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Selbstmedikation

Sinn und Unsinn von Mineralstoff-Supplementen

27.07.2009  11:41 Uhr

Selbstmedikation

Sinn und Unsinn von Mineralstoff-Supplementen

von Daniela Schierhorn

28 Prozent der Deutschen nehmen Vitamin- oder Mineralstoffpräparate ein, um ihren Organismus ausreichend mit den Mikronährstoffen zu versorgen. Der Markt der Supplemente ist riesig und für Laien sehr unübersichtlich. PTA und Apotheker sollten jeden Präparatewunsch kritisch hinterfragen sowie Kunden und Patienten über die Symptome einer Mangelversorgung  informieren.

Immer wieder weisen Ernährungswissenschaftler auf die lebenswichtige Bedeutung der Mineralstoffe für Wachstum, Entwicklung und Fortpflanzung hin. Sie teilen Mineralstoffe nach ihrer Konzentration im Körper in Mengen- und Spurenelemente ein. Mengenelemente kommen in relativ hohen Konzentrationen im Organismus vor (über 50 mg/kg Körpergewicht). Zu ihnen zählen Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Chlorid und Phosphor. Alle anderen Mineralstoffe heißen Spurenelemente. Hier gelten Eisen, Iod, Fluorid, Zink, Mangan, Selen, Kupfer, Chrom und Molybdän als essenziell.

Mineralstoffe sind für den Aufbau von Knochen, Zähnen, Hormonen und Blutzellen unerlässlich. Sie halten den osmotischen Druck der Zellen aufrecht, sorgen für die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen und aktivieren eine Vielzahl von Enzymen. Experten vermuten, dass längst noch nicht alle physiologischen Wirkungen und vorbeugenden Effekte der Mineralstoffe bekannt sind. Wichtige Mangelerscheinungen bei Unterversorgung mit Mineralstoffen fasst Tabelle 1 zusammen. 

Tabelle 1: Mangelerscheinungen bei Unterversorgung mit wichtigen Mineralstoffen

Element Mangelerscheinungen
Calcium Rachitis (bei Säuglingen), Entmineralisierung von Knochen und Zähnen, erhöhte Kariesneigung, Krämpfe
Kalium Muskelschmerzen, -krämpfe und -schwäche, Kreislaufschwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit
Natrium/Chlorid Abnahme des Herzschlagvolumens, der Koronar- und Organdurchblutung, Durst, Krämpfe, Übelkeit, Schwäche, Lethargie
Magnesium Muskelkrämpfe, Muskelzucken, Schwindel, Nervosität, Konzentrationsschwäche, Herz-Rhythmus-Störungen, vorzeitige Wehen
Phosphor Entmineralisierung von Knochen und Zähnen, erhöhte Kariesneigung, Muskelschwäche
Eisen Blässe, Mundwinkelrhagaden, brüchige Nägel, stumpfe Haare, Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel
Zink verzögertes Längenwachstum, Haarausfall, Wundheilungsstörungen, Entzündungen der Haut und Schleimhäute, geschwächte Immunabwehr
Fluor unzureichende Aushärtung des Zahnschmelzes, größere Anfälligkeit für Karies
Iod Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf), gegebenenfalls Schilddrüsenunterfunktion
Selen Störungen der Muskel- und Herzfunktion, Beeinträchtigung des Immunsystems

Arznei oder Nahrungsergänzung

Aufgrund ihrer pharmakodynamischen Wirkung sind eine Reihe von Präparaten mit Calcium-, Magnesium-, Kalium- und Eisensalzen als Arzneimittel zugelassen. In Kombination mit Vitaminen und anderen Zusätzen enthalten etliche apothekenübliche Nahrungsergänzungsmittel Mineralstoffe. Anders als Arzneimittel bedürfen Nahrungsergänzungsmittel keiner Zulassung. Daher liegen auch für die meisten mineralstoffhaltige Nahrungsergänzungsmittel keine klinischen Studien über die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vor. Die Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genügt, um es auf den Markt zu bringen. 

Die Grenze zwischen gesundheitlichem Nutzen und möglichen Risiken ist mitunter klein. Vor allem bei Calcium, Eisen, Iod, Zink, Natrium, Kalium, Kupfer und Mangan schätzen Experten das Risiko für unerwünschte Wirkungen hoch ein. Da für Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln keine Höchstmengen existieren, sind Überdosierungen denkbar. Um sie zu vermeiden, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Empfehlungen herausgegeben. 

Tabelle 2 zeigt die D-A-CH-Referenzwerte für die tägliche Nährstoffzufuhr sowie die vom BfR empfohlenen Tageshöchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln. Die D-A-CH-Referenzwerte sind die Werte für die tägliche Nährstoffzufuhr, auf die sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., die Österreichische Gesellschaft für Ernährung, die Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung und die Schweizerische Vereinigung für Ernährung geeinigt haben.

Tabelle 2: D-A-CH-Referenzwerte sowie Tageshöchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln

Mineralstoff Einheit Frauen 25-50/>51 Jahre Männer 25-50/>51 Jahre Schwangere Stillende Tageshöchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln
Eisen mg 15/10 10 30 20
Fluorid mg 3,1 3,8 3,1
Iod µg 200/180 200/180 230 260 100
Magnesium mg 300 350 310 390 250
Phosphor mg 700 700 800 900 250 (als Phosphat)
Zink mg 7,0 10,0 10,0 11,0 2,25
Calcium mg 1000 1000 1000 1000 500
Chlorid mg 830 830 830 830
Chrom µg 30 - 100 30 - 100 30 - 100 30 - 100 60
Kalium mg 2000 2000 2000 2000 500
Kupfer mg 1,0 - 1,5 1,0 - 1,5 1,0 - 1,5 1,0 - 1,5
Mangan mg 2,0 - 5,0 2,0 - 5,0 2,0 - 5,0 2,0 - 5,0
Molybdän µg 50 - 100 50 - 100 50 - 100 50 - 100 80
Natrium mg 550 550 550 550
Selen µg 30 - 70 30 - 70 30 - 70 30 - 70 25 - 30

Nach Ansicht des BfR sollten Natrium, Chlorid, Fluorid, Kupfer, Mangan und Eisen überhaupt nicht mehr in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sein. Bei Eisen gibt es Hinweise, dass die unkontrollierte und längere Einnahme das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Karzinome im Magen-Darm-Trakt erhöht. Patienten, die in der Apotheke nach Eisenpräparaten fragen, sollten PTA oder Apotheker daher immer an den Arzt verweisen. 

Über- und Mangelversorgung

Wer sich in Deutschland ausgewogen ernährt, ist in der Regel ausreichend mit Kalium, Natrium, Magnesium, Zink, Chlorid und Phosphat versorgt. Dies zeigen die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II aus 2008. Für diese Studie wurde bundesweit das Essverhalten von 20 000 Jugendlichen und Erwachsenen analysiert. Die tägliche Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen berechnet und mit den D-A-CH-Referenzwerten verglichen. Die Nationale Verzehrstudie II zeigt, dass im Durchschnitt die täglichen Mengen über den jeweiligen Referenzwerten liegen, teilweise sogar viel zu hoch. 

Anders sieht es beim Eisen aus: Frauen im gebärfähigen Alter nehmen oft zu wenig Eisen zu sich. Bis zum Alter von 50 Jahren erreichen über 75 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Eisenmenge nicht. Über die Notwendigkeit einer Supplementierung von Eisen sollte allerdings immer ein Arzt anhand der Blutbildwerte entscheiden.

Ähnliches gilt für Calcium: 46 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen ernähren sich zu calciumarm und erreichen daher die empfohlene tägliche Menge nicht. Vor allem junge und ältere Frauen bleiben deutlich unter der empfohlenen Dosis. Bei den weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren sind 74 Prozent unterversorgt, bei den älteren Frauen 65 Prozent. Insbesondere Frauen in der Menopause sollten auf eine ausreichende Calciumversorgung achten. Wer Milch und Milchprodukte nicht mag, sollte ein Calciumpräparat einnehmen. 

In der Gruppe derjenigen, die kein iodiertes Speisesalz in der Küche verwenden, reicht bei 96 Prozent der Männer und 97 Prozent der Frauen die Iodzufuhr nicht aus. Werden hingegen alle Lebensmittel mit iodiertem Speisesalz zubereitet, nehmen noch immer 28 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu wenig Iod auf. 

Auch wenn die Zufuhr an Magnesium im Durchschnitt über den Referenzwerten liegt, so ist doch etwa ein Viertel der befragten Männer und Frauen mit Magnesium unterversorgt. 

Bestimmte Gruppen in der Bevölkerung sind unzureichend mit Mineralstoffen versorgt. Dazu zählen Menschen mit dauerhafter Fehl- oder Mangelernährung, mit chronischen Erkrankungen von Darm, Leber, Nieren oder Krebs, Schwangere und Stillende, Sportler und Senioren.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft droht der werdenden Mutter eine Unterversorgung  mit Calcium, Iod und Eisen. Mit dem heranwachsenden Kind steigt auch der Bedarf an einigen Mineralstoffen. Nimmt die Mutter mit ihrer Nahrung zu wenig Calcium auf, stellt der Körper aus dem Skelett der Mutter die für das Kind benötigte Menge Calcium bereit. Der D-A-CH-Referenzwert für Schwangere liegt bei täglich 1000 mg Calcium. Mögen oder vertragen Schwangere keine Milch und Milchprodukte, sollten sie mit ihrem Arzt über eine Supplementierung sprechen. Calciumpräparate gibt es in Form von Tabletten, Brause- und Kautabletten sowie Pellets. 

Der Iod-Bedarf ist in der Schwangerschaft erhöht, da der Fetus ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche Schilddrüsenhormone bildet. Dafür werden täglich 50 µg Iod zusätzlich benötigt. Eine Unterversorgung mit Iod kann die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes verzögern und zum Neugeborenenstruma führen. Schwangere sollte daher den Bedarf von täglich 230 µg Iod durch eine iodreiche Ernährung und die Supplementierung von 200 µg Iod abdecken. Auch in der Stillzeit sollten sie die zusätzlichen 200 µg Iod ergänzen. Bei Stillenden ist außerdem der Bedarf an Magnesium erhöht, wie Tabelle 2 zeigt.

Während der Schwangerschaft benötigt die Frau zusätzliches Eisen für die Entwicklung des Fetus, die Plazentabildung und das größere Blutvolumen. Eine Unterversorgung kann das Wachstum verzögern und das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Schwangere sollten täglich 30 mg Eisen aufnehmen. 

Besonders in den letzten drei bis sechs Monaten deckt die Nahrung allein den Eisenbedarf häufig nicht mehr. Während einer Vorsorgeuntersuchung beim Arzt sollte dieser den Eisenstatus bestimmen, um eine Unter- aber auch eine Überversorgung zu verhindern. Zur Supplementierung eignen sich peroral schnell resorbierbare Eisen-(II)-Salze. Im Handel stehen Tabletten, Brausetabletten und flüssige Zubereitungen zur Auswahl.

Hobbysportler überschätzen Bedarf

Wer Sport in seiner Freizeit betreibt, erhöht damit seinen Mineralstoffbedarf nur unwesentlich. Eine ausgewogene Ernährung reicht normalerweise aus. Trotzdem ist die Verwendung von Mineralstoffsupplementen weit verbreitet, da viele Hobbysportler meinen, sie würden mit dem Schweiß reichlich Mineralstoffe ausscheiden. Tatsächlich gehen mit dem Schweiß hauptsächlich Natrium und Chlorid verloren, deren Bedarf über die Nahrung leicht kompensiert wird. Allerdings sind viele Sportler nicht optimal mit Magnesium versorgt. Wer zu Muskelkrämpfen neigt, profitiert von Magnesiumpräparaten. Magnesiumsalze stehen in Form von Tabletten, Brausetabletten, Pellets und Kapseln zur Auswahl.

Leistungssportler können ihren gesteigerten Nährstoffbedarf nicht immer über die Ernährung ausgleichen. Nach intensiven Trainingseinheiten scheiden sie einige Spurenelemente verstärkt über den Urin aus, vor allem Eisen, Zink und Chrom. Da sie Eisen und Zink zusätzlich über den Schweiß verlieren, sollten Leistungssportler besonders auf die ausreichende Zufuhr dieser Spurenelemente achten. 

Senioren oft unterversorgt

Viele alte Menschen haben keinen rechten Appetit mehr. Ihr Geschmacks- und Geruchsempfinden lässt nach, das Kauen bereitet ihnen zunehmend Probleme, manche leiden unter Schluckstörungen. Falls sie nicht nur zu wenig essen, sondern sich auch noch einseitig ernähren, bleibt die unzureichende Versorgung mit vielen essentiellen Nährstoffen nicht aus. Eine Unterversorgung mit Mineralstoffen kann auch daher rühren, dass die Resorptionsfähigkeit des Magen-Darm-Traktes im Alter nachlässt. Bildet die Magenschleimhaut wenig Säure, werden beispielsweise Calcium und Eisen nicht mehr so gut aus der Nahrung aufgenommen. Auch lässt die Fähigkeit der Nieren nach, den Urin zu konzentrieren, was die Ausschwemmung von Mineralstoffen begünstigt. Ebenso bringen chronische Erkrankungen und die dauerhafte Einnahme von Arzneimitteln Mineralstoffverluste mit sich. So führen Schleifen- und Thiaziddiuretika zu einem Verlust an Kalium, Magnesium und Zink. Ein Kalium- und Magnesiummangel kann bei Missbrauch von Laxanzien auftreten. Außerdem beeinträchtigen ACE-Hemmer, Glucocorticoide und Digitalispräparate die Versorgung mit Magnesium.

Die Unterversorgung mit Calcium und Vitamin D erhöht im Alter deutlich das Risiko einer Osteoporose. Um dem Knochenabbau vorzubeugen, sollten ältere Menschen täglich 1000 mg Calcium und 10 µg Vitamin D3 zuführen. Daher sollten täglich Milch- und Milchprodukte sowie calciumreiche Mineralwässer auf dem Speiseplan stehen. Wer diese Mengen nicht mit der Nahrung aunehmen kann, sollte nach Rücksprache mit seinem Arzt ein Kombinationspräparat aus Calcium und Vitamin D3 einnehmen.

Auch die Substitution mit Eisen und Zink kann nach Arztrücksprache sinnvoll sein, da ältere Menschen mit diesem Spurenelementen oft unterversorgt sind. 

Abgabenhinweise zu Mineralstoffpräparaten

Calciumpräparate

  • in Einzeldosen von 500 mg Calcium, unabhängig von Mahlzeiten einnehmen
  • Nahrungsmittel mit Oxalsäure (Spinat und Rhabarber), Phosphaten oderPhytinsäure (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse) hemmen die Calciumresorption
  • eine Einzeldosis möglichst abends einnehmen, um dem Knochenabbau in der Nacht entgegenzusteuern 
  • organische Salze (-citrat, -gluconat, -lactat) aufgrund besserer Resorptionbevorzugen
  • Resorption aus anorganischen Verbindungen wie Calciumcarbonat ist vorallem bei nachlassender Magensäureproduktion im Alter geringer
  • bei Verdauungsproblemen auf Calciumcitrat umstellen
  • in der Diskussion sind auch die Anwendung von Calcium zur Blutdrucksenkung, Therapie und Rezidivprophlyaxe bei Kolonkarzinom sowie bei Allergien

Eisenpräparate

  • Präparate mit zweiwertigen organischen Eisensalzen aufgrund bessererBioverfügbarkeit und Verträglichkeit bevorzugen
  • vor dem Essen, möglichst mit Vitamin-C-haltigen Getränken einnehmen
  • Milch, Kaffee, Tee, Oxalate, Phosphate setzen Eisenaufnahme herab
  • mehrwöchige Anwendung notwendig, um Eisenspeicher vollständigaufzufüllen
  • vor allem zu Therapiebeginn häufige gastrointestinale Störungen: dann Präparat mit verzögerter Freisetzung oder mit 50 mg Eisen-(II)-salz pro Tag wählen und zum Essen einnehmen 
  • oftmals (unbedenkliche) Schwarzfärbung des Stuhls

Magnesiumpräparate

  • vor dem Essen einnehmen, da sich dadurch die Resorption verbessert
  • organische Salze aufgrund der besseren Bioverfügbarkeit bevorzugen
  • Magnesiumspeicher des Körpers sind erst nach mehrwöchiger Anwendung vollständig aufgefüllt
  • weiche Stühle oder Durchfälle sind als unerwünschte Wirkungen möglich
  • beim Auftreten störender Durchfälle Tagesdosis reduzieren
  • Studien weisen auf positive Magnesiumeffekte zur Migräneprophylaxe, Verbesserung der Herzfunktion, in der Therapie des Bluthochdrucks und des Diabetes-Typ-2 hin

Zinkpräparate

  • organische Salze (-orotat, -aspartat) aufgrund besserer Resorption bevorzugen
  • mit deutlichem zeitlichen Abstand vor einer Mahlzeit und mit reichlich Flüssigkeit einnehmen
  • Nahrungsmittel mit hohem Phytinanteil (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse) vermindern die Resorption von Zink
  • vor allem zu Therapiebeginn häufige gastrointestinale Beschwerden,insbesondere wenn das Präparat auf nüchternen Magen eingenommen wird
  • in hohen Dosierungen Müdigkeit und Kopfschmerzen möglich

Mineralien interagieren mit Arzneien

PTA oder Apotheker müssen bei ihrer Beratung zu Mineralstoffen eine ganze Reihe möglicher Interaktionen mit Arzneimitteln beachten. Das Mineralstoffsupplement kann dabei sowohl seine eigene Wirksamkeit einbüßen als auch die Wirksamkeit eines Arzneistoffs beeinträchtigen. Beispiel: Die gleichzeitige Einnahme von Kaliumpräparaten und herzwirksamen Glykosiden setzt die Wirksamkeit der Herzglykoside herab. 

Insbesondere die Kombination von Mineralstoffen und Antibiotika ist problematisch. Nimmt ein Patient Calcium-, Magnesium-, Eisen- oder Zinkpräparate zeitgleich mit Tetracyclinen oder Chinolon-Antibiotika (zum Beispiel Ciprofloxazin, Levofloxazin, Norfloxazin, Ofloxazin) ein, entstehen schwer resorbierbare Mineralstoff-Arzneimittel-Komplexe, was die Wirksamkeit der Antibiotika stark herabgesetzt Daher sollten die Patienten mindestens einen zweistündigen Einnahmeabstand zwischen den Präparaten einhalten.

Mindestens zwei Stunden warten

Auch zwischen der Einnahme von Calcium und Biphosphonaten, L-Thyroxin oder Ketoconazol sollten mindestens zwei bis drei Stunden liegen. Sonst hemmt das zuerst eingenommene Arzneimittel die Bioverfügbarkeit des später eingenommenen. Nehmen Patienten neben Calciumpräparaten Medikamente mit Eisen oder Natriumfluorid ein, sollten sie wegen der Konkurrenz um die Resorption für die Mittel unterschiedliche Tageszeiten wählen. Da systemische Corticosteroide die Calciumresorption ebenfalls vermindern, muss die Calcium-Dosis erhöht werden. Diuretika vom Thiazid-Typ vermindern die Ausscheidung von Calcium, so dass das Risiko einer Hypercalcämie erhöht ist und der Calcium-Blutspiegel regelmäßig überwacht werden sollte.

Der zwei- bis dreistündige Abstand ist ebenso zwischen Eisensalzen und Penicillamin, L-Thyroxin, Methyldopa und Levodopa einzuhalten, da Eisensalze die Resorption der genannten Arzneistoffe vermindern. Auch die gleichzeitige Anwendung von Eisen mit Cholestyramin, Zinksalzen, calcium- oder magnesiumhaltigen Antacida oder Supplementen sollten Patienten vermeiden.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
D.Schierhorn(at)abda.aponet.de