die Fixkombination durch eine Steigerung der Sekretion zu beeinflussen. Dabei spielt eine durch Wirkstoffe aus Angelika, Melisse und Pfefferminze direkt und nerval vermittelte Aktivierung der Calcium- und Chloridkanäle die wichtigste Rolle. Zusätzlich zur sekretionssteigernden Aktivität wirken die Extrakte aus Angelika spasmolytisch auf die Darmmuskulatur und ahmen damit das Wirkprinzip vieler natürlicher Neurotransmitter nach. /