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Honig

Hilfe bei Husten

16.03.2018
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Von Kerstin A. Gräfe und Elke Wolf / Um die Evidenz therapeu­tischer Interventionsmöglichkeiten bei Husten infolge eines grippalen Infekts ist es seit jeher schlecht bestellt. Das zeigt einmal mehr eine aktuelle US-Leitlinie. Danach hilft bei erkältungsbedingtem Husten bei Kindern allenfalls Honig.

Um eine US-Leitlinie aus dem Jahr 2006 zu erkältungsbedingtem Husten zu aktualisieren, analysierten Wissenschaftler um Professor Dr. Mark A. Malesker von der School of Pharmacy an der Creighton Universität im Bundesstaat Nebraska sechs systematische Reviews mit randomisierten kontrollierten Studien (RCT) und vier Interventionsstudien. Die Forscher gingen sechs Fragen nach, um anhand der Studiendaten die Evidenz aufzuzeigen.

Die erste Frage war, inwiefern sich Acetylcystein (ACC) auf die Hustendauer auswirkt. Die Forscher ana­lysierten dazu drei RCT, in denen sich unter ACC der Husten nach einer Therapie­dauer von sechs bis sieben Tagen signifikant besserte. Sie raten dennoch von dem Hustenlöser ab, da diese Beobachtung auch ohne pharmazeutische Intervention zu erwarten gewesen sei.

Zu einem ähnlichen Schluss kommen sie auch bei der zweiten Frage: Reduzieren Dekongestiva und Anti­histaminka die Hustendauer? Laut den Forschern sind die Daten hierzu widersprüchlich. Zwei Studien mit Erwachsenen deuten auf eine Wirksamkeit der Kombination von Dextromethorphan, Doxylamin, Paraceta­mol und Ephedrin hin. Eine solche Kombination werde in den USA jedoch­ nicht vertrieben. Bei Kindern zeigten Studien mit Paracetamol, Diphen­hydramin und Pseudo­ephedrin keine Wirksamkeit. Die Experten sprechen daher keine Empfehlung aus.

Auch der Therapieeffekt von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) kann die Forscher nicht überzeugen. Laut den ausgewerteten Daten von zwei kleineren RCT hatten NSAR im Vergleich zu Placebo keinen Einfluss auf die Dauer und Ausprägung des Hustens. Auch hier gibt es keine Empfehlung.

Anders sieht es bei der vierten Frage­ aus, die die Wirkung von Honig auf die Hustendauer bei Kindern analy­sierte. In zwei Studien fanden die Forscher bei Honig vergleichbare Effekte wie unter Dextromethorphan, allerdings stuften sie die Qualität dieser­ Studien als gering ein. In zwei weiteren RCT fanden sie einen Vorteil für Honig im Vergleich zu Placebo. In einer Studie war Honig Diphenhy- dramin überlegen. Unterm Strich kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Honig bei Kindern durchaus empfeh­lenswert sei. Die Haupt­wirkung von Honig bei der Reiz­hustenbe­handlung ist vermutlich auf dessen hochviskose Struktur und den damit verbundenen Eigenschaften als Demulzenzium zurückzuführen.

Frage fünf, ob Zink die Husten­dauer verkürzen oder die Symptome lindern kann, bejahen die Forscher. In einer Dosis von 75 mg pro Tag konnte Zink in den meisten Studien die Husten­dauer bei Erwachsenen im Vergleich zu Placebo etwas verkürzen, vor allem, wenn das Spurenelement innerhalb von 24 Stunden nach Symptom­beginn gegeben wurde. Dennoch sprechen die Autoren keine Em­pfehlung aus. Als Gründe nennen sie die schwache Evidenz, die potenziellen Nebenwirkungen von Zink und den meist gutartigen Verlauf einer Er­kältung.

Zum Schluss nahmen die Forscher OTC-Medikamente wie Expektoranzien und Antitussiva unter die Lupe. Sie hinter­fragten dabei unter anderem Bromhexin und Guaifenesin sowie Dextromethorphan und Codein, das in den USA nicht der Verschreibungspflicht unterliegt. Die Studienqualität wurde durchweg als sehr schlecht bezeich­net, eine Empfehlung könne somit nicht ausgesprochen werden. Insge­samt bedauern die Experten, dass sich bei den Therapieoptionen gegen erkältungsbedingten Husten seit 2006 nicht viel getan habe.

Begleitend behandeln

Auch gemäß der Leitlinie Husten der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) heilt ein erkältungsbedingter Husten ohne spezifische medikamentöse Therapie in der Regel folgenlos aus. Im Gegensatz zu den US-Empfehlungen verweist die DEGAM-Leitlinie aber darauf, dass eine medikamentöse Therapie – sofern vom Patienten gewünscht – begleitende Beschwer­den und Symptome lindern kann. So empfiehlt sie zum Beispiel in Ausnahmefällen die Anwendung von Antitussiva. Diese wirkten zwar hinsichtlich des Hustenreizes nicht besser als Placebo, verbessern aber die Schlaffähigkeit.

Auch NSAR seien empfehlenswert – nicht hinsichtlich des Hustens, aber durchaus zur symptomatischen Linderung von Kopf- und Gliederschmerzen. Gleiches gilt für die kurzzeitige Anwendung von Dekongestiva zur besseren Nasenatmung. Nicht zuletzt verweist die deutsche Leitlinie zur Symptomlinderung auf mehrere Phytopharmaka. /­

Medizinalhonig

Der Honig, der auf das Frühstücks­brötchen kommt, unterscheidet sich vom Honig, der für medizinische Zwecke­ genutzt wird. Bei Medizinalhonig, etwa zur Wund- oder Hustenbehandlung, muss aus pharmazeutischer Sicht auf Arzneibuchqualität ge­achtet werden. Der Honig muss nachweislich frei von Fremdstoffen wie organische Säuren, Antibiotika oder Schwermetalle sein. Das Europäische Arzneibuch hat mit »… müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um sicher­zustellen, dass der Ge­halt an Rück­ständen so gering wie möglich ist« eine sehr vage Formulierung zur Vermeidung von Unreinheiten gewählt. Lediglich für 5-Hydroxymethylfurfural (Oxidationsprodukt der Fructose) sieht es bei der Prüfung auf Reinheit einen Grenzwert von maximal 80 ppm vor, als Indikator für korrekte Lagerung und Verarbeitung sowie für Frische.

Keimfrei muss der medizinische Honig­ sein, der in der Wundbehandlung zum Einsatz kommt. Dazu wird er Kobalt-60-Gammastrahlung ausgesetzt. Deren Radioaktivität macht ihn steril und haltbar, die Aktivität der Glucoseoxidase und somit­ die Entstehung von antibak­teriellem Wasserstoffperoxid wird dabei aber nicht eingeschränkt. So entsteht ein Medizinprodukt mit Indi­kation für die Wundbehandlung.