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Asthmatherapie

Neue Leitlinie für Kinder

01.08.2008  10:26 Uhr

Asthmatherapie

Neue Leitlinie für Kinder

PTA-Forum / In Deutschland leben derzeit etwa 4 Millionen Asthmatiker, das sind etwa 5 Prozent der Erwachsenen und 10 Prozent der Kinder. Junge Patienten benötigen allerdings eine andere Therapie als ältere.

Die Lungen von Kindern befinden sich noch in der Entwicklung, ihr Immunsystem ist nicht ausgereift, und ihre Atemwege verkrampfen leichter und verengen sich. Dazu kommt, dass die Anwendung spezieller Arzneimittel, zum Beispiel die Inhalation von Kortison-Sprays, Kindern schwerer fällt als Erwachsenen. Zudem fürchten manche Eltern die Nebenwirkungen der Kortikoide. Daher wenden junge Patienten die Sprays oft seltener an, als es der Arzt verordnet. Jetzt gibt es eine internationale Leitlinie für Kinder und Jugendliche mit neuen Therapie-Optionen.

Experten aus 18 Ländern, darunter aus Europa, Kanada und den USA, veröffentlichten im Januar die PRACTALL-Leitlinie (PRACTical ALLergology) in der Fachzeitschrift Allergy. Neu ist, dass nun inhalative Kortikoide und der orale Leutkotrien-Antagonist Montelukast (Singulair®) gleichberechtigt zur Dauertherapie für Kinder, die älter als 2 Jahre sind, empfohlen werden. Die Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin rät hingegen nach wie vor als Therapie der ersten Wahl inhalative Kortikosteroide in niedriger Dosierung anzuwenden. Montelukast wird nur in begründeten Einzelfällen als Alternative für Kinder und Jugendliche mit leicht persistierendem Asthma erwähnt.

Nach der PRACTALL-Leitlinie erfolgt die Asthma-Therapie nicht mehr nach einem Stufenschema, das sich nach dem Schweregrad der Erkrankung richtet. Jetzt wird ergebnisorientiert behandelt, das heißt, bis der Patient seine Beschwerden gut im Griff hat. Dabei sei die Kontrolle der Entzündung gleichbedeutend mit der Kontrolle der Symptome, kommentiert der Kinder-Pneumologe Professor Dr. Ullrich Wahn von der Charité Berlin und Mitautor der PRACTALL-Leitlinie die neue Therapie-Option.

Unter einem »gut kontrollierten« Asthma verstehen die Autoren, wenn der Patient höchstens zweimal pro Woche tagsüber Beschwerden hat, nachts keine Beschwerden hat, körperlich belastbar ist, höchstens zweimal pro Woche Bedarfsmedikamente braucht, seine Lungenfunktion im Lungenfunktionstest normal ist, keine Exazerbation (kein Krankheitsschub) im vergangenen Jahr auftrat.

Lässt sich das Asthma durch ein inhalatives Kortikoid oder den Leukotrien-Ant-agonist nur ungenügend kontrollieren, empfiehlt die neue Leitlinie, entweder die Steroiddosis zu erhöhen oder zu Montelukast ein sterodiales Kortikoid zu ergänzen (Kombinationstherapie). Erfüllt der Patient danach immer noch nicht die oben genannten Kriterien, kommt in einer zweiten Stufe die Kombination mit einem langwirksamen Beta-2-Mimetikum in Betracht. Hat sich der Krankheitsverlauf nach einer gewissen Zeit stabilisiert, sollen allmählich die Dosis und die Zahl der Arzneimittel reduziert werden.

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