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Hunde

Blutsauger abwehren

18.03.2016  13:05 Uhr

Von Annette Immel-Sehr, Leverkusen / Zecken auf dem Hund sind nicht nur lästig, sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Wirkstoffhaltige Halsbänder und Spot-on-Präparate sind sichere Methoden, die unerwünschten Spinnentiere abzuwehren.

Hierzulande sind es vor allem zwei Zecken-Arten, die Hunde und Katzen befallen: der Gemeine Holzbock und die Auwaldzecke. Als unerwünschtes Urlaubsmitbringsel aus südlichen Ländern spielt auch die Braune Hundezecke gelegentlich eine Rolle. Sie kann zwar hierzulande nicht im Freien überleben, fühlt sich aber in beheizten Häusern und Hundezwingern wohl.

Vollgesogene Zecken auf dem Hund oder auf dem Fußboden empfinden viele Menschen als unappetitlich. Doch die Parasiten sind – insbesondere für Hunde – vor allem ein gesundheit­liches Risiko. Zum einen können an der Stich­stelle schmerzhafte Lokal­reaktionen auftreten. Außerdem können die Zecken Krankheitserreger übertragen. »Eine Borreliose, wie sie häufig beim Menschen nach einem Zeckenstich auftritt, ist bei Hunden sehr selten«, berichtete Dr. Helmut Pinsenschaum, niedergelassener Tierarzt in Münchsteinach, bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer in Leverkusen. »Sehr häufig ist dagegen die Anaplasmose. Auch Babesiose, Ehrlichiose und eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können durch Zecken auf Hunde übertragen werden.« Die Erkrankungen sind nicht leicht zu erkennen. »Es treten oft subklinische unspezifische Symptome auf«, schilderte der Tierarzt. »Der Hund ist müde und beim Gassigehen weniger lebhaft und interessiert. Oft hat er auch keinen Appetit.«

Daher ist es wichtig, den Hund nach jedem Spaziergang gründlich auf Zecken abzusuchen und diese zu entfernen. Allerdings ist es nicht leicht, die kleinen Tiere zu entdecken. Erst wenn die Zecken schon Stunden Blut gesaugt haben, sind sie gut erkennbar. Doch dann können bereits Erreger übertragen worden sein. Tierhalter, die sich die lästige Prozedur des Absuchens ersparen beziehungsweise auf Nummer sicher gehen wollen, können ein repellierendes, das heißt abwehrendes, Tierarzneimittel verwenden. Als Darreichungsformen stehen mit Wirkstoffen angereicherte Halsbänder, Sprays, Tabletten und so genannte Spot-on-Präparate zur Auswahl.

Die Pryrethroide Permethrin und Flumethrin (zum Beispiel im apothekenpflichtigen Hundehalsband Seresto®) wehren Zecken ab, bevor sie stechen können. Sobald die Zecke in Kontakt mit dem behandelten Hundefell kommt, werden die Nervenenden ihrer Füße gereizt. Sie zieht die Füße zurück, als hätte sie eine heiße Herdplatte berührt, und fällt ab. Bald darauf stirbt sie. Das Halsband gibt die Wirkstoffe kontrolliert ab. Sie verteilen sich per Diffusion im natürlichen Fettfilm der Haut und Haare des Tieres. Der maximale repellierende Effekt ist innerhalb von zwei Tagen nach Anlegen des Halsbandes erreicht und hält bis zu acht Monate an. Falls der Hund die Pyrethroide nicht verträgt, kann das Band entfernt werden, wodurch Lokalreaktionen schnell abklingen. Insgesamt sei das Produkt für Hund und Hundehalter gut verträglich. »Für Kinder, die mit dem Hund kuscheln, besteht keine Gefahr«, sagte Pinsenschaum.

Spot-on-Präparate sind Lösungen zum Auftropfen auf die Haut des Tieres. Sie werden in der Regel im Nacken aufgebracht und verteilen sich von dort aus über die gesamte Körperoberfläche. Spot-ons gegen Zecken müssen von Frühjahr bis Spätherbst in den vom Hersteller angegebenen Zeitabständen regelmäßig aufgetragen werden. Doch das wird im Alltag oft vergessen. »77 Prozent der Hundehalter behandeln nur drei Monate. Das reicht nicht«, berichtete Pinsenschaum. Hundefreunde empfehlen sich oft untereinander alternative Mittel zur Zeckenabwehr, beispielsweise Teebaum- oder Kokosöl sowie Tabletten mit Knoblauchex­trakt. Davon riet der Tierarzt ab, weil die Methoden in der Zeckenabwehr nicht sicher sind und vergleichsweise aufwändig in der Anwendung. /