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Allergie

Milder Winter, hohes Risiko

18.03.2016
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Von Verena Arzbach / Aufgrund des insgesamt milden Winters fliegen Pollen in diesem Jahr sehr früh, und Allergiker leiden womöglich früher als sonst unter Beschwerden. Besonders Birkenpollen könnten in diesem Jahr starke Beschwerden auslösen, prophezeien Experten.

Die milden Temperaturen hätten dazu geführt, dass Allergiebeschwerden gegen Frühblüher schon im Dezember einsetzten, sagte Professor Dr. Joachim Saloga von der Universitätsmedizin Mainz der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Pollen der frühblühenden Hasel und Erle werden bereits seit Mitte Februar in der Luft gemessen. Der frühe Pollenflug sei nicht nur begünstigt durch die warmen Temperaturen, sondern auch durch wenig Regen in vielen Teilen Deutschlands.

Für gewöhnlich ist der Winter für Allergiker eine beschwerdefreie Zeit, in der sich das Immunsystem regenerieren kann. »Ohne diese Pause erhöht sich das Risiko, Asthma zu entwickeln«, wird Saloga zitiert. »Die angegriffenen Schleimhäute und Atemwege können nicht so gut abheilen, das kann zu dauerhafter Schädigung führen.«

Geballte Birkenladung

Besonders Birkenpollen könnten Allergikern in diesem Jahr verstärkt Probleme bereiten. Nach Einschätzung der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) könnten Heuschnupfen und Asthma 2016 stärker ausfallen als im vergangenen Jahr. Der Grund: Alle zwei Jahre setzen die Birken besonders viele Pollen frei. Diese Mastjahre betreffen in der Regel gerade Jahreszahlen wie 2016. Nach Angaben des PID sollen die Birken Ende März deutschlandweit blühen. Die Stiftung rechnet damit, dass die Birkenpollen-Saison im Juni zu Ende geht.

Birkenpollen gelten als besonders aggressiv. Die Pflanzen geben innerhalb kurzer Zeit sehr viele Pollen frei. Hinzu kommt, dass Allergiker kaum eine Chance haben, den Allergenen zu entkommen. Denn die Birke, besonders die Hänge-Birke (Betula pendula Roth), ist in Deutschland weit verbreitet. Bis auf einige Gebirgsregionen kommt sie praktisch überall vor.

Pollenflugvorhersage

Die vom Deutschen Wetterdienst ausgegebene Pollenflugvorhersage für Deutschland finden Sie gruppiert nach Bundesländern und Regionen auf www.pta-forum.deunter Service. Dieser Dienst ist auch verfügbar über die PZ Info-App.

Mehr Gräserpollen erwartet

Auch Beschwerden durch Gräserpollen werden 2016 womöglich stärker ausfallen als in 2015. Die Konzentration an Gräserpollen nimmt in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern seit etwa 2010 nach Jahren stetigen Rückgangs wieder zu. Die Pollen sollen laut Vorhersage von April bis September fliegen. Die ermittelten Zeiten sollen Allergikern helfen, sich rechtzeitig auf die Belastung einzustellen, erläutert Professor Dr. Karl-Christian Bergmann, Leiter des PID, in einer Pressemitteilung. »Falls sich bei Menschen, die bisher keinen Heuschnupfen hatten, während dieser Zeit Beschwerden häufen, sollte ein Arzt konsultiert werden, um zu klären, ob eine Allergie vorliegt«, rät Bergmann.

Um sich vor den Pollen zu schützen, sollten Allergiker Kleidung, die draußen getragen wurde, direkt an der Garderobe lassen sowie mit Wasser durch die Haare streichen oder – noch besser – die Haare waschen. So lässt sich zumindest die Pollenbelastung in Innenräumen reduzieren. Weiter helfen Betroffenen Antihistaminika zur Linderung der Beschwerden und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung, um das Immunsystem langfristig an die Allergene zu gewöhnen. Mit der Hyposensibilisierung beginnt man üblicherweise im Herbst, damit im Frühling, wenn die meisten Pollen fliegen, eine Verbesserung spürbar ist. Zu Zeiten starken Pollenflugs sollte eine Sensibilisierung zurückgefahren oder ausgesetzt werden. Experten raten Allergikern dann auch, wenig Sport im Freien zu treiben, weil die Allergene dabei besonders tief in die Bronchien gelangen können. /