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Markteinführung

Neue Option bei Lungenkrebs

18.03.2016
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Von Sven Siebenand / Mit Osimertinib (Tagrisso® 40 und 80 mg Filmtabletten, Astra Zeneca) kam Mitte März eine neue orale Option zur Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs auf den deutschen Markt. Diese kann eine chemotherapeutische Behandlung hinauszögern.

Seit Jahrzehnten ist Lungenkrebs weltweit die häufigste Krebsart. Das Karzinom ist bei Männern die häufigste und bei Frauen die zweithäufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle. Osimertinib kommt beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) zum Einsatz, wenn die Krebserkrankung fortgeschritten ist oder der Tumor gestreut hat. ­Zudem muss ein Test im Vorfeld eine T790M-Mutation nachgewiesen haben. Das bedeutet eine Veränderung beim Gen für den sogenannten epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR). Bei Patienten mit Lungenkarzinom ist der EGFR häufig überaktiv, was zur unkontrollierten Teilung von Krebszellen führt.

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Osimertinib hemmt die Aktivität von EGFR. Im Gegensatz zu anderen Vertretern dieser Wirkstoffklasse ist der Neuling auch wirksam gegen Krebszellen mit der T790M-Mutation. Diese Mutation entsteht meist unter Therapie mit einem Tyrosinkinase-Hemmstoff in der Erstlinie, die dadurch unwirksam wird. Dann erhielten die Patienten bis dato in der Regel eine Chemotherapie. Diese kann nun dank des neuen Wirkstoffs herausgezögert werden.

Dispergieren möglich

Patienten nehmen als empfohlene ­Dosis einmal täglich 80 mg oral ein. Die Behandlung erfolgt bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten unzumutbarer Nebenwirkungen. Sollten bestimmte Nebenwirkungen oder Toxizitäten auftreten, kann der Arzt die Dosis auf einmal täglich 40 mg reduzieren. Grundsätzlich sollten die Tabletten im Ganzen mit Wasser geschluckt und nicht zerteilt, zerdrückt oder gekaut werden. Ist der Patient nicht in der Lage, die Tablette zu schlucken, kann er sie in stillem Wasser dispergieren. Die Flüssigkeit nimmt er dann sofort zu sich. Um sicherzustellen, dass kein Rest zurückbleibt, sollte er das Glas erneut zur Hälfte mit Wasser füllen und sofort austrinken.

Wichtig für die Beratung in der Selbstmedikation: Patienten, die Tagrisso einnehmen, dürfen keine Johanniskraut-Präparate zusätzlich anwenden. Andere starke CYP3A4-Induktoren sind in der Kombination mit Osimertinib ebenso zu vermeiden. Ferner gibt es bei mittlerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion keine Empfehlung für den Einsatz des neuen Wirkstoffs. Bei Patienten mit schwerer Nieren­insuffizienz sollte dieser nur mit Vorsicht erfolgen. Aufgrund des mög­lichen Auftretens einer schweren, lebens­bedroh­lichen oder tödlichen inter­stitiellen Lungenerkrankung und einer potenziellen Verlängerung des QTc-­Intervalls sollten auch diese Nebenwirkungen bekannt sein.

Sehr häufig kam es in Studien unter Osimertinib zu Durchfall (42 Prozent), Ausschlag (41 Prozent), trockener Haut (31 Prozent), Nagelbettinfektion (25 Pro­zent), Juckreiz (14 Prozent) oder Entzündung der Mundschleimhaut (12 Pro­zent). Sehr häufig nahm auch die Anzahl von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen ab.

Frauen im gebärfähigen Alter sollten darauf hingewiesen werden, eine Schwangerschaft während der Therapie mit Osimertinib zu vermeiden. Der Arzt sollte den Patienten raten, nach Abschluss der Behandlung mit dem Arzneimittel in der darauffolgenden Zeit für eine wirksame Kontrazeption zu sorgen: Frauen sollten nach der Therapie mindestens zwei Monate lang verhüten und Männer mindestens vier ­Monate lang. Schwangere sollten den neuen Wirkstoff nicht erhalten, es sei denn, der klinische Zustand der Patientin erfordert die Behandlung. Das Stillen sollten Frauen während der Behandlung mit Osimertinib unterbrechen.

Das neue Medikament wurde »unter Auflagen« zugelassen. Das heißt, dass der Hersteller weitere Daten für das Arzneimittel liefern muss. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA wird diese jährlich überprüfen und dann gegebenenfalls die Fach- und Gebrauchsinformation von Tagrisso aktualisieren lassen. /