PTA-Forum online
Calcium, Magnesium, Eisen

Ein Fall für die Beratung

01.07.2010  11:18 Uhr

Calcium, Ein Fall für die Beratung

von Maria Pues

Mineralstoffpräparate kaufen Kunden nicht nur in der Apotheke, sondern auch in Drogerien und Supermärkten. Dort erhalten die Patienten keine fachkundige Beratung zur korrekten Dosierung und Anwendung. Häufig sind zusätzliche Informationen jedoch notwendig, damit das Präparat zuverlässig wirkt und keine Neben- oder Wechselwirkungen verursacht.

Entscheidend für die Auswahl der Dosis ist die Frage, ob der Patient Mangelerscheinungen vorbeugen will oder das Produkt Bestandteil einer Therapie ist. Zur Prophylaxe eignen sich geringer dosierte Präparate, zur begleitenden Behandlung seien höhere Dosierungen der Mineralstoffe erforderlich, informierte Apotheker Christian Ude vom Institut für Pharmazeutische Chemie in Frankfurt am Main auf einer Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Hessen.


Auch das Alter und die Lebenssituation haben einen entscheidenden Einfluss auf die Dosierungsempfehlung, denn es macht einen Unterschied, ob Erwachsene, Kinder oder Schwangere Mineralstoffe supplementierten. Eine gute Richtgröße ist die tägliche Zufuhrempfehlung (recommended dietary allowance, RDA): Die RDA ist die Dosis, die den Bedarf von 97,5 Prozent der Bevölkerung deckt. Des Weiteren findet man in der Fachliteratur Angaben, die sich auf die Toxizität der Einzelsubstanzen beziehen:

  • die niedrigste Dosis, bei der toxische Effekte auftreten (lowest observed adverse effect level, LOAEL),
  • die höchste Dosis, bei der keine toxischen Effekte auftreten (no observed adverse effect level, NOAEL)
  • und eine sichere Obergrenze (upper safe lavel, UL). Dieser Wert beschreibt die tägliche Menge, bei der das Risiko für Schädigungen nahezu Null ist.

 

Deklaration unterschiedlich

Wer Mineralstoffpräparate über einen längeren Zeitraum ergänzen und damit seiner Gesundheit nutzen und nicht schaden möchte, kann eine Dosis wählen, die im Bereich der täglichen Zufuhrempfehlung (RDA) liegt. Zu berücksichtigen ist dabei, wie viel jeweils bereits mit der Nahrung aufgenommen wird oder ob ein erhöhter Bedarf vorliegt. Eine Orientierung bietet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (siehe Tabelle).Dass die Präparate als Arzneimittel oder als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind, also jeweils anderen gesetzlichen Vorgaben unterliegen, ist für viele Verbraucher schwer zu verstehen. Da die einzelnen Produkte ganz unterschiedlich zusammengesetzt sind, die Mengenangaben sich einmal auf den Anteil der Kationen Calcium, Magnesium oder Eisen beziehen und ein anderes Mal auf das gesamte Salz, erschwert Laien noch zusätzlich die Wahl eines geeigneten Mineralstoffpräparats. Umso wichtiger ist der Rat von PTA oder Apotheker.

Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Mineralstoff Personengruppe Dosierung (mg/Tag)
Calcium Erwachsene ab 19 Jahren
Schwangere ab 19 Jahren
Stillende ab 19 Jahren
1000
1000
1000
Magnesium
Erwachsene ab 25 Jahren
Schwangere ab 19 Jahren
Stillende
Frauen
300
310
390
Männer
350
Eisen Erwachsene von 19 bis 51 Jahren
Erwachsene ab 51 Jahren
Schwangere
Stillende und Nicht-Stillende nach der Entbindung
15
10
30
20
10
10

»Als Nahrungsergänzungsmittel wird am häufigsten Calcium eingenommen«, berichtete Ude. »Meistens aus schlechtem Gewissen.« Laut einer Umfrage hätten die Käufer als Gründe unter anderem Rauchen und schlechte Ernährung angegeben. Die Bedeutung des Calciums für die feste Struktur der Knochen und Zähne kennen heutzutage schon die Kinder. Außerdem benötigen das Mineral die Zellen von Herz- und Skelettmuskeln, aber auch die der Nerven. 99 Prozent der gesamten Körper-Calciummenge sind in Knochen und Zähnen gebunden. Das verbleibende 1 Prozent kursiert im Plasma, 10 Prozent davon unter anderem als Phosphatkomplex und 40 Prozent an Plasmaproteine gebunden. Nur ein halbes Prozent des Gesamt-Calciums liegt in Form freier Calcium-Ionen vor. Gesteuert durch das Parathormon aus der Nebenschilddrüse sorgt das Depot in Knochen und Zähnen für konstante Blutspiegel.

Ein Mangel lässt sich mit einer einfachen Blutuntersuchung kaum feststellen. Auch dessen Folgen bleiben lange Zeit unbemerkt. Eine Übererregbarkeit an der motorischen Endplatte oder Muskelkrämpfe sind Spätsymptome einer lang andauernden Unterversorgung ebenso wie Osteoporose, die sich meist schleichend über Jahre entwickelt.

Unterversorgung erkennen

Zu den Risikogruppen für eine Calcium-Unterversorgung zählen vor allem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Wegen Appetitmangels trinken und essen Senioren oft zu wenig Milch und Milchprodukte.  Daneben spielt auch der Vitamin-D-Mangel eine Rolle, sodass selbst der resorbierte Calciumanteil nicht vollständig verwertet wird. Auch die Langzeiteinnahme hoher Dosen von Schleifendiuretika kann zu Calciummangel führen. Diese Unterversorgung lässt sich durch die regelmäßige Zufuhr eines Cal­cium-haltigen Präparats ausgleichen.

Am häufigsten verursacht andauernder Calciummangel eine Osteoporose. Dieser Prozess ließe sich durch eine Substitu­tion nach der doppelten 1000er-Regel verhindern, erläuterte Ude: 1000 Milligramm Calcium plus 1000 Internationale Einheiten Vitamin D. Manche Verbraucher kaufen Calciumpräparate, um eine allergische Reaktion abzumildern. Die alleinige Einnahme von Calcium reicht allerdings nicht aus. In Kombination mit einem Antiallergikum könne Calcium jedoch Rötungen und Juckreiz lindern. Ob Calcium auch eine unterstützende Wirkung bei Bluthochdruck, Kolonkarzinom oder Prämenstruellem Syndrom entfaltet, lasse sich aus der derzeitigen Studien- und Datenlage nicht eindeutig ableiten, so Ude.

Calcium am Abend

Um dem physiologischen nächtlichen Knochenabbau zu begegnen, sollen die Patienten das Calciumpräparat am Abend einnehmen, riet der Apotheker. Brausetabletten mit Calciumcarbonat müssten sie außerdem in reichlich Wasser auflösen. »Sonst bildet sich am Grund des Glases ein Carbonat-Schlamm, den niemand trinken mag«, erklärte er. Ob die Präparate besser unabhängig von den Mahlzeiten oder dazu genommen werden sollten, richte sich nach dem Anion des Salzes. Citrate können unabhängig von den Mahlzeiten genommen werden, andere Salze besser zu einer Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit. Die Gefahr von Nierensteinen lasse sich mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr vermindern.

Auch der Wechselwirkung mit Bisphosphonaten beugt die abendliche Einnahme des Calciums vor, denn das Bisphosphonat müssen die Patienten morgens nüchtern mit Leitungswasser nehmen. Mineralien, und erst recht große Mengen an Calcium, vermindern die ohnehin geringe Bioverfügbarkeit der Bisphosphonate. Dasselbe gilt für Schilddrüsenhormone. Auf einen ausreichenden zeitlichen Abstand müssen Patienten außerdem bei der Behandlung mit bestimmten Antibiotika wie Gyrasehemmern und Tetracyclinen achten.

Magnesium über den Tag verteilen

Zusammen mit Kalium ist Magnesium das wichtigste intrazelluläre Element. Dort befinden sich 95 Prozent des körpereigenen Magnesiums. 5 Prozent kursieren im Plasma, davon ein Drittel an Proteine gebunden. Nur freies Magnesium ist biologisch aktiv. Magnesium ist der natürliche Gegenspieler des Calciums, und zwischen beiden Elementen besteht idealerweise ein Gleichgewicht. »Wenn wir eines aus der Balance bringen, lässt das andere nicht lange auf sich warten«, warnte Ude. Der Körper benötigt Magnesium unter anderem für bestimmte Hormon-Synthesen, im Herz-Kreislauf-System und ebenfalls für den Knochenstoffwechsel. Magnesiumreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Vollkorngetreide, Nüsse oder Hülsenfrüchte.

Magnesiummangel macht sich häufig durch Lidzucken bemerkbar. Unter anderem kommt es zu Herzrhythmusstörungen mit Extrasystolen sowie zu einer gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit mit Zittern, Empfindungsstörungen und heftigen Reflexen.

Häufig nehmen Sportler Magnesium ein, um Muskelkrämpfen vorzubeugen oder diese zu lindern. Obwohl viele gute Erfahrungen gemacht haben, sei die Datenlage hierzu eher dürftig, berichtete Ude. Ebenso unklar sei die Studienlage bei Tinnitus. Anders in der Migräneprophylaxe: Die ­Migräne-Leitlinie nennt Magnesium in einer Dosierung von täglich 600 Milligramm als second-line-Prophylaxe. Ein Versuch lohne sich, riet Ude.

Auch im Glucosestoffwechsel spielt Magnesium eine Rolle. Dort beeinflusst das Mineral wesentlich die Aktivität des Insulinrezeptors. Ist der Blutzucker schlecht eingestellt, führt dies zu einer erhöhten Magnesium-Ausscheidung über die Nieren. Der so entstehende Magnesium-Mangel verschlechtert wiederum die Aktivität des Insulinrezeptors.

Ein Teufelskreis entsteht, der sich durch eine ergänzende Magnesiumgabe unterbrechen lässt. »Das bedeutet umgekehrt jedoch nicht, dass man Diabetes allein mit Magnesiumtabletten behandeln kann«, betonte Ude. Ob geringe Magnesium-Spiegel auch die Entwicklung von Folgeschäden des Diabetes wie Retinopathien oder Depressionen fördern, sei unklar und durch Studien bislang nicht belegt.

Magnesium wird über die gesamte Länge des Dünndarms zum Teil über einen aktiven Transport und zum Teil über passive Diffusion resorbiert. »Zu beachten ist, dass sich die Magnesiumresorption mit steigender Zufuhr verschlechtert«, betonte Ude. Das Transportsystem habe nur eine begrenzte Kapazität. Dem könne man begegnen, indem man die Tagesdosis auf zwei bis drei kleine Portionen über den Tag verteilt einnimmt. Ein zeitlicher Abstand ist außerdem zur Einnahme von Tetracyclinen und Natriumfluorid einzuhalten, um deren Resorption nicht zu vermindern.  

Über 60 Prozent des Eisens im Körper befinden sich im Hämoglobin der Erythrozyten. Dort dient es dem Sauerstoff-Transport. Auch an verschiedenen Stoffwechselvorgängen ist das Mineral beteiligt, zum Beispiel der Atmungskette und dem Citratzyklus.

Blut untersuchen lassen

Müdigkeit, Schwindel, Tinnitus, Mundwinkelrhagaden, Haarausfall, Atrophie der Zungenschleimhaut sind nur einige Folgen des Eisenmangels. Zur Diagnose einer Unterversorgung eignen sich diese Symptome indes nicht, dafür sind sie zu unspe­zifisch. Im Unterschied zu Calcium- oder Magnesiummangel kann und sollte der Betroffene bei Verdacht auf Eisenmangel sein Blut untersuchen lassen. Dazu gehört auch, die Ursache abzuklären. Schwangerschaft oder Leistungssport können für einen erhöhten Bedarf verantwortlich sein. Des Weiteren vermindern entzündliche Darmerkran­kungen oder Durchfälle die Eisenabsorp­tion aus dem Darm. Starker Blutverlust während der Menstruation, aber auch gastrointestinale Blutungen zählen ebenfalls zu den häufigen Ursachen.

Der Körper resorbiert nur zweiwertige Eisenkationen in den oberen Dünndarmabschnitten, dreiwertige Eisenkationen werden in den Darmzellmembranen erst enzymatisch zur zweiwertigen Form reduziert. Insgesamt ist die Resorptionsquote des in der Nahrung vorhandenen Eisens eher gering: Aus tierischen Lebensmitteln kann der Mensch lediglich 10 bis 20 Prozent des Eisens verwerten, aus pflanzlichen Lebensmitteln nur 3 bis 8 Prozent. Dass Gesunde nicht häufiger unterversorgt sind, liegt an einer Art körpereigenem Recycling: Beim Abbau von Erythrozyten wird das freigesetzte Eisen üblicherweise nicht über die Nieren ausgeschieden, sondern rückresorbiert.

Wie viel Eisen der Körper aufnimmt, wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. So fördern Vitamin C (als Oxidationsschutz), Citronensäure (als Komplexbildner) und Aminosäuren wie Lysin die Aufnahme. Sind die körpereigenen Speicher unzureichend gefüllt, begünstigt dies die Aufnahme von mehr Eisen. Hingegen verschlechtern Oxalate, zum Beispiel aus Spinat oder Rhabarber, Carbonate oder Tannine aus Kaffee oder Tee die Verfügbarkeit des Eisens. Für eine verminderte Aufnahme sorgen außerdem gut gefüllte Eisenspeicher, aber auch Infektionen oder Entzündungen sowie ein Mangel an Magensäure. Unter den verschiedenen Eisensalzen im Handel hat Eisen-Lactat eine besonders gute Bioverfügbarkeit.

Eisen am Morgen

Viele Patienten klagen über die Magen- und Darmunverträglichkeit von Eisenpräparaten. Daher rät Ude, eisenhaltige Arzneimittel keinesfalls am Abend einzunehmen. Die verlangsamte Transitzeit in der Nacht erhöhe die Häufigkeit gastrointestinaler Nebenwirkungen. Besser eignet sich der Morgen: 30 Minuten vor dem Frühstück das Präparat mit einem Glas Orangensaft einnehmen. Da eisenhaltige Säfte oder Brausetabletten eine empfindliche oder geschädigte Mundschleimhaut reizen, sollten Betroffene die Flüssigkeit durch einen Strohhalm trinken. Das vermindere die Kontaktmenge und -zeit im Mundraum und schütze wunde Stellen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
maria.pues(at)t-online.de