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Menstruationsbeschwerden

In der Regel schmerzfrei

18.03.2016
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Von Kornelija Franzen / Menstruationsbeschwerden (Dysmen­orrhoen) sind keine Seltenheit: Etwa jede zehnte Frau leidet ­unmittelbar vor Beginn beziehungsweise in den ersten Tagen ­der Regel unter schmerzhaften Unterleibskrämpfen. Typische Begleitsymptome sind Übelkeit, Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen.Hilfesuchend wenden sich Patientinnen an PTA und Apotheker vor Ort.

Jeden Monat aufs Neue bereitet sich der Körper einer geschlechtsreifen Frau auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Während in den Eierstöcken ein Ei heranreift, beginnen die Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) sich unter hormonellem Einfluss zu teilen. Im Zyklusverlauf nimmt so nicht nur die Dicke, sondern auch die Durchblutung des Endometriums zu. Bleibt eine Empfängnis aus, wird die nicht benötigte Schleimhaut abgestoßen: Die ­Monats­blutung setzt ein. Unterstützt wird dieser Prozess durch das Zusammenziehen der Gebärmutter, wobei die Kontraktionskraft in erster Linie durch das Prostaglandin PGF2α bestimmt wird. Patientinnen mit Regelschmerzen weisen einen um ein Vielfaches erhöhten PGF2α-Wert auf – der Schlüssel zum Verständnis der Pathophysiologie der Dysmenorrhoe. Ein Prostaglan­din­­überschuss führt nicht nur zu kolik­artigen Uteruskrämpfen, sondern bedingt auch eine starke Vasokonstrik­tion ­endometrialer Blutgefäße: Eine schmerz­hafte Unterversorgung des Gewebes (Ischämie) ist die Folge. Da­rüber hinaus sorgt PGF2α für Kopfschmerzen und Übelkeit. Nicht zuletzt senkt Prostaglandin die Schmerzschwelle.

Primär oder sekundär

Primäre Dysmenorrhoen sind durch das Fehlen organischer Ursachen gekennzeichnet und beruhen wahrscheinlich auf einer überschießenden PGF2α-Produktion. Betroffen sind vor allem junge Frauen. Typischerweise setzen die Beschwerden im ersten Jahr nach der Menarche (erste Regelblutung) ein und begleiten die Patientinnen ­Monat für Monat bis hin zur Menopause (letzte Regelblutung). Die Schmerz­intensität und -dauer ist dabei bei jeder Regel annähernd gleich. Gelegentlich schwächen sich die Symptome im Verlauf der Jahre ab, vereinzelt bessern sie sich im Anschluss an eine Geburt (siehe Kasten). Primäre Dysmenorrhoen stellen keineswegs Baga­tellerkrankungen dar. Vielmehr werden sie heute den chronischen Schmerzzuständen zugeordnet. Um einem Schmerz­gedächtnis vorzubeugen, ist eine rechtzeitige und ausreichend wirksame Therapie essenziell.

Abklärung durch den Arzt

PTA und Apotheker sollten Patientinnen an einen Arzt verweisen,

  • wenn sie von plötzlich auf­tretenden Unterleibsschmerzen be­richten
  • wenn die Symptome besonders ausgeprägt sind
  • wenn die Symptome außerhalb der Regelblutung einsetzen.
  • Auch bei jugendlichen Patientinnen ist Vorsicht geboten und eine medizinische Abklärung angezeigt.

Klar abzugrenzen sind primäre ­Dysmenorrhoen von sekundären Formen, die auf eine Grunderkrankung zurückzuführen sind und sich selten vor dem 25. Lebensjahr entwickeln. Vielfach sind hier eine Endometriose, Myome, Polypen oder entzündliche Erkrankungen des Beckens krankheitsauslösend. Schmerzhafte Regelblutungen können auch durch eine Lageanomalie der Gebärmutter oder hormonfreie Intrauterinpessare zur Empfängnisverhütung verursacht werden.

Prostaglandinsynthese hemmen

Ein pathologisch erhöhter PGF2α-Spiegel löst schmerzhafte Regelblutungen aus. Die Hemmung der Prostaglandinsynthese ist deshalb ein naheliegender Therapieansatz. Die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) Ibuprofen und Naproxen sind hierbei Mittel der Wahl. Aufgrund des kurzzeitigen Einsatzes sind gastrointestinale Nebenwirkungen eher unwahrscheinlich.

Ibuprofen zeigt eine gute schmerzhemmende Wirkung. Die Dosierungsempfehlung für Erwachsene und He­r­anwachsende ab zwölf Jahren lautet bis zu dreimal täglich 400 mg (etwa in Ibudolor® 400, Dolormin® extra). Für junge Mädchen zwischen 10 und 12 Jahren stehen Präparate mit 200 mg Ibuprofen (in Nurofen® 200 mg Schmelztabletten, Mensoton® gegen Regelschmerzen) zur Verfügung. Die entsprechende Tagesmaximaldosis liegt bei 800 mg.

Naproxen (etwa in Dolormin® für Frauen, Naproxen AL® 250) überzeugt durch seine bis zu zwölfstündige und damit lang anhaltende Wirksamkeit. Zusätzlich besitzt es spasmolytisches Potenzial und mildert so Uteruskrämpfe. Zur Selbstmedikation eignen sich Ta­bletten mit einem Arzneistoffgehalt von 250 mg. Wichtig: Naproxen ist erst ab einem Alter von zwölf Jahren zugelassen. Es empfiehlt sich, zunächst eine Initialdosis von zwei Tabletten (entspricht 500 mg) einzunehmen und eine maximale Tagesdosis von 750 mg nicht zu überschreiten.

Acetylsalicylsäure lindert Regelschmerzen ebenfalls gut, dennoch eignet sie sich aufgrund gerinnungshemmender und damit blutungsverlängernder Eigenschaften nicht zur Behandlung der Dysmenorrhoe.

Vergleichsstudien mit Ibuprofen bescheinigen Paracetamol eine deutlich schwächere analgetische Wirksamkeit bei Menstruationskrämpfen. Gemeinsam mit dem Spasmolytikum Butylscopolamin (in Buscopan® plus) bildet es allerdings eine schlagkräftige Option im Kampf gegen Zyklusschmerzen. Butylscopo­lamin kann auch auch als Monopräparat (Buscopan®) empfohlen werden. Bei Patientinnen mit Glaukom oder Herzrhythmusstörungen ist die Substanz kontraindiziert.

Hormonell regulieren

Kann so keine ausreichende Beschwerdelinderung erreicht werden, rücken verschreibungspflichtige hormonale Kontrazeptiva in den Therapiefokus, besonders, wenn ohnehin der Wunsch nach Verhütung besteht. Sowohl Estrogen/Gestagen-Kombinations- als auch reine Gestagenpräparate stören den Aufbau des Endometriums und senken so die uterine Prostaglandinsynthese. Neben der erzielten Schmerzlinderung profitieren die Patientinnen von schwächeren und kürzeren Monatsblutungen. Die besten Ergebnisse erzielen Anwendungen im Langzyklus. Hierbei werden hormonale Kontrazeptiva durchgehend ohne einwöchige Pause eingenommen: Eine Abbruchblutung und damit verbundene Schmerzen unterbleiben.

Pflanzlich lindern

Traditionell werden schmerzhafte Monatsblutungen mithilfe einer Reihe pflanzlicher Arzneidrogen behandelt, darunter Kamillenblüten sowie Frauenmantel-, Hirtentäschel- und Schafgarben­kraut. Von besonderer Bedeutung sind Extrakte aus Mönchspfefferfrüchten und Traubensilberkerzewurzelstock. Die Früchte des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus, Keuschlammfrüchte, etwa in Agnucaston®, Biofem®) eignen sich vor allem zur Linderung zyklusbedingter Brustschmerzen (Mastodynie), unregelmäßiger Blutungsrhythmen sowie prämenstrueller Beschwerden (PMS). Aber auch Patientinnen mit Dysmenorrhoe können von einer regelmäßigen, sich über mindestens drei Zyklen erstreckenden Einnahme profitieren.

Extrakte aus Agni casti fructus stimulieren D2-Dopamin­rezeptoren und scheinen über die Hypophysen-Hypothalamus-Achse regulativ in den Hormonhaushalt eingreifen zu können. Bei gleichzeitiger Anwendung von Dopaminrezeptor-Agonisten oder -Antagonisten sind Wechselwirkungen zu befürchten. Zu den typischen Nebenwirkungen der Keuschlammfrüchte zählen Überempfindlichkeitsreaktion der Haut, Juckreiz, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Das Rhizom der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, etwa in Klimadynon® Uno, Cimicifuga Stada®) enthält selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren. Anwendungsgebiete sind neben der Dysmenorrhoe auch Wechseljahresbeschwerden. Ohne ärztliche Absprache ist die Einnahmedauer auf sechs Monate beschränkt.

Vielversprechend sind kürzlich veröffentlichte Ergebnisse zum Einsatz von Ingwerpulver: Im Vergleich zu Placebo zeigt Ingwer eine signifikante Linderung zyklusbedingter Schmerzen. Mehr noch, es erweist sich als ähnlich effektiv wie nicht steroidale Antirheumatika. Die wirkbestimmenden Inhaltsstoffe des Rhizoms scheinen das Übel an der Wurzel zu packen, indem sie unter anderem die Genexpression der Cyclooxygenase 2 drosseln.

In der Gynäkologie wird Magnesium (etwa in Magnesium Verla®N, Magnesium-Sandoz®) zur Hemmung vorzeitiger Wehen empfohlen. Ein Einsatz zur Behandlung krampfartiger Unterleibsschmerzen erscheint daher plausibel. Über die erforderliche Magnesiummenge herrscht jedoch Uneinigkeit. Klar ist, dass mit der Einnahme bereits einige Tage vor der Menstruation begonnen werden sollte.

Sport und Wärme entspannen

Sport und Wärme können eine wohltuende Wirkung bei Regelschmerzen entfalten, denn sie verbessern die Durchblutung des Beckens und wirken krampflösend. PTA und Apotheker können ihren Patientinnen folglich zu warmen Sitzbädern, gerne mit krampflösenden Auszügen aus Kamillenblüten oder Schafgarbenkraut, raten. Wärmflaschen oder Kirschkernkissen eignen sich ebenfalls. Besonders praktisch für unterwegs sind Auflagen, die nach Aktivierung bis zu acht Stunden lang Wärme spenden können (etwa ThermaCare® Wärmeauflage bei Regelschmerzen).

Alkohol, Rauchen und Stress verschlechtern tendenziell die Regelbeschwerden. Betroffene Frauen sollten daher in den Tagen vor den Tagen auf ausreichend Schlaf, Bewegung und eine gesunde Ernährung achten. /

Primäre Regelschmerzen – ja oder nein?

Typisch bei primärer Dysmen­orrhoe

  • Krankheitsbeginn im ersten Jahr nach der Menarche
  • Schmerzen und Krämpfe treten kurz vor und/oder während der Menstruation auf
  • Schmerzdauer und -stärke relativ konstant
  • Beschwerdedauer selten länger als 72 Stunden

Verdacht auf sekundäre Dysmenorrhoe

  • Beschwerden treten plötzlich auf
  • Patientin ist bei Krankheitsbeginn älter als 25 Jahre
  • Symptome sind ungewöhnlich stark
  • Symptome treten auch außerhalb der Regel auf
  • Blutungen sind unregelmäßig oder bleiben ganz aus
  • Blutungsdauer ist außergewöhnlich lang