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Arzneipflanzenporträt

Wegwarte

16.03.2018
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Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus)
Familie der Korbblütler (Asteraceae)
Weitere Namen: Zichorie, Wegeleuchte, Hansl am Weg, Sonnenwedel, Blaue Distel, Kaffeekraut

Merkmale

  • bis zu 1 m hohe mehrjährige Staude
  • im ersten Jahr nur bodenständige Blattrosette mit 10 bis 30 cm langen schrotsägeförmigen Grundblättern
  • später verzweigter, borstig behaarter Stängel mit lanzettlichen Blättern
  • zahlreiche himmelblaue, selten weiße Blüten (3 bis 5 cm)
  • Blütezeit: Juli bis Oktober
  • Blüten öffnen sich nur vormittags
  • unterirdische 10 bis 30 cm lange Spindelwurzel
  • kleine kantige Früchte mit kurzem Haarkranz

Heimat

  • vermutlich England
  • fast weltweit verbreitet an Wegrändern, Schutthalden und Bahndämmen

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Wurzel (Cichorii radix)
  • Droge stammt meist aus Wildsammlungen aus Polen und Russland
  • auch das geschnittene Kraut ist als Tee im Handel

Inhaltsstoffe

  • bittere Sesquiterpenlactone
  • Cumarine
  • Phenolcarbonsäuren
  • Inulin

Medizinische Anwendung

Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • einmal täglich eine Tasse Wegwartenwurzeltee; Tagesdosis 2 bis 4 g
  • sinnvoll ist auch eine Mischung aus gleichen Teilen Wegwartenwurzel und Löwenzahnwurzel

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Zubereitung

2 bis 4 g fein geschnittene Wegwartenwurzel mit circa 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen

Abgabehinweis

Nicht anwenden bei Allergie gegen Korbblütler

Muckefuck und bitterer Salat

Beim Rösten der inulinreichen Wurzel der Gemeinen Wegwarte entstehen Substanzen mit Kaffee-ähnlichem Geschmack. Friedrich der Große förderte den Anbau der Zichorie als preisgünstige Alternative zum teuren Bohnenkaffee. Zusammen mit Gerste und Roggen war die geröstete Zichorienwurzel Bestandteil eines koffeinfreien Kaffee-Ersatzes. Auch heute noch gibt es solche als Landkaffee bezeichneten Kompositionen im Handel. Die Rheinländer haben dafür während der Besatzung durch Napoleon den Begriff »Muckefuck« kreiert – eine Verballhornung des französischen »mocca faux«, was übersetzt falscher Mokka heißt.

Als belgische Bauern im vergangenen Jahrhundert nach einer reichen Ernte die überschüssigen Wurzeln der »Kaffee-Zichorie« im Gewächs­haus mit Erde bedeckten, beobachteten sie zufällig im Winter kräftige bleiche Knospen. Die Pflanzen wurden in Kultur genommen, weiter entwickelt und als Chicorée auf den Markt gebracht.