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Selbstbräuner

Sonne aus der Tube

16.03.2018
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Von Elke Wolf / Bis eine gesunde Sommerbräune für einen ­frischen Teint sorgt, dauert es noch etwas. Selbstbräuner können diese Zeit verkürzen. Sie färben Beine, Arme und Gesicht und überdecken blasse Winterhaut. Immer mal wieder auftauchende Medienberichte über Schadstoffe in den Präparaten verunsichern die Anwender. Wie die Belastung einzuschätzen ist und wie man Selbstbräuner sicher anwendet, fasst der Artikel zusammen.

Die meisten selbstbräunenden Prä­parate enthalten den Wirkstoff Dihy­droxyaceton (DHA). Dieser reagiert mit Aminosäuren des Keratins der Hornschicht. Durch die stattfindende Maillard-Reaktion entstehen sogenannte Melanoide, in ihrer Struktur nicht näher definierte dunkle Sub­stanzen. Je nach chemischer Zusammensetzung und Dicke der Hornschicht ergeben sich ganz unterschiedliche Braunschattierungen. Die Reaktion fällt umso stärker aus, je dicker die Hornhaut ist. Deshalb werden zum Beispiel­ die Handinnenflächen besonders braun, wenn man die Hände nach dem Auftragen nicht gründlich reinigt. Bisweilen entwickelt sich auch ein kosme­tisch unbefriedigender Gelbton.

Die Färbung der Haut beginnt nach etwa einer Stunde und ist nach etwa acht Stunden voll ausgeprägt. Die Bräune hält, anders als bei sonnen­gebräunter Haut, nur kurz an. Selbstbräuner wirken lediglich oberflächlich. Von der oberen Hautschicht lösen sich über den Tag verteilt unzählige Hautschüppchen. Auch die Farbpigmente rubbeln sich so mit der Zeit vom Körper. Die Bräune überdauert deshalb so maximal fünf Tage.

Dihydroxyaceton ist ein Monosaccharid mit drei Kohlenstoffatomen, dessen Phosphat im menschlichen Stoffwechsel als natürliches Zwischenprodukt vorkommt, und damit völlig unschädlich ist. Berichte, die vor einer Anwendung warnten, bezogen sich auf das Vorkommen von Formaldehyd in Selbstbräunern. Es entsteht, wenn sich Dihydroxyaceton zersetzt. Diese Re­­aktion wird durch Wärme begünstigt und verläuft immer schneller, je älter die Zubereitung ist.

Achtung bei Aufbewahrung

Ob und in welchem Maße sich Formaldehyd bildet, lässt sich also über die Lager­ung des Präparates beein­flussen: Große Wärme oder direkte Sonneneinstrahlung gilt es zu meiden. Gut auf­gehoben sind Selbstbräuner dagegen in einem kühlen und dunklen Schrank, jedoch nicht im Badezimmer, dort ist es oftmals zu warm. Riecht das Präparat unan­genehm, ist das Haltbarkeitsdatum überschritten und wurde es nicht kühl gelagert, wirft man es also besser weg.

Beachten Anwenderinnen die Vorsichtsmaßnahmen, gelten­ Hautbräuner als ungefährlich. Moderne Präparate enthalten heute mit 2 bis 5 Prozent auch weniger Dihydroxy­aceton als früher. Eine Penetration bis in le­bende Hautschich­ten ist nicht zu erwarten. Wenn man so will, schaden sie weit we­niger als UV-Strahlung, wenn man sich ihr ungeschützt aussetzt­. Allerdings bieten Selbstbräuner selbst keinen Schutz vor UV-Strahlung.

Die manchmal auftretenden Unverträglichkeits­er­­schei­nungen sind meist auf Konservierungsmittel oder Duftstoffe zurückzuführen, die im Präparat den unangeneh­men Eigen­geruch des Dihydroxyacetons überdecken sollen.

Tipps für die Anwendung

Zu häufiges und ungleichmäßiges Auftragen sind die häufigsten Fehler bei der Anwendung. Das Präparat täglich aufzutragen, ist nicht sinnvoll, da Dihydroxyaceton bereits mit dem Keratin der Hornschicht reagiert und eine Bräunung eingesetzt hat. Ein Mehr an Substanz kann nicht mehr leisten­. Erst wenn sich die Hautschuppen abstoßen, etwa nach fünf bis sieben Tagen, ist eine Nach­behandlung sinnvoll. Um den Farbton zu verbessern, haben­ Hersteller einigen Prä­paraten Juglon aus der grünen­ Schale der Walnüsse zu­gesetzt. Für einen streifenfreien Look ohne fleckige Pigmentierung ist es wichtig, die Haut gründlich zu reinigen und lockere­ Hautschuppen durch ein Peeling zu entfernen.

So werden auch verhornte Stellen wie Ellenbogen oder Knie vor übermäßiger Braunfärbung geschützt. Noch gleichmäßigere Ergebnisse erzielt man, wenn man Knie-, Ellen­bogen oder den Haaransatz mit einer Pflegecreme vorbehandelt. Da Dihydroxyaceton die Haut austrocknet, enthalten die meisten Selbstbräuner Feuchthaltefaktoren.

Sofort nach der Behandlung müssen die Hände und Nägel­ gründlich von Spuren des Selbstbräuners gereinigt werden. Vorsicht auch vor einer Färbung der Wäsche: Wenn die Hautschuppen natürlicherweise nach und nach abgestoßen werden­, können sie aufgrund ihrer Färbung die Kleidung, vor allem den Kragen, verschmutzen.

Natürliche Alternativen

Bei einigen Menschen, etwa zehn Prozent sollen es sein, lässt sich die Hornschicht durch Dihydroxyaceton nicht anfärben. Ihrem Keratin fehlen die Reaktionspartner, sodass die Anwend­ung ohne Erfolg bleibt. Für sie eignen sich Präparate mit Erythrulose, die in Konzentrationen von zwei bis zehn Prozent für eine natürliche Färbung sorgt. Allerdings ist das Ergebnis erst nach 24 bis 36 Stunden sichtbar, da die Ketose erst in tiefere Hautschichten vordringen muss. Dafür ist die Bräune gleichmäßiger und hält länger an. Da Erythrulose stabiler als Dihydroxyaceton ist, entstehen keine Spalt­produkte. Viele Präparate enthalten heute eine Kombination aus Dihydroxyaceton und Erythrulose.

Gelegentlich enthalten auch Sonnenschutzmittel selbstbräunende Zusätze. Dafür wird neben Dihydroxyaceton gerne Juglon verwendet. Diese Rezepturen haben psychologische Gründe. Die entstehenden Farbstoffe haben zwar keine Schutzwirkung, sollen jedoch den Benutzer dazu veranlassen, wegen des schnelleren Bräunungserfolgs sein Sonnenbad früher­ zu beenden als ohne diesen­ Zusatz­. Allerdings könnte der Sonnenhungrige durch den inten­siveren Braunton auch von der falschen Annahme ausgehen, bereits einen hohen Eigen­schutz vor UV-Strahlung zu besitzen und sich so zu lange der Sonne aussetzen. /