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Homöopathie

Sinnvolle Mittel bei Heuschnupfen

16.03.2018
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Von Verena Schröer / Endlich werden die Tage länger, und die Sonne lässt sich wieder häufiger blicken. Doch mit dem Beginn des Frühlings startet auch die Heuschnupfensaison. Neben klassischen Antiallergika können PTA und Apotheker auch einige homöopathische Mittel empfehlen.

Heuschnupfen und andere Allergien haben in den vergangenen Jahrzehnten wahrnehmbar zugenommen. Einige Studien weisen darauf hin, dass bei dieser­ Entwicklung die übermäßige Hygiene­ unserer Gesellschaft eine Rolle spielt. Doch was passiert bei einer allergischen Reaktion eigentlich im Körper? Eine Allergie ist eine überschießende Immunreaktion des Körpers auf Allergene, körperfremde Stoffe, die einen gesunden Körper nicht schädigen würden. Bei Heuschnupfen handelt es sich um eine Typ-I-Allergie. Dabei reagiert der Körper auf die Allergene mit einer übermäßigen Bildung von IgE-Anti­körpern. Diese setzen sich auf die Oberfläche von Mastzellen. So erfolgt beim Erstkontakt eine Sensibi­lisierung auf das Allergen. Beim Zweitkontakt mit dem gleichen Allergen platzen die Mastzellen auf und schütten­ das enthaltene Gewebshormon Histamin aus, das zu den Allergiesymptomen an den Augen, der Nase, dem Bronchialsystem oder der Haut führt. Daher ist der Einsatz von Anti­histaminika in der allopathischen Behand­lung üblich. Der Vorteil einer homöopathischen Behandlung der Allergie besteht darin, dass diese keine Nebenwirkungen hat und bei wiederholter Anwendung die Allergieneigung des Körpers abbauen soll.

Das Grundprinzip der Homöopathie ist, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Um die Wirkung einer Substanz herauszufinden, erfolgt die Arzneimittelprüfung am Gesunden. Nach homöopathischer Verarbeitung werden die Arzneimittel dann genau bei den Symptomen eingesetzt, die sie beim Gesunden­ auslösen. Die homöopathische Behandlung soll Reize setzen, die die Selbstheilungskräfte anregen.

Schnupfen und Tränen

Ein gängiges homöopathisches Heuschnupfenmittel ist Galphimia glauca D6 (Galphimia). Es kann eingesetzt werden, wenn die Nase, die Augen und die Bronchien gleichermaßen be­troffen sind und nicht einzelne Symptome im Vordergrund stehen. Der Patient hat ­einen Fließschnupfen und die Augen tränen. Dabei bekommt er schlecht Luft. Es kommt auch zu Niesanfällen und asthmatischen Beschwerden. Allium cepa D6 (Küchenzwiebel) dagegen wird empfohlen, wenn die Nase und die Augen, aber nicht die Bronchien betroffen sind. Aus der Nase fließt dabei ein scharfes­ wäss­riges Sekret, die Augen­ tränen und brennen wie beim Schälen einer Zwiebel.

Wenn sowohl die Nasenlöcher als auch die Augen und die Nasenschleimhäute gerötet sind und brennen, sollten PTA und Apotheker ­Sinapis nigra D6 (Schwarzer Senf) an­raten. Der Nasenschleim ist scharf und brennend, die Nasenlöcher sind abwechselnd verstopft. Oft tritt auch ein brennendes Gefühl im Rachen auf.

Immer häufiger tritt auch eine Symptomatik auf, bei der ein Juckreiz im Rachen­, in den Ohren und am Hals im Vordergrund steht. Die Patienten möchten sich kratzen. Bei diesen Symptomen sollten PTA und Apotheker Arundo donax D6 (Pfahlrohr) empfehlen.

Sind die Nase und die Nebenhöhlen mit einem zähen, weißen bis gelblichen Schleim verstopft, der auch häufig in den Rachen fließt, ist Luffa operculata D6 ­(Kürbisschwämmchen) das Mittel der Wahl. Dabei sind die Nasenschleim­häute trocken. Oft muss der Patient sich auch räuspern und hüstelt. Luffa wird außerdem gerne bei Hausstaubmilbenallergie eingesetzt. Entsprechende Mittel sind sowohl als ­Globuli, als auch als Nasenspray im Handel.

Euphrasia D6 (Augentrost) wird eingesetzt, wenn vor allem die Augen betroff­en sind. Bei tränenden, brennenden und geröteten Augen können PTA und Apotheker den Augentrost als ­Globuli oder auch als Augentropfen empfehlen. Die lokale Anwendung macht hier durchaus Sinn und wird auch gerne vom Patienten angenommen. Euphrasia ist das Mittel der Wahl bei einer nicht eitrigen Bindehaut­entzündung, auch wenn diese nicht durch eine Allergie hervorgerufen wird. Wenn die allergische Re­aktion sich zunehmend an den Bronchien bemerkbar macht, sollte Acidum formicicum D12 (Ameisensäure) empfohlen werden. Diese Patienten haben auch das Gefühl, schlecht Luft zu bekommen. Die Ameisensäure gilt als homöopathisches ­Umstimmungsmittel. Sie führt durch Anre­gung von Körperfunktionen zu einer Verbesserung der Organ­funktionen.

Homöopathische Mittel werden ge­nerell bei akuten Beschwerden und nicht prophylaktisch angewandt. Trotzdem lässt sich die allergische Dispo­si­tion auch schon vor der eigentlichen Heuschnupfensaison behandeln. Dabei wird ungefähr sechs Wochen vor dem Pollenflug mit dem Mittel begonnen, das zu den Symptomen im Vorjahr passt. Es folgt eine dreiwöchige Behandlung. Dann wird eine Woche pausiert, bevor die nächste dreiwöchige Behandlung beginnt. Die Therapie­pause ist notwendig, weil ein konstanter Reiz vom Körper irgendwann nicht mehr wahrgenommen würde. Gute Erfahrun­gen bei der präsaisonalen Behandlung gibt es mit Galphimia glauca, Acidum formicicum und Luffa operculata.

Richtig dosieren

PTA und Apotheker sollten für Säuglinge einen Globulus, für Kleinkinder drei Globuli und für Erwachsene fünf Globuli als Einzeldosis empfehlen. Dabei sollten sie D6-, D3- und D12- Potenzen einsetzen. Bei einer D3- oder D6-Potenz ist eine dreimal tägliche Anwendung üblich. In akuten Situationen ist kurzfristig eine Steigerung der Einnahmehäufigkeit auf maximal zwölfmal pro Tag sinnvoll. Eine D12-Potenz sollte zweimal täglich eingenommen werden. In akuten Situationen kann die Einnahme auf fünfmal täglich ge­steigert werden.

Homöopathische Arzneimittel sollen mit mindestens 15 Minuten Abstand zu Nahrung eingenommen werden. Am besten wirken die Globuli, wenn der Patient sie im Mund zer­gehen lässt. Starke Gewürze, ätherische Öle, Kaffee und alko­holische Getränke können sich nega­tiv auf die Wirksamkeit der Mittel auswirken. Deshalb sollten während der Therapiezeit diese Reize möglichst gemie­den oder zu­mindest auf ein Maß reduziert werden, das der Patient gewohnt ist.

PTA und Apotheker können das Be­ratungsgespräch mit nützlichen Zu­satzhinweisen abrunden. So können sie dem Heuschnupfenpatienten raten, einen­ Pollenflugkalender oder eine ent­sprechende App zu nutzen, um den Aller­genkontakt zu reduzieren. Oft hilft es auch, abends die Haare zu waschen, ­damit die Patienten nachts weniger ­Allergenen ausgesetzt sind. Aus dem gleichen Grund sollten Patienten nachts bei geschlossenem Fenster schlafen. Bei Pollenflug sollte die Wäsche nicht im Freien getrocknet werden. /