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Dermatologie

Juckreiz nach dem Sonnenbad

Manche Menschen können die intensive Sonne am Urlaubsort nur kurz genießen, weil ein stark juckender Hautausschlag bereits nach den ersten Tagen ihre Ferienfreude trübt. Was Laien als »Sonnenallergie« bezeichnen, hat allerdings meist keine allergische Ursache.
Tanja Schweig
23.07.2010
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Dies ist ein Beitrag aus unserem Archiv. Die Inhalte sind unter Umständen veraltet. Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auf unseren Themenseiten Sonnenallergie, Dermatologie, Haut und Allergie.

Insbesondere Menschen mit heller Haut sind betroffen, typischerweise immer dann, wenn sie sich zum ersten Mal im Jahr in der Sonne aufhalten und ihre Haut noch nicht an das UV-Licht gewöhnt ist. Bei Erwachsenen zeigen sich die Hautreaktionen vor allem an Hals und Dekolletee, aber auch an den Außenseiten der Arme und auf den Handrücken, seltener an Beinen, Rumpf oder im Gesicht. Bei Kindern reagiert meist die Gesichtshaut.

 

Unabhängig vom Alter ist der Ablauf immer gleich: Wenige Stunden nach dem Sonnenbad beginnen einzelne Hautbereiche intensiv zu jucken. Kurz darauf zeigen sich rote Flecken, die sich eindeutig von der gleichmäßigen Rötung beim Sonnenbrand unterscheiden. Danach verändert sich die Haut je nach Patient recht unterschiedlich, allerdings bei demselben Patienten stets gleich: Die meisten entwickeln stecknadelkopfgroße, kuppelförmige oder Urtikaria-ähnliche Knötchen, bei anderen entstehen Plaques, Bläschen, selten auch größere Blasen. Innerhalb weniger Tage bilden sich aus den einzelnen Hauterscheinungen manchmal größere, zusammenhängende Areale.

 

Wegen dieses vielgestaltigen Aussehens (= griech. polymorph) nennen Fachleute die Hauterkrankung polymorphe Lichtdermatose oder kurz PLD. Dazu zählen 90 Prozent aller durch Licht verursachten Hautkrankheiten. Lichtdermatosen machen vor allem Kindern und jungen Erwachsenen zu schaffen. Experten vermuten, dass Frauen etwas häufiger erkranken als Männer und schätzen die Zahl Betroffener auf 10 bis 20 Prozent.

Ursache UV-A-Licht

Viele Hautärzte zählen die polymorphe Lichtdermatose zu einer Immunreaktion vom verzögerten Typ, Doch dieser Vergleich ist unkorrekt: Die PLD zählt nicht zu den Al­lergien. Allergene sind nicht im Spiel, und der Körper bildet auch keine Antikörper. Der auslösende Faktor ist das UV-Licht der Sonne. Wissenschaftler haben untersucht, dass UV-Licht die Immunabwehr in den Hautzellen schwächt. Natürliche Spaltprodukte, die durch Photoreaktionen in der Haut entstehen, scheinen plötzlich wie Allergene zu agieren. Durch das UV-A-Licht entstehen in der Haut zudem freie Radikale, die Entzündungsreaktionen in Gang setzen. Im Labor und in klinischen Versuchen konnte ein Gemisch aus Antioxidantien die PLD verhindern oder abschwächen.

 

Aus Laborexperimenten wissen Forscher, dass etwa 75 Prozent der Patienten ausschließlich auf UV-A-Licht reagieren, lediglich 10 Prozent auf reines UV-B-Licht und 15 Prozent auf die Kombination aus beiden. Das erklärt, warum manche Menschen einen Ausschlag entwickeln, obwohl sie durch ein Fensterglas vor der direkten Sonnenstrahlung geschützt waren, zum Beispiel am Arm nach einer Autofahrt. Fensterglas lässt einen erheblichen UV-A-Lichtanteil passieren, während es den größten Teil der UV-B-Strahlung reflektiert. Wer im Schatten Schutz vor der UV-Strahlung sucht, sollte wissen: Selbst dort wirken noch bis zu 70 Prozent der UV-Strahlung, weil der Boden und viele Gegenstände in der Umgebung die Strahlen reflektieren.

 

Auch unbehandelt würde die polymorphe Lichtdermatose innerhalb einiger Tage spontan und spurlos verschwinden. Weil der Juckreiz die Betroffenen jedoch sehr quält und ihnen meist den Schlaf raubt, möchten sie ihre Beschwerden lindern. Bewährt hat sich die Kombination aus kühlendem Polidocanol-haltigem Gel und einem schwach wirksamen, entzündungshemmenden Corticosteroid als Gel, Cremegel, Lotion oder Spray. Beide im Wechsel dünn auftragen. Wichtig für die Beratung: Im Gesicht und bei Kindern sollen Glucocorticoide nur einmal täglich und maximal ein paar Tage angewendet werden. Gegen extrem starken Juckreiz hilft die Einnahme von Antihistaminika. Der wichtigste Rat ist jedoch, dass sich die Patienten während der folgenden Tage nur im Schatten aufhalten und die betroffenen Hautstellen bedecken, am besten mit leichter Baumwollkleidung.

Behutsame Lichtgewöhnung

Die Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Patienten während des Urlaubs oder Sommers an die UV-Strahlung gewöhnen. Schließlich vertragen sie sogar problemlos lange und intensive Sonnenbäder. Allerdings kehren bei vielen die Ausschläge im nächsten Jahr wieder. Daher sollten sie rechtzeitig an die Prophylaxe denken: Sich zunächst nur kurz in der Sonne aufhalten und die Zeiten allmählich steigern. Immer sollten sie ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen, am besten zwischen 30 und 50. Weil sich der Lichtschutzfaktor aber nur auf die Schutzwirkung vor UV-B-Strahlung bezieht, sollte das Produkt immer auch UV-A-Filter enthalten. Viele Menschen bleiben durch die Anwendung von Präparaten mit UV-A-Filtern völlig von der polymorphen Lichtdermatose verschont. Außerdem verbessern Zusätze von Antioxidantien wie Vitamin E oder α-Glucosylrutin in den Sonnenschutzmitteln deren prophylaktische Wirkung deutlich (beispielsweise in Eucerin® Sonnenallergieschutz Creme-Gel).

 

Extrem empfindliche Patienten können vor Urlaubsantritt beim Hautarzt ein light-hardening durchführen lassen, das ist eine Gewöhnung unter UV-Lampen. Dagegen hatte die Einnahme diverser Nahrungsergänzungsmittel in Studien keine Erfolge. Für diese Indikation angeboten werden Mono- oder Kombipräparate mit Beta-Carotin, Nicotinamid (Vitamin B6), Folsäure, Calcium und Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl. Da durch die Einnahme solcher Präparate kaum Nebenwirkungen zu erwarten sind, kann der Patient versuchsweise damit eine Prophylaxe durchführen. PTA oder Apotheker sollten Raucher allerdings warnen, denn nachweislich erhöhen tägliche Dosen über 20 mg Beta-Carotin das Lungenkrebsrisiko.

 

Eine weitere Lichtdermatose ist die Mallorca-Akne (Acne aestivalis). Sie betrifft junge Erwachsene, meist Frauen, ähnelt im Aussehen einer jugendlichen Akne mit kleinen Knötchen und Pusteln und befällt bevorzugt Oberarme, Schultern und den Rücken.

Akne ähnlich, ohne Juckreiz

Die Pusteln bleiben oft über Wochen bestehen. »Im Gegensatz zur polymorphen Lichtdermatose juckt die Mallorca-Akne fast gar nicht«, erklärt die Dermatologin und Privatdozentin Dr. Ina Had­shiew aus Köln auf Anfrage von PTA-Forum. Ihr Forschungsgebiet sind Lichtdermatosen.

 

Die Mallorca-Akne entsteht nach dem Auftragen von sehr fett- und emulgatorhaltigen Sonnencremes in Kombination mit UV-Licht und Schweiß. Infolge entzünden sich die Talgdrüsenfollikel. Mallorca-Akne lässt sich zu rund 90 Prozent verhindern, wenn die Betroffenen Sonnenschutzmittel anwenden, die keine Fette und Emulgatoren enthalten. Für diese Personengruppe eignen sich daher Spezialprodukte (wie Ladival® Sonnenschutz Fluid Schutz und Regeneration). Das gilt übrigens auch für alle übrigen Körperpflegemittel wie Après-Produkte, Pflegelotionen oder Nachtcremes.

 

Zwei weitere, aber sehr seltene Formen der Lichtdermatosen sind die photoallergische und photokontaktallergische Dermatitis. Beide sind echte Allergien, sehen wie ein al­lergisches Kontaktekzem aus und betreffen fast nur Erwachsene. Schon kurz nachdem der Patient die Sonne verlassen hat, breiten sich scharf begrenzte rote Flecken auf allen Hautbereichen aus, die dem UV-Licht ausgesetzt waren. Nach ein bis zwei Tagen beginnt die Haut zu schuppen, später heilen die Areale ab. Die akute Behandlung ähnelt der Therapie der polymorphen Lichtdermatose. Allerdings verordnen Dermatologen bevorzugt höher potente Steroide.

Lokale oder systemische Auslöser

Bei der photokontaktallergischen  Hautreaktion ist der Ausschlag auf die Areale beschränkt, auf die zuvor das Photoallergen, beispielsweise ein Kosmetikum oder Parfüm, aufgetragen wurde. Bei der photoallergischen Dermatitis treten die Ekzeme auf allen besonnten Bereichen auf. Durch die UV-A-Strahlung werden die Arzneistoffe in der Haut gespalten, aktiviert oder binden an körpereigene Proteine. So entstehen Antigene, die eine echte allergische Antwort des Immunsystems ankurbeln. Die Tabelle listet die häufigsten bekannten topischen Photoallergene auf.

Beispiele für Auslöser photoallergischer Reaktionen

Einsatz als Allergene
UV-Filter in Sonnenkosmetika para-Aminobenzoesäure, Benzophenone, Benzoylmethane, Zimtsäureester
antimikrobielle Substanzen in Seife, Wundsalbe, Kosmetika halogenierte Salicylanilide, Hexachlorophen, Bithionol
Duftstoffe in Kosmetika Moschus, 6-Methylcoumarin (Kokosnussaroma), Ambrette Moschus (»Herrenduft«)
lokale Antiphlogistika Ketoprofen

Als mögliche systemische Photoallergene gelten Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe), nicht-steroidale Antiphlogistika, Psychopharmaka (Phenothiazine), das Diuretikum Hydrochlorothiazid und Chinidin.

Zur Diagnose einer kontaktallergischen Photoreaktion führt der Hautarzt den Photo-Patch-Test durch. Dazu klebt er zwei identische Pflasterstreifen auf die Haut. Diese enthalten mehrere potenzielle Allergene eingebettet in Vaseline. Die Pflaster müssen danach für 48 Stunden auf dem Rücken verbleiben. Während dieser Zeit darf der Patient weder duschen noch baden oder Sport treiben. Nach den zwei Tagen entfernt der Dermatologe einen der Streifen und bestrahlt den Rücken mit UV-A-Licht. Wenn sich anschließend nur auf der bestrahlten Seite Stellen röten, gilt die Photoallergie als bestätigt. Dann muss der Patient zukünftig auf Kosmetika mit dem entsprechenden Inhaltsstoff verzichten.

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