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Interview

Erfahrungen einer Brustkrebs-Patientin

31.07.2008  11:32 Uhr

Interview

Erfahrungen einer Brustkrebs-Patientin

Annette van Gessel

Vor der Diagnose Brustkrebs fürchtet sich jede Frau. Manche scheuen aus Angst sogar davor zurück, zur Früherkennung eine Mammographie machen zu lassen. Umso größer ist der Schreck, wenn Frauen selbst eine Verhärtung des Brustgewebes feststellen. Apothekerin Sylvia Gabelmann gibt im Interview mit PTA-Forum aus der eigenen Betroffenheit ihren Geschlechtsgenossinen Ratschläge. Diese richten sich auch an diejenigen, die noch nicht an Brustkrebs erkrankt sind beziehungsweise deren Diagnose noch nicht feststeht.

PTA-Forum: Wohin sollten sich Frauen wenden, die eine Vorsorgeuntersuchung machen lassen wollen?

Gabelmann: Unbedingt empfehlenswert ist es, Mammographie- oder Ultraschalluntersuchungen in einem spezialisierten Zentrum machen zu lassen. Dort ist insbesondere die Qualität der Geräte auf dem neuesten Stand, da die meisten erst vor kurzem eröffnet wurden. Außerdem haben die Ärzte in diesen Zentren ausreichend Erfahrung im Auswerten der Aufnahmen. Das ist im Einzelfall oft entscheidend wichtig.

PTA-Forum: Sollten die Frauen den Befund auch mit ihrem Frauenarzt besprechen?

Gabelmann: Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. In jedem Fall sollten sie sich, auch bei einem unauffälligen Befund, die Auswertung der Untersuchung aushändigen lassen, möglicherweise sogar die Mammographieaufnahmen.

PTA-Forum:Wie zuverlässig sind die Diagnosen der Spezialisten? 

Gabelmann: Vor allem bei einem nicht ganz klaren Befund sollte die Frau auf jeden Fall auf einer weiteren Diagnostik bestehen. Ich rate allen, in solchen Situationen sehr genau dem eigenen Gefühl zu vertrauen. Auch wenn jede zunächst lieber eine Entwarnung hört, sollte sie sich nicht beschwichtigen lassen und die eigenen Ängste und Sorgen ernst nehmen. Wenn der Arzt oder die Ärztin vorschlägt, die nächste Untersuchung zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt zu machen, sollte sich die Frau auch nicht vom Kostenfaktor abschrecken lassen. Ich habe eine deutliche Verhärtung getastet, die mein Frauenarzt aber als Mastopathie einordnete. Der Radiologe hatte den Befund allerdings bereits als unklar eingestuft: »kein sicherer Tumorausschluss«. Durch die Aussage meines Gynäkologen habe ich mich beruhigen lassen und bin immer brav zu den nächsten Untersuchungsterminen im Einjahresabstand gegangen, bis dann zweieinhalb Jahre nach der ersten Mammographie die Diagnose lautete:  fortgeschrittenes Mammakarzinom.

PTA-Forum: Was würden Sie Frauen raten, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden? 

Gabelmann: Meiner Erfahrung nach ist es immens wichtig, dass sich die Frau schon bei der Vorsorgeuntersuchung als mündige Patientin verhält. Dazu reicht es nicht aus, dass Spezialisten die Diagnostik durchführen. Sie sollte sich von diesen auch die Befunde ausführlich erklären lassen und eventuell mit einem weiteren Arzt besprechen. Doch ich möchte noch einmal betonen, dass Frauen ihrem eigenen Gefühl unbedingt vertrauen sollten. 

PTA-Forum: Welche Möglichkeiten haben die Frauen bei unklaren Befunden? 

Gabelmann: In der Regel entsteht der Verdacht auf ein Karzinom aufgrund verdächtiger Mammographie- und Ultraschallergebnisse. Bei unklaren Befunden gibt es verschiedene Möglichkeiten der Abklärung, die von der Magnetresonanztomographie (MRT) bis hin zur Biopsie reichen. Und auch bei der Biopsie gibt es unterschiedliche Methoden. 

Beispielsweise ist zu entscheiden, ob die Biopsie in einem kurzen zeitlichen Abstand zu einer möglichen Operation gemacht wird. Manchmal wird aber auch auf eine Biopsie verzichtet und der Befund durch einen Schnellschnitt während der eigentlichen Operation gesichert. Erst der pathologische Befund des Gewebes, das bei der Operation entnommen wurde, ist ein gesicherter Karzinom-Befund. Je nach Ausweitung des Krebsgeschehens entscheidet der Chirurg dann, ob er die Brust erhalten kann oder auch nicht.

PTA-Forum: Was können Frauen richtig, aber auch falsch machen, nachdem der Verdacht auf ein Karzinom besteht? 

Gabelmann: Wenn der Verdacht auf Brustkrebs feststeht, ist das Wichtigste, erst einmal mit seinen Ängsten fertig zu werden. Die Patientinnen sollten bei Freundinnen, eventuell auch bei einem Psychotherapeuten Unterstützung suchen. Viele Brustzentren arbeiten mit Psycho-Onkologen zusammen, denn, solange man quasi von Panik geschüttelt ist, kann man keine klaren und vernünftigen Entscheidungen treffen, die lebensentscheidend sein können. Und obwohl jeder versteht, dass die Frau möglichst schnell etwas unternehmen möchte, ist meine Erfahrung: Es gibt keinen Grund zur Eile.

Denn in dieser Situation sind viele wichtige Fragen zu klären, beispielsweise welche Therapie sinnvoll oder welche Form der Operation wirklich notwendig ist. Eine weitere entscheidende Frage ist, wer die Operation durchführen soll. Manche niedergelassenen Frauenärzte haben in einem Krankenhaus in der Nachbarschaft Belegbetten und bieten ihren Patientinnen daher an, selbst zu operieren. Mein Rat: Die Operation sollten erfahrene Chirurgen in einem spezialisierten Brustzentrum durchführen. Außerdem profitiert die Patientin dort von der engen Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, der Onkologen, Radiologen und Gynäkologen. Wer ein solches Brustzentrum ein seiner Nähe sucht, kann sich schnell über das Internet informieren.

PTA-Forum: Die Operation ist nur ein Glied in der Kette der möglichen Maßnahmen zur Heilung. Welche Schritte sollte die Frau noch unternehmen? 

Gabelmann: Nach meiner Überzeugung sind Krebserkrankungen multikausale Geschehen, deren Entstehung und Verlauf von vielen verschiedenen Faktoren abhängen, sowohl psychischen als auch körperlichen. Diese Aspekte sollte die Therapie berücksichtigen und von möglichst unterschiedlichen Seiten angreifen.

PTA-Forum: Was verstehen Sie darunter? 

Gabelmann: Zum einen natürlich immer noch die konventionellen Methoden, abgekürzt mit Stahl, Strahl und Chemo. Diese wirken in der Regel sehr radikal, weil ja nicht nur die Krebszellen zerstört werden, sondern auch ganz viel gesundes Gewebe geschädigt und belastet wird.

Die Möglichkeiten der komplementären Therapie, nicht als Alternative zu den Methoden der Schulmedizin, sondern ergänzend dazu, zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken und seine gesunden Anteile zu schützen. Das ist keine leichte Aufgabe! Hier können PTA oder Apotheker die Patientinnen in der Apotheke über unseriöse Verfahren aufklären und auf fundierte Therapien hinweisen. So übernehmen beispielsweise die gesetzlichen Krankenkassen die Misteltherapie und auch die Psychotherapie. Die Betreuung durch einen erfahrenen Psychotherapeuten halte ich für sehr, sehr wichtig. Außerdem habe ich gute Erfahrungen mit Sauerstofftherapien, Enzymen, Antioxidantien und der Homöopathie gemacht. 

Leider reicht in der Apotheke meist die Zeit nicht aus, um die Patientinnen umfassend über alle Therapiemöglichkeiten zu informieren. PTA oder Apotheker können hier jedoch Orientierungshilfen geben. Hilfreich ist auch, wenn ein naturheilkundlich ausgebildeter Arzt oder eine Ärztin mit Erfahrung in der komplementären Krebsbehandlung die Therapie begleiten. Diese machen in der Regel vorab eine entsprechende Diagnostik, kontrollieren beispielsweise den Immunstatus der Patientin. Eine wichtige Informationsquelle hierfür ist die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr mit der Internetadresse www.biokrebs-heidelberg.de.

PTA-Forum: Welche anderen Maßnahmen können Sie noch empfehlen? 

Gabelmann: Des Weiteren sind alle Methoden, die zur Entspannung beitragen und den Körper kräftigen, zu empfehlen. Mir hat besonders Yoga und Qigong sehr gut getan und tun es auch heute noch. Aber auch Meditation, autogenes Training und Sport sind im allgemeinen hilfreich. Vor allem beim Sport sind die positiven Auswirkungen auf den Verlauf der Krankheit inzwischen ja belegt.

Unter den vielen Möglichkeiten muss jede Frau ihren eigenen Weg finden, mit der Krankheit umzugehen. Ich glaube aber, auf alle trifft folgendes zu: sehr aufmerksam in sich hineinhören, fühlen, was einem gut tun könnte, spüren, was einem vielleicht schadet, und sich selbst sowie das eigene Leben wirklich wichtig nehmen. Das Leben ist so fragil und gleichzeitig so wertvoll, dass es tatsächlich im Mittelpunkt stehen sollte. Unabhängig von der individuellen Situation sollte jede Frau ihr Leben schützen und genießen, so gut es eben geht.