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Frühjahrsmüdigkeit

Das große Gähnen

18.03.2016
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Von Elke Wolf / Ja, die Frühjahrsmüdigkeit gibt es wirklich. So viele Menschen können nicht irren. Etwa jeder zweite Deutsche fühlt sich nach eigenem Bekunden in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühjahr lust- und kraftlos, genau dann, wenn die ­Natur zu neuem Leben erwacht. Woher kommt das?

Die Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit, sondern ein subjektiv fühlbares Phänomen mit einer Mischung aus körperlicher und geistiger Erschöpfung. Auch Wetterfühligkeit, Schwindel und Kreislaufschwäche treten beim saisonalen Umschwung im Frühjahr häufiger auf, und zwar eher bei jüngeren Frauen als bei älteren Herren. Die genauen Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit sind wissenschaftlich nicht vollständig geklärt, vermutlich spielen mehrere Dinge zusammen.

Die Tatsache, dass das große Gähnen vor allem in Ländern zu beobachten ist, in denen sich Temperatur und Lichtverhältnisse mit den Jahreszeiten merklich ändern, lässt erste Rückschlüsse auf die Gründe zu. Die Tageslänge und die Menge an Licht beeinflussen alle Organe und Körpersysteme bis in die einzelnen Zellen. Der menschliche Organismus ist immer bestrebt, sich den äußeren Bedingungen anzupassen. Ist es in den Wintermonaten kalt und dunkel, schützt sich der Körper, indem er seine Körpertemperatur um einige Zehntel Grad herab-, den Blutdruck aber leicht herauffährt. Letztendlich reagiert der Organismus auf Dunkelheit und Kälte mit einer milden Form des Winterschlafs.

Daneben sind es auch Wechselspiele im Hormonhaushalt, die für den mangelnden Antrieb im Frühjahr verantwortlich sind. In der dunklen Jahreszeit fährt der Organismus die Produktion des Schlafhormons Melatonin ordentlich nach oben. Im Gegenzug bildet der Körper aufgrund des Lichtmangels relativ wenig Serotonin, einen Neurotransmitter, der wach macht und gute Laune fördert.

Winter- und Sommermodus

Legt die Sonne dann im Frühjahr an Kraft und Dauer zu, werden Stoffwechsel und Hormonhaushalt mitunter aus der Bahn geworfen: Die Körpertemperatur steigt, die Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck sinkt. Aber erst nach und nach drosselt die wachsende UV-Strahlung auch die Produktion des Melatonins, um stattdessen die Herstellung des Glückshormons Serotonin anzuregen.

Der Kreislauf hinkt diesen Umstellungen hinterher und sorgt für einen Durchhänger. Die Frühjahrsmüdigkeit könnte man also als Hangover nach der Winterzeit beschreiben. Bis sich der Körper an die neue Situation gewöhnt hat, vergehen zwei bis vier Wochen. Vor allem Menschen bekommen die Frühjahrsmüdigkeit zu spüren, deren zirkadiane Systeme gut funktionieren. Wer ohnehin unter Schlafstörungen leidet, spürt die saisonale Veränderung eher weniger und klagt kaum über Antriebsarmut, wenn es ins Frühjahr geht.

Müdigkeit nicht nachgeben

Gegen die chronische Frühjahrs-Schlappheit lässt sich aktiv etwas tun: Sonne, Luft und Bewegung an der frischen Luft bringen den Organismus schneller in den Sommermodus. UV-Strahlung senkt den Spiegel des stimmungsdämpfenden Hormons Melatonin und beschleunigt die Serotoninausschüttung. Vorbeugend trainieren Kneipp’sche Anwendungen, wechselwarme Duschen oder regelmäßige Saunabesuche das Gefäßsystem und machen es weniger anfällig für Temperaturschwankungen. Eine abwechslungsreiche Mischkost mit viel frischem Obst und Gemüse versorgt den Körper mit notwendigen Vitalstoffen. /