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Selbstmedikation

Die Haut verzeiht nichts

23.07.2010
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Selbstmedikation

Die Haut verzeiht nichts

von Andrea Hämmerlein

Trotz großer Aufklärungskampagnen unterschätzen immer noch viele Menschen die mit dem UV-Licht verbundenen Gefahren und schützen ihre Haut nicht ausreichend. Wenn Kunden ein Mittel gegen Sonnenbrand kaufen möchten, ist das Fachwissen von PTA und Apotheker gefragt.

Sonnenlicht hat auch viele positive Effekte, zum Beispiel steigert es die Vitamin-D-Synthese in der Haut. Viele Menschen behaupten zudem, dass ein Sonnenbad ihr Wohlbefinden steigere und sie dabei »Energie auftanken«. Ein brauner Teint gilt als Zeichen von Sportlichkeit, Gesundheit und Attraktivität. Die häufig bewunderte »gesunde« Bräune erkaufen sich aber etliche Menschen mit Spätschäden der Haut. Vielen ist zwar der Zusammenhang zwischen Sonnenbrand und Hautkrebs bekannt, trotzdem vergessen sie alle guten Vorsätze, sobald sie sich am Strand oder im Schwimmbad aufhalten. Besonders gefährdet sind Kinder. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Sonnenbrände bis zum zehnten Lebensjahr für die Entwicklung des schwarzen Hautkrebs, der Melanome, ausschlaggebend ist.

Die Zunahme der Hautkrebserkrankungen während der letzten Jahre ist alarmierend. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken hierzulande pro Jahr durchschnittlich rund 250.000 Menschen an hellem und etwa 16.000 an schwarzem Hautkrebs, der besonders leicht metastasiert. Dass die Erkrankungsraten so rapide ansteigen, liegt vermutlich am veränderten Freizeitverhalten der Bevölkerung und der höheren Lebenserwartung. Auch die Abnahme der Ozonschicht spielt sicher eine Rolle.

Die Sonne sendet ein breites Spektrum an Strahlen aus. Besonders energiereich sind die UV-B-Strahlen mit Wellenlängen von 290 bis 320 nm. Sie durchdringen nur die oberste Hautschicht, die Epidermis. Dort regen sie die Melanin-Synthese an und rufen eine anhaltende Bräunung der Haut hervor. Wer sich zu lange oder zu häufig der Sonne und damit der UV-B-Strahlung aussetzt, riskiert Sonnenbrand und erhöht sein Risiko für Hautkrebs.

UV-A-Strahlen haben Wellenlängen zwischen 320 und 400 nm und sind damit etwas energieärmer. Sie dringen bis in die Schichten der Dermis vor und verursachen eine Sofortpigmentierung der Haut, die wenige Stunden anhält. Auch UV-A-Strahlen fördern die Entstehung von Hautkrebs, wenn sie in zu hohen Dosen auf ungeschützte Haut treffen. Zudem schädigen sie kollagene Bindegewebsfasern und beschleunigen so die Hautalterung. Ferner rufen sie Lichtdermatosen hervor sowie in Kombination mit bestimmten Kosmetika auch allergische Hautreaktionen und die Mallorca-Akne.

Wie eine Verbrennung

Der Sonnenbrand (Dermatitis solaris, UV-Erythem) ist das Zeichen für eine heftige Entzündung. Wie bei einer Verbrennung ersten oder zweiten Grades hat Zellgewebe Schaden genommen. Meist spüren die Betroffenen den Zerstörungsprozess zunächst nicht. Manchmal spannt die Haut zuerst nur ein wenig. Doch bereits dann werden in der Haut Entzündungsmediatoren (Zytokine) freigesetzt, die dazu führen, dass sich Blutgefäße weit stellen, die Durchblutung zunimmt und sich die Haut mehr und mehr rötet (Sonnenbrand ersten Grades). Diese Entzündungsreaktion wird etwa drei bis acht Stunden nach dem übermäßigen Sonnenbad sichtbar. Eine Verbrennung zweiten Grades liegt vor, wenn Flüssigkeit in das Gewebe austritt, die Haut anschwillt oder Blasen wirft. Sind große Hautareale betroffen, entspricht der Sonnenbrand sogar einer Verbrennung dritten Grades, was allerdings eher selten vorkommt. Der Sonnenbrand macht die Haut extrem empfindlich, sie verträgt kaum noch Druck oder Berührungen, spannt und brennt schmerzhaft. Die Schmerzen lassen erst zwei Tage nach der Sonnenexposition wieder nach. Dann haben Reparaturmechanismen der Haut für die äußerliche Heilung gesorgt. Zurück bleiben aber DNA-Schäden, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Diese Mutationen können Jahre später Auslöser für Tumore werden.

Pflege nach dem Sonnenbad

Solange die Haut nur leicht gerötet ist, reicht ein Pflegeprogramm aus, um sie zu beruhigen. Après- oder After-sun-Präparate versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und nehmen ihr das Spannungsgefühl. Zuvor sollte man die Haut mit milden Syndets gründlich von Resten der Sonnenschutzmittel befreien. Bei leichten Hautreizungen haben sich entzündungshemmende Präparate mit Panthenol, Kamille oder ­Hamamelis bewährt. Produkte mit dem ­Algenenzym Photolyase unterstützen die Reparaturmechanismen in der Haut (wie in Ladival® Sonnenschutz Fluid Schutz und Regeneration).

Bei einem schmerzhaften Sonnenbrand braucht der Betroffene jedoch ein entzündungshemmendes Arzneimittel. Topische, schwach wirksame Glucocorti­coide mildern die Entzündungsreaktion der Haut. Sie sollten nur in wässrigen Grundlagen, als Milch, Lotion, Gel oder Spray zum Einsatz kommen, um einen ­Okklusionseffekt zu verhindern. Denn der Wärmestau unter einer Salbe verstärkt die Beschwerden. Als Analgetikum eignen sich Acetysalicylsäure oder Ibuprofen.

Schnell handeln bei Sonnenstich

Nicht selten leiden Menschen noch zusätzlich zum Sonnenbrand an einem Sonnenstich, weil Kopf und Nacken zu lange ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren. Die Hitze reizt die Hirnhäute, sodass diese sich entzünden und anschwellen. Daraufhin steigen Hirn- und Blutdruck an. Die Patienten spüren zunächst Kopf- und ­Nackenschmerzen, später wird ihnen übel, schwindlig, und sie müssen sich erbrechen, im Extremfall werden sie bewusstlos. Besonders gefährdet sind Personen mit hellen Haaren oder Glatze sowie Säuglinge und Kleinkinder.

Bei Verdacht auf einen Sonnenstich muss der Patient sofort den Schatten aufsuchen sowie Kopf und Nacken mit feuchten, nicht zu kalten Handtüchern kühlen. Eine erhöhte Lagerung des Kopfs ist dabei empfehlenswert. Außerdem sollte der Patient viel trinken, falls vorhanden elektrolytreiche Getränke, und in halb sitzender Position ruhen. Bei starken Beschwerden muss er den Arzt aufsuchen, das gilt grundsätzlich für Kinder.

Wer sich im Frühjahr oder im Sommer zum ersten Mal sonnt oder plötzlich im Süden einer viel intensiveren Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, sollte sich besonders vor Sonnenbrand schützen. Die Haut muss sich erst langsam an das Sonnenlicht gewöhnen. Die ersten Tage sollten sich Urlauber möglichst viel im Schatten aufhalten sowie Kopf und Nacken mit einem Sonnenhut oder einer Schirmkappe bedecken.

Vor allem Menschen mit ganz heller Haut müssen die Mittagssonne zwischen 11 und 14 Uhr meiden und zusätzlich ein Sonnenschutzmittel mit hoher Schutzwirkung gegenüber UV-A- und UV-B-Strahlung auftragen. Am besten geeignet sind unparfümierte Produkte, weil sie hautverträglicher sind. Im Süden Europas scheint die Sonne oft so intensiv, dass man sogar im Wasser einen Sonnenbrand bekommen kann. Wasserratten und Sportler brauchen daher einen wasserfesten Sonnenschutz, damit die Mittel nicht von der Haut ­gespült werden oder mit dem Schweiß davonfließen.

Aufenthaltszeit ausrechnen

Der Lichtschutzfaktor (LSF) kennzeichnet weltweit einheitlich alle Sonnenschutzmittel. Mit diesem Faktor lässt sich die Zeit errechnen, die man nach Anwendung des Produktes normalerweise in der Sonne bleiben kann, ohne dass sich die Haut rötet. Dazu muss der Betroffene seinen Hauttyp und seine Eigenschutzzeit kennen (siehe Tabelle). Multipliziert er diese Eigenschutzzeit mit dem LSF seines Sonnenschutzmittels, ergibt sich die maximale Aufenthaltszeit in der Sonne. Wer diese Zeit überschreitet, riskiert dagegen einen Sonnenbrand.

Bestimmung der Eigenschutzzeit nach Lichttyp

Lichttyp Wie sehen Menschen dieses Lichttyps aus? Nach wie viel Minuten bekommen sie in der prallen Sonne einen Sonnenbrand? Wie reagiert die Haut?
I helle Haut, Sommersprossen, blonde oder hellrote Haare, blaue oder grüne Augen nach 10 immer rot, nie braun
II helle Haut, blaue oder grüne Augen nach 10 bis 20 immer rot
III dunkle Haare, braune Augen nach 20 bis 30 manchmal rot, immer braun
IV dunkle Haut, dunkle oder schwarze Haare, braune Augen nach 45 nie rot, immer braun

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft

Experten empfehlen aber, sich bereits nach zwei Dritteln dieser Zeit in den Schatten zurückzuziehen. Wer den nötigen Lichtschutzfaktor tagesaktuell berechnet haben möchte, kann auf der Site www.haut.de eine Eingabemaske nutzen: Dort einfach Hauttyp, gewünschte Aufenthaltszeit in der Sonne und Aufenthaltsort (weltweit) eingeben und schon wird der benötigte LSF angegeben.

Der LSF sollte besser »Sonnenbrandschutzfaktor« heißen, denn er bezieht sich nur auf den Schutz gegenüber UV-B-Strahlung und sagt nichts über den Schutz vor UV-A-Strahlung aus. Deshalb veröffentlichte die Europäische Kommission im Jahr 2006 eine Empfehlung zum UV-A-Schutz. Die Kommission schlug vor, dass Sonnenschutzmittel generell UV-A-Filter enthalten müssen und der UV-A-Schutzfaktor mindestens ein Drittel des UV-B-Faktors betragen soll. Außerdem sollen die Präparate einheitlich mit den Buchstaben UVA in einem Kreis gekennzeichnet werden.

Übrigens: Auf der Site www.haut.de finden sich auch interessante Informationen zur Hauttyp-Bestimmung, zu Inhaltsstoffen in Kosmetika und vieles mehr.

Nachcremen schützt besser

Die meisten Menschen tragen Sonnencremes zu sparsam auf. Ein Erwachsener braucht mindestens die Menge von 40 ml, bei einer Flasche von 200 ml Inhalt also 1/5, um Körper und Gesicht einzucremen. Da aber kaum jemand diese große Portion aufträgt, erreicht auch niemand die Schutzzeiten, die unter standardisierten Laborbedingungen gemessen wurden. Daher sollten PTA oder Apotheker den Kunden empfehlen, das Eincremen mehrfach zu wiederholen. Nur so wird der deklarierte Schutz annähernd erreicht.

Doch auch die Schutzwirkung von wasserfesten Produkten hält oft nicht, was sie verspricht. Die Produkte reiben sich beim Spielen auf der Luftmatratze oder durch den Wellengang im Meer ab. Daher der Tipp: Auch wasserfeste Präparate nach ­jedem Baden oder Schwimmen auf die getrocknete Haut neu auftragen.

Die dünne, empfindliche Haut von Säuglingen und Kleinkindern lässt viele Chemikalien leicht passieren. Weil die Leber noch nicht richtig entwickelt ist, kann sie Fremdstoffe nicht so gut abbauen und ausscheiden. Daher sollten Eltern bei ihren Babys und Kleinkindern Sonnenschutzmittel mit chemischen UV-Filtern sehr zurückhaltend anwenden und die Kleinen besser mit Kleidung vor der prallen Sonne schützen. Söckchen und ein Sonnenhut mit ­Nackenschutz sind ratsam, ganz besonders in Wassernähe oder im Sand, da beide die UV-Strahlen reflektieren. Sonnenschutzmittel für die Kleinen sollten ausschließlich Mikropigmente wie Titan- oder Zinkoxid enthalten, einen hohen LSF aufweisen, parfümfrei und wasserfest sein.

9 Tipps zum Sonnenschutz

  • Mittagssonne meiden
  • Haut mit Kleidung schützen, Sonnenhut oder Schirmmütze tragen
  • Sonnenbrille aufsetzen
  • viel im Schatten aufhalten
  • auf nicht bedeckte Hautpartien großzügig Sonnenschutzmittel auftragen
  • zum ersten Mal 10 bis 15 Minuten vor dem Besonnen eincremen
  • an regelmäßiges Nachcremen denken
  • Ohren, Gesicht und Kopfhaut, Nacken, Rücken, Dekolletee und die Fußrücken nicht vergessen
  • Wichtig zu wissen: Der Begriff »Sunblocker« ist falsch, auch Sonnenschutzmittel mit sehr hohen LSF-Werten können die UV-Strahlen nicht völlig abwehren.

 

Quelle: www.haut.de, Die Sonne richtig genießen